Aktives Asset Management als Wachstumstreiber: AMAS-Studie belegt erstmals messbare Vorteile für Schweizer Wirtschaft

AMAS-Studie erkennt volkswirtschaftlich relevante Effekte des aktiven Asset Managements (Collage: BCP/IT)
AMAS-Studie erkennt volkswirtschaftlich relevante Effekte des aktiven Asset Managements (Collage: BCP/IT)

Eine neue Studie der Asset Management Association Switzerland (AMAS) weist erstmals die volkswirtschaftlichen Vorteile aktiven Asset Managements nach. Die von Florian Weigert, Professor an der Universität Neuenburg, durchgeführte Analyse von 20 Volkswirtschaften über 35 Jahre zeigt für die Schweiz erhebliche Effekte.

03.02.2026, 15:14 Uhr
Asset Management | Finanzplätze | Vorsorge

Redaktion: asc

Die empirische Analyse, welche am Dienstag vorgestellt wurde, stützt sich auf Daten aus 20 entwickelten Volkswirtschaften über einen Zeitraum von 1990 bis 2024 – also über 35 Jahre hinweg. Diese breite Datenbasis erlaubt belastbare Vergleiche zwischen Ländern mit unterschiedlich stark ausgeprägtem aktivem Fondsmanagement.

Die zentrale Hypothese der Untersuchung lautet: Aktive Fondsmanager erfüllen durch ihre selektive, auf Fundamentaldaten basierende Kapitalallokation eine volkswirtschaftlich bedeutsame Funktion. Indem sie Kapital gezielt in die produktivsten und vielversprechendsten Unternehmen lenken, verbessern sie die Effizienz der Ressourcenverteilung. Dies wiederum wirkt sich positiv auf Wachstum, Innovation, Beschäftigung und gesamtgesellschaftlichen Wohlstand aus.

Konkrete Zahlen für die Schweiz

Die Ergebnisse bestätigen diese Annahme mit bemerkenswerten Zahlen für die Schweiz:

Wirtschaftswachstum

Der bestehende Grad an aktivem Asset Management hat das durchschnittliche BIP-Wachstum um 0,43 Prozentpunkte pro Jahr erhöht. Dies im Vergleich zu einer kontrafaktischen Wirtschaft, die ausschliesslich von passiven und privaten Anlegern geprägt wäre. Über den gesamten Untersuchungszeitraum von 35 Jahren kumuliert sich dieser scheinbar kleine jährliche Effekt zu einer rund 16 Prozent grösseren Wirtschaftsleistung.

Aktienmarktrenditen

Die jährlichen Aktienmarktrenditen lagen dank aktivem Management um 0,60 Prozentpunkte höher als im passiven Szenario. Über 35 Jahre ergibt dies ein etwa 23 Prozent höheres Aktienmarktpreisniveau – ein erheblicher Unterschied für alle Marktteilnehmer.

Altersvorsorge

Die positiven Effekte wirken sich direkt auf die berufliche Vorsorge aus. Die zusätzliche jährliche Rendite von 0,60 Prozentpunkten führte zwischen 1990 und 2024 zu einem geschätzten zusätzlichen Pensionskassenvermögen von rund 27 Milliarden Schweizer Franken. Damit stärkt aktives Asset Management die finanzielle Basis der zweiten Säule erheblich.

Differenzierte Einordnung der Debatte

Studienautor Florian Weigert plädiert trotz dieser klaren Erkenntnisse für eine differenziertere Betrachtung der oft polarisiert geführten Debatte zwischen aktivem und passivem Management: Die Ergebnisse zeigten, dass diese Diskussion nicht allein auf individuelle Fondsperformance oder Gebühren reduziert werden sollte. Vielmehr müssten auch die weiterreichenden wirtschaftlichen Externalitäten berücksichtigt werden, die mit aktiver Kapitalallokation verbunden seien.

Weigert anerkennt durchaus die Vorzüge passiver Strategien. Sie böten Kostenvorteile und Diversifikation für Anlegerinnen und Anleger. Allerdings warnt er: Die mechanische Funktionsweise passiver Strategien könne die Markteffizienz verwässern, wenn sie zu dominant werde. Passive Fonds investieren nach festen Regeln in Indexbestandteile, ohne die fundamentale Qualität einzelner Unternehmen zu bewerten. Eine zu starke Verbreitung dieses Ansatzes könnte die Preisfindungsfunktion der Märkte beeinträchtigen.

Bedeutung für den Finanzplatz Schweiz

AMAS-Präsident Iwan Deplazes betont denn auch die gesamtwirtschaftliche Relevanz der Studienergebnisse: Aktives Management trage wesentlich zum Funktionieren der Finanzmärkte und der Realwirtschaft bei. Der wichtigste Effekt liege in Produktivitätssteigerungen: aktives Fondsmanagement verbessere die Kapitalallokation, indem es Mittel in Unternehmen und Sektoren mit höherem Wachstumspotenzial und robusterer Unternehmensführung lenke.

Gerade für die Schweiz mit ihrer innovationsorientierten Wirtschaftsstruktur, international integrierten Kapitalmärkten und einem starken Vorsorgesystem verdeutliche die Studie, dass aktives Asset Management nicht nur eine Anlagestrategie sei, sondern ein relevanter Faktor für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

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