26.01.2026, 21:41 Uhr
Eine beispiellose juristische Eskalation bedroht die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Fidelity-Stratege Salman Ahmed rechnet dennoch mit einer Entspannung.
Die Dollarschwäche trifft Schweizer Firmen weniger stark als ein schwacher Euro. Genau Letzteres befürchten von der USB befragte Unternehmen. Nicht so die Grossbank. Sie geht von einem wieder leicht höheren Euro aus. Einigkeit besteht beim Dollar. Er werde sich im weiteren Jahresverlauf beruhigen, lautet der Tenor
Im Spätherbst 2025 hatte die UBS rund 300 Schweizer Unternehmen zu ihrem Ausblick der Wirtschafts- und Wechselkursentwicklung befragt. Die Firmen sagten per Ende 2026 durchschnittlich einen Euro/CHF-Wechselkurs von 0.91 und einen USD/CHF-Kurs von 0.78 voraus. Mit anderen Worten: Der Dollar würde nach dem jüngsten Rückschlag sein Niveau halten, der Euro sich zum Franken hingegen weiter abschwächen.
Eine solche Entwicklung wäre für die Schweizer Wirtschaft ein weiterer Nackenschlag. Obwohl sich die öffentliche Aufmerksamkeit zurzeit vorab auf die US-Währung fokussiert, aufs Gold und den Bitcoin, deren Preise in Dollar lauten – sind die USA für den Schweizer Aussenhandel mit einem Exportanteil von etwas mehr als 10 Prozent eindeutig weniger wichtig als der Euroraum. Mit keinem anderen Markt ist die schweizerische Exportwirtschaft so eng verknüpft wie mit dem Euroraum.
Für sich unwohl fühlende Unternehmen hat die UBS allerdings eine beruhigende Botschaft bereit: Die Schweizer Grossbank rechnet fürs zweite Halbjahr mit einer Stimulierung von Deutschlands Konjunktur aufgrund des von der Regierung beschlossenen rekordhohen Investitionsprogramms. Die UBS-Ökonomen gehen dementsprechend von einer leicht stärkeren Gemeinschaftswährung aus und prognostizieren für Ende Jahr einen EUR/CHF-Kurs von 0.95.
Einig sind sich Schweizer Unternehmen und UBS beim Dollarausblick. Die durchschnittliche Wechselkurserwartung der Firmen bewegt sich mit 0.78 nahe am gegenwärtigen Niveau und der UBS-Prognose per Ende Jahr von 0.79.
Kurzfristig könnte eine weitere Lockerung der US-Geldpolitik – Die UBS-Ökonomen sagen noch zwei Zinssenkungen des Fed in diesem Jahr voraus – den Dollar belasten. Dann aber dürfte die US-Notenbank ihren Zinssenkungszyklus beende und auf Seitwärtsgang schalten.
Die in den USA noch immer dominierende Inflation (Trumps Zollpolitik lässt grüssen) schränkt den Spielraum der US-Geldhüter ein. Daran führt auch für den neuen Notenbankchef Kevin Warsh kein Weg vorbei. Wie Alessandro Bee vom UBS CIO Global Wealth Management bei der Medienpräsentation des «UBS-Outlooks» erklärt, gebe es mit Warsh nur graduelle Veränderungen. Er werde die Balance zwischen den Ansprüchen der Regierung und den wirtschaftlichen Fakten halten, ist Bee überzeugt.
Die grössten Sorgen der US-Bevölkerung seien die hohen Lebenshaltungskosten. Dass sich die Inflation verschärfe, werde auch US-Präsident Trump nicht riskieren und deshalb vorsichtiger mit dem Zollhammer umgehen. Vor allem aber sei er vor den Midterm-Wahlen im November nicht an Kursturbulenzen interessiert. Das spricht für die UBS-Ökonomen für eine Beruhigung des Dollarkurses, zumal die US-Wirtschaft gut laufe und Trumps Konjunkturpritze zu wirken beginne.
Was die Schweizer Konjunktur betrifft, gehen die UBS-Ökonomen fürs laufende Jahr von einem Wachstum von 0,9 Prozent aus. In der zweiten Jahreshälfte und 2027 dürfte mit dem deutschen Wirtschaftsaufschwung auch die Schweiz zum längerfristigen Trend zurückfinden. Die Prognose der UBS für 2027 liegt mit 1,5 Prozent allerdings am unteren Rand der Schätzung fürs Trendwachstum.
Angesichts des sich in Grenzen haltenden wirtschaftlichen Wachstums und der weiterhin niedrigen Inflation sehen sowohl die befragten Unternehmen als auch die UBS keinen Anlass für eine Senkung des Schweizer Leitzinses unter null. Die Erwartungen deuten grossmehrheitlich auf einen unveränderten Leitzins der SNB von 0 Prozent für längere Zeit hin.