09.07.2026, 10:09 Uhr
Die Schweizer Pensionskassen haben den Juni mit einer soliden Performance abgeschlossen. Wie aus der aktuellen UBS-Studie «Pensionskassen-Performance» hervorgeht, erzielten die im UBS-Sample erfassten...
Die Versicherungsbranche dreht die Allokationsschraube weiter in Richtung Private Credit. Das zeigt die heute veröffentlichte «Global Insurance Investments Survey 2026» von Marsh, für die 123 Versicherer aus 24 Ländern mit einem Gesamtinvestitionsvermögen von über 4 Billionen US-Dollar befragt wurden.
Mehr als die Hälfte der Teilnehmer – konkret 57 Prozent – plant, das Engagement in dieser Anlageklasse in den nächsten zwölf bis 24 Monaten auszubauen. Damit überholt Private Credit erstmals sogar öffentliche festverzinsliche Wertpapiere, die noch von 48 Prozent der Befragten als Wachstumsfeld genannt werden. Die Dynamik ist bemerkenswert: In der vergleichbaren Marsh-Umfrage aus dem Jahr 2024 planten lediglich 32 Prozent der Versicherer eine Erhöhung ihrer Private-Credit-Allokationen. Der Appetit hat sich also in wenigen Jahren deutlich verstärkt.
Innerhalb von Private Credit richtet sich der Fokus klar auf das Investment-Grade-Segment. Besonders gefragt sind Investment-Grade Direct Lending und Private Placements (40 Prozent der Befragten), gefolgt von Investment-Grade Structured Credit, Asset-Based Finance, NAV-Finanzierungen und Fondsfinanzierungen (38 Prozent). «Private Credit ist für Versicherer, insbesondere im Asset-Backed-Finance-Bereich, eine attraktive Anlagechance. Versicherer können das Unternehmensrisiko diversifizieren und gleichzeitig einen Renditeaufschlag gegenüber vergleichbar bewerteten Investment-Grade-Anleihen am öffentlichen Markt erzielen», lässt sich David Morrow, Global Insurance Proposition Leader bei Mercer, zitieren.
Der regionale Vergleich offenbart erhebliche Unterschiede: In den USA planen 65 Prozent der Versicherer eine Aufstockung ihrer Allokationen, in Kanada sind es sogar 74 Prozent. Europa und Grossbritannien zeigen sich deutlich verhaltener – nur 51 Prozent der europäischen und 46 Prozent der britischen Versicherer beabsichtigen, ihr Engagement zu erhöhen.
Auch die Unternehmensgrösse spielt eine entscheidende Rolle: 81 Prozent der Versicherer mit einem Vermögen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar planen eine Erhöhung – gegenüber lediglich 46 Prozent bei den kleineren Häusern. Nach Sparten führen Lebensversicherer mit einer Allokationsbereitschaft von 73 Prozent, gefolgt von Krankenversicherern (56 Prozent) und Schaden-/Unfallversicherern (40 Prozent).
Trotz des wachsenden Interesses sind sich die Versicherer der Schattenseiten bewusst. Als grösste Sorge nennen 66 Prozent der Befragten die schwindende Illiquiditätsprämie und enger werdende Spreads – ein deutliches Signal, dass Investoren für die Liquiditätsbeschränkungen von Private Credit weiterhin ausreichend kompensiert werden wollen. Dazu kommen Bedenken wegen einer möglichen Verschlechterung der Underwriting-Standards oder Covenants (54 Prozent) sowie steigende Ausfallraten und Payment-in-Kind-Strukturen (51 Prozent).
«Um die Vorteile von Private Credit optimal zu nutzen, benötigen Versicherer einen rigorosen Ansatz bei der Managerauswahl. Starke Sourcing-, Underwriting-, Portfoliokonstruktion- und Workout-Fähigkeiten sind entscheidend, um die nächste Phase des Kreditzyklus zu meistern», so Amit Popat, Global Head of Financial Institutions bei Mercer.
Zwischen Wollen und Können klafft eine erhebliche Lücke: Nur 30 Prozent der befragten Versicherer geben an, intern über die meisten erforderlichen Private-Markets-Kompetenzen zu verfügen. 29 Prozent besitzen nach eigener Einschätzung lediglich «einige» der benötigten Fähigkeiten. Dieser Ressourcenmangel schränkt die Möglichkeiten ein, Allokationen in Private Markets vorzunehmen, diese ausreichend zu diversifizieren und durch kontinuierliche Due-Diligence-Prüfungen aufrechtzuerhalten.
Josh Zwick, Partner in Oliver Wymans Versicherungs- und Asset-Management-Practice, sieht externe Partnerschaften als Lösung: «Selbst die grössten Versicherer erkennen, dass sie nicht über alle erforderlichen Kompetenzen oder Kapazitäten intern verfügen, und wenden sich an externe Private-Credit-Manager, um Lücken zu schliessen und risikobereinigte Renditen zu steigern. Alle sind darauf bedacht, ihre Fähigkeiten auszubauen – und das bedeutet oft, Partner zu finden, die dabei helfen können, die Komplexität der verschiedenen Bereiche des weitläufigen Private-Credit-Marktes zu bewältigen.»
Auch auf der Technologieseite zeigt die Umfrage ein ernüchterndes Bild: Mehr als die Hälfte der Versicherer (54 Prozent) setzt KI derzeit nicht in entscheidender Weise ein. Weniger als ein Drittel (29 Prozent) nutzt KI für die Analyse von Daten und Research im Bereich Private Markets. Wo KI eingesetzt wird, konzentriert sich der Einsatz auf Datenintegration, Szenarienentwicklung, Dokumentenprüfung, Manager-Monitoring und Risikoanalyse. Auch hier zeigt sich ein klarer Grösseneffekt: 75 Prozent der Versicherer mit einem verwalteten Vermögen von über 100 Milliarden US-Dollar berichten von einem nennenswerten KI-Einsatz – bei jenen unter 1 Milliarde US-Dollar sind es gerade einmal rund 10 Prozent.