26.01.2026, 14:55 Uhr
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt erneut eine Anpassung bei der Verzinsung von Sichtguthaben vor. Sie will damit ihre Geldpolitik effektiv umsetzen. An der geldpolitischen Ausrichtung ändere sich aber...
Eine beispiellose juristische Eskalation bedroht die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Fidelity-Stratege Salman Ahmed rechnet dennoch mit einer Entspannung.
Der Druck auf die Federal Reserve hat eine neue Dimension erreicht. US-Staatsanwälte haben Berichten zufolge eine strafrechtliche Untersuchung gegen Fed-Vorsitzenden Jerome Powell eingeleitet. Im Zentrum steht eine Renovierung des Fed-Hauptsitzes im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar. Powell selbst wehrte sich umgehend gegen die Vorwürfe und warnte, die Ermittlungen seien ein Versuch, die Unabhängigkeit der Zentralbank zu untergraben.
«Die Märkte haben dies korrekt interpretiert», sagt Salman Ahmed, Global Head of Macro bei Fidelity International. Die unmittelbare Reaktion – ein steigender Goldpreis, ein schwächerer Dollar und eine nervöse Risikostimmung – entspreche genau dem Lehrbuch. Wenn die institutionelle Unabhängigkeit infrage gestellt werde, griffen Anleger nach risikoarmen Anlagen. Gold habe dabei am stärksten reagiert, gestützt durch die geopolitische Lage.
Ahmed skizziert zwei grundlegend unterschiedliche Entwicklungspfade. Eine weitere Eskalation sei zwar unwahrscheinlich, das Risiko jedoch erheblich. «In einem solchen Szenario würde der Dollar strukturell schwächer», erklärt der Fidelity-Stratege. Die Zinsvolatilität würde steigen, da sich die Risikoprämien am langen Ende neu ausrichteten. Eine Zinskurvenkontrolle (Yield Curve Control) rücke näher, Aktien würden einen politischen Risikoaufschlag tragen, und Gold bliebe gefragt.
«Niemand gewinnt dabei», warnt Ahmed. Die Kapitalkosten stiegen und die geldpolitische Transmission werde gestört. Sein Basisszenario sei jedoch ein anderes: die Beruhigung der Lage. Er nennt es «den Abklang». In diesem Fall verliere die Geschichte an Dynamik. Bisher seien keine Anklagen erhoben worden. Da Powell nur noch wenige Monate in seiner Amtszeit verblieben, sei der Nutzen einer Eskalation gering – während die Risiken einer Marktinstabilität real seien.
Selbst wenn sich die Situation entspanne, sei der Schaden nicht gleich null, gibt Ahmed zu bedenken. Die grössere Frage betreffe die Fed nach Powell. «Die künftige Führung der Fed wird als deutlich stärker exponiert wahrgenommen werden», prognostiziert er. Das deute auf einen stärker fiskalisch dominierten Politikmix hin: höhere Toleranz gegenüber Inflation, weniger präventive Straffung, mehr politischer Druck.
Dieses Regime sei gut für Gold, schlecht für den Dollar und sorge für volatile langfristige Zinsen – bis eine Zinskurvenkontrolle eingeführt werde. Ahmed merkt an, dass dies «interessanterweise genau so» sei, wie die Märkte nach den ersten Nachrichten über Powell reagiert hätten.
Das wahrscheinlichste kurzfristige Ergebnis sei eine Deeskalation – besonders, wenn sich die Marktreaktionen weiter verschlechterten, so der Fidelity-Experte. Doch die «Unabhängigkeitsprämie» der Fed habe einen Dämpfer erhalten. «Sobald Märkte dieses Risiko einpreisen, geben sie es selten schnell wieder ab», betont Ahmed.
Die Geldpolitik dürfte nun für den Rest der Powell-Amtszeit stillstehen. Die Ereignisse zementierten die Haltung, dass die weltweit wichtigste Zentralbank nicht den Eindruck erwecken wolle, äusserem Druck nachzugeben. Zusätzliche Zinssenkungen dürften jedoch folgen, sobald ein neuer Fed-Vorsitz antrete, erwartet Ahmed.