27.04.2026, 07:49 Uhr
Geopolitische Entspannung in der Strasse von Hormuz und institutionelle Nachfrage treiben den Bitcoin-Kurs auf ein Zwölf-Wochen-Hoch. Eine Modellrechnung von WisdomTree ortet im relativen Wertvergleich zu Gold zudem...
Die scharfe Korrektur an den europäischen Aktienmärkten im ersten Quartal 2026 hat nach Einschätzung von Rothschild & Co Asset Management die relative Attraktivität europäischer Titel wiederhergestellt. Entscheidend für eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends sei nun, wie lange der Konflikt im Nahen Osten anhält und auf welchem Niveau sich die Energiepreise einpendeln.
Das erste Quartal 2026 war geprägt von einer markanten Zuspitzung der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Diese habe Sorgen vor einem Ölschock und einem temporären Wiederaufflammen des Inflationsdrucks ausgelöst und ab Ende Februar zu einer signifikanten Korrektur an den europäischen Märkten geführt. «Diese Phase erhöhter Volatilität stellt aus unserer Sicht die Fundamentaldaten, die den europäischen Ausblick stützen, derzeit nicht infrage», hält Anthony Bailly, Head of European Equity bei Rothschild & Co Asset Management, in seinem aktuellen Quartalsausblick fest. Er verweist auf eine sich allmählich erholende Konjunktur, eine wieder mit geldpolitischer Lockerung kompatible Inflation sowie auf Bewertungen, die deutlich unter den US-amerikanischen lägen.
In den USA habe sich die Wirtschaft weiterhin bemerkenswert robust gezeigt – der Konsum sei intakt geblieben, der Arbeitsmarkt habe sich stabilisiert. Gleichzeitig hätten die durch die Nahost-Krise gestiegenen Energiepreise die Inflationserwartungen neu befeuert und die Markteinschätzung gestärkt, dass die Federal Reserve länger zurückhaltend bleiben dürfte als zunächst erwartet.
In der Eurozone falle das Bild gemischter aus. Der Composite-PMI habe sich aber oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten gehalten, das verarbeitende Gewerbe – besonders in Deutschland – setze seine Erholung fort. Die Wachstumsprognosen für 2026 liegen laut Internationalem Währungsfonds (April 2026) weiterhin bei rund 1 Prozent. Erwartete fiskalische Impulse, namentlich aus Deutschland, sowie höhere Verteidigungsausgaben könnten laut Bailly einen «tugendhafteren Zyklus» für die europäische Wirtschaft anstossen. Die Rekord-Tiefstände bei der Arbeitslosigkeit in der Eurozone und die Erholung der Auftragseingänge in der deutschen Industrie seien ermutigende Signale.
Auf Quartalssicht entwickelten sich US- und europäische Indizes in Euro und mit reinvestierten Dividenden ähnlich: Der Eurostoxx verlor 2,5 Prozent, der S&P 500 2,7 Prozent. Besonders stark unter Druck gerieten zyklische und energieintensive Sektoren – Automobil, Konsumgüter, Immobilien. Demgegenüber zeigten sich Energietitel mit einem Plus von 38,4 Prozent als klare Gewinner; Telekom und Versorger hielten sich relativ gut. Der Value-Stil führte mit +2,1 Prozent das Wachstumssegment (-5,9 Prozent) klar an. (Quelle: Bloomberg, 31. März 2026)
Wesentlich ist aus Bailly's Sicht die daraus resultierende Bewertungslage: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien sei auf 13,9 für die erwarteten Gewinne gefallen, während der US-Markt bei 20,5 notiere. Der Bewertungsabschlag bleibe damit erheblich. Wichtig: Die Korrektur sei nicht von signifikanten Gewinnrevisionen begleitet worden. Die Konsens-Erwartung für das Gewinnwachstum europäischer Unternehmen 2026 bleibe bei rund 10 Prozent. Das erste Quartal sei somit primär durch ein De-Rating geprägt gewesen, nicht durch eine fundamentale Neubewertung.
Seit Quartalsende habe sich die Lage durch die angekündigte Waffenruhe im Iran spürbar entspannt. Der anschliessende Rückgang der Ölpreise und das umgehende Erholen der europäischen Indizes zeige, wie rasch die Märkte die Energieprämie reduzierten, sobald das Risiko einer extremen Eskalation abnehme. Bestätige sich diese Entspannung, könnte der Haupttreiber der Quartalskorrektur rasch an Bedeutung verlieren. Europa würde laut Bailly dann jene Faktoren zurückgewinnen, die für seine mittelfristige Trajektorie sprechen: eine besser kontrollierte Inflation als jenseits des Atlantiks, eine potenziell kreditfreundlichere Geldpolitik, ein sich erholendes verarbeitendes Gewerbe sowie strukturelle fiskalische Unterstützung.
Das erste Quartal 2026 sei rückblickend stärker eine Phase externen Stresses als eine Infragestellung des europäischen Investment Cases gewesen, schreibt Bailly. Steigende Öl- und Gaspreise sowie der Druck auf die Zinsen hätten die Korrektur ausgelöst – und gleichzeitig die Bewertungen wieder attraktiver gemacht. Sollte sich die Entspannung im Nahen Osten bestätigen, könnten sich die europäischen Märkte rasch wieder auf ihre Fundamentaldaten konzentrieren: einen attraktiveren Bewertungsausgangspunkt, anhaltende Gewinnmomente und eine graduell bessere Makrolage.