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Lombard Odier Investment Managers: Die Farbe des Geldes

Marc Palahí ist Chief Nature Officer bei Lombard Odier Investment Managers (Bild LOIM)
Marc Palahí ist Chief Nature Officer bei Lombard Odier Investment Managers (Bild LOIM)

Eine zirkuläre Bioökonomie ist notwendig, um Investitionen, Arbeitsplätze und Innovationen in ländliche Regionen zu bringen, damit diese ihr volles Potenzial zur Schaffung von Wohlstand und Lebensqualität entfalten können. Dies schreibt Marc Palahí, Chief Nature Officer bei Lombard Odier Investment Managers.

07.09.2026, 11:01 Uhr
Nachhaltigkeit

Autor: Von Marc Palahí, Chief Nature Officer bei Lombard Odier Investment Managers

Redaktion: asc

Während New York, das Finanzzentrum der Welt, erlebt, wie sich der Himmel durch den Rauch der verheerenden Waldbrände in Kanada grau färbt, sind in Spanien bereits mehr als 153'000 Hektar verbrannt, sechsmal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieses Jahr entwickelte sich schliesslich zur schlimmsten Waldbrandsaison seit drei Jahrzehnten, nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa.

Es ist schwer, in der Tatsache keine Metapher zu sehen. Das Finanzzentrum der Welt kann nun am eigenen Himmel, gleichsam wie in einem Spiegel, die wahre Farbe des Geldes sehen.

Negativen Externalitäten machen sich bemerkbar

In einer Welt, in der die Wirtschaft die Belastungsgrenzen unseres Planeten überschritten hat, schlagen die sogenannten negativen Externalitäten unserer Wirtschaft – der Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt und die Zerstörung unserer Landschaften – in immer intensivere Flammen um. Der Rauch, den sie erzeugen, wird dort sichtbar, wo er das grösste Unbehagen verursacht. Es wird zunehmend schwieriger, das Offensichtliche zu ignorieren.

Wirtschaftliche Externalitäten führen zu Umweltrisiken wie Dürren, Überschwemmungen, Waldbränden und Hitzewellen, die wiederum wie ein Bumerang in Form immer grösserer wirtschaftlicher Verluste zurückkehren. Die Wirtschaft heizt damit das Feuer immer weiter an, an dem sie sich letztlich selbst verbrennt.

Wie ich beim Mediterranean Economic and Social Forum anmerkte, haben sich die weltweiten Versicherungsverluste im Zusammenhang mit dem Klimawandel in den vergangenen fünf Jahren gegenüber dem vorherigen Jahrzehnt verdoppelt. In Europa nehmen die wirtschaftlichen Verluste infolge von Extremereignissen wie Überschwemmungen, Waldbränden und Dürren stetig zu: Über die vergangenen fünf Jahrzehnte stiegen sie durchschnittlich alle zwölf Jahre um 10 Milliarden Euro.

Diese Extremereignisse und ihre wirtschaftlichen Folgen sind Symptome eines Wirtschaftssystems, das sich in einer vielschichtigen Krise befindet, so wie Fieber ein Symptom bestimmter Krankheiten ist.

Fossile Ressourcen als Basis unserer Wirtschaft

Diese Krise ist das Ergebnis einer Wirtschaftsweise, die seit mehr als einem Jahrhundert auf fossilen Ressourcen basiert.

Fossile Ressourcen werden abgebaut, nicht regeneriert und unsere Wirtschaft hat diese extraktive Beziehung auf alles um sie herum ausgeweitet, einschliesslich der grundlegenden Infrastruktur, die unseren Planeten und damit auch unsere Wirtschaft reguliert: die Natur.

Fossile Ressourcen waren nicht nur unsere Energiequelle; sie haben jeden Wirtschaftssektor durchdrungen: die Landwirtschaft (zum Beispiel durch Düngemittel und Pestizide), die Modebranche (Polyester), die Chemie- und Pharmaindustrie und das Bauwesen (Stahl und Beton).

Da ihre Nutzung von einer endlichen Ressource abhängt, die sich nicht regenerieren kann, haben fossile Ressourcen nicht nur das Klima unseres Planeten verändert, sondern auch unsere Wirtschaft von der Ökologie des Planeten entkoppelt.

Wirtschaft und Ökologie haben denselben griechischen Ursprung: oikos, was «unser gemeinsames Zuhause» oder «unser gemeinsamer Lebensraum» bedeutet. Ökologie (vom griechischen logos) bedeutet, unser gemeinsames Zuhause zu verstehen. Ökonomie (vom griechischen nomos) bedeutet, unser gemeinsames Zuhause zu bewirtschaften. Wir können nicht verwalten, was wir nicht verstehen.

Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe hat uns von dem biologischen Netzwerk abgekoppelt, das die Grundlage des Lebens auf unserem Planeten bildet: der Natur.

Symptombekämpfung bringt wenig

Zurück zum Thema Waldbrände: Es ist offensichtlich, dass die Lösung nicht einfach darin bestehen kann, in mehr Ressourcen zur Brandbekämpfung zu investieren, da Waldbrände ein Symptom einer «kranken» Wirtschaft sind. Damit werden lediglich die Symptome bekämpft, nicht die Ursachen.

Die Lösung wird auch nicht allein in Präventivmassnahmen liegen.

Das Problem liegt tiefer, denn Landschaften lassen sich nicht im grossen Massstab verändern, ohne auch das Wirtschaftsmodell zu verändern, das sie hervorgebracht hat.

Dabei ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass das auf fossilen Brennstoffen basierende Wirtschaftssystem zu zwei grossen strukturellen Veränderungen geführt hat, die uns in die heutige Extremsituation gebracht haben.

  • Eine Veränderung in der Physik der Atmosphäre: Wir müssen uns bewusst machen, dass die Atmosphäre gemäss den Gesetzen der Thermodynamik mit jedem Grad Celsius Erwärmung 7 % mehr Wasser aufnehmen kann. Das bedeutet, dass die Atmosphäre während trockener Jahreszeiten mehr Feuchtigkeit aus unseren Böden und Landschaften aufnehmen wird, wodurch Dürren und Waldbrände häufiger und intensiver werden. Gleichzeitig wird die Atmosphäre während der Regenzeiten mehr Wasser in Form von Starkregen zurückführen. Dürren, Brände und Überschwemmungen sind paradoxerweise unterschiedliche Ausprägungen desselben Problems.
  • Sozioökologischer Wandel in unseren ländlichen und städtischen Landschaften: Die auf fossilen Brennstoffen basierende Wirtschaft hat zudem Landschaften hervorgebracht, die immer eintöniger und stärker geschädigt sind und dadurch dem Klimawandel weniger standhalten können – und das zu einer Zeit, in der Extremereignisse eine entscheidende Rolle spielen. Diese Vereinfachung zeigt sich etwa darin, dass in vielen Teilen der Welt artenreiche natürliche Ökosysteme durch grossflächige Monokulturen ersetzt wurden, die stark von synthetischen Betriebsmitteln wie Düngemitteln und Pestiziden abhängig sind. Diese Mittel schädigen die Böden und verringern die biologische Vielfalt – obwohl gerade Biodiversität unsere Ökosysteme widerstandsfähig macht. Biologische Vielfalt und gesunde Böden sind letztlich die Grundlage für die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften. Gesunde Böden können sowohl bei Dürren als auch bei Überschwemmungen deutlich mehr Wasser speichern.

In anderen Teilen der Welt, wie etwa in vielen Regionen Europas, hat dagegen die zunehmende Entvölkerung des ländlichen Raums und eine beispiellose Konzentration der Bevölkerung in städtischen Gebieten zu dieser Entwicklung beigetragen. Dadurch wurden wirtschaftliche Aktivitäten im ländlichen Raum zunehmend aufgegeben. Gleichzeitig hat sich unsere Verbindung zur Natur und zu ihren biologischen und ökologischen Kreisläufen abgeschwächt.

Landschaften, die einst ein Mosaik bildeten, in dem Wälder, Dehesas (traditionellen Waldweiden), Viehzucht und landwirtschaftliche Flächen nebeneinander existierten, wurden in Landschaften mit grossen, zusammenhängenden Flächen mit dichter Vegetation und Biomasse verwandelt, die kaum oder gar nicht bewirtschaftet werden.

Diese veränderte Beziehung zwischen Stadt und Land hat im Kontext der Klimakrise Übergangszonen geschaffen, die immer schwieriger zu bewirtschaften sind, etwa Wohnsiedlungen.

Ein Paradigmenwechsel ist nötig

An diesem Wendepunkt sollten wir uns an die Worte von Albert Einstein erinnern:

«Wir können unsere Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der wir sie geschaffen haben.»

Und genau das brauchen wir jetzt: eine neue Denkweise als Grundlage für ein neues Wirtschaftsparadigma.

Ein Paradigma, in dem wirtschaftlicher Wohlstand innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten entsteht. Eine Wirtschaft, die mit der Ökologie des Planeten im Einklang steht: eine Bioökonomie. Bio bedeutet Leben, und in einer solchen Wirtschaft wird das Leben anstelle fossiler Ressourcen zur treibenden Kraft und zum grundlegenden Zweck wirtschaftlicher Aktivitäten.

Wir brauchen eine zirkuläre Bioökonomie, die Investitionen, Arbeitsplätze und Innovationen in ländliche Regionen lenkt, damit diese ihr volles Potenzial zur Schaffung von Wohlstand und Lebensqualität entfalten können. Gleichzeitig muss sie die strukturellen Ursachen bekämpfen, die hinter Waldbränden und anderen Umweltrisiken stehen: den Klimawandel und die Zerstörung der sozioökologischen Systeme, die für ländliche Regionen charakteristisch sind.

Dieser Paradigmenwechsel erfordert, die grossen Gegensätze zu überwinden, die das Industriezeitalter geprägt haben: Ökologie versus Wirtschaft, ländlicher Raum versus Stadt und Fortschritt versus Natur.

Infrastruktur – insbesondere operative «Brownfield»-Projekte in Energie, Transport und Kommunikation – bietet langfristige, planbare Cashflows und kann Portfolios stabilisieren sowie attraktive Renditechancen eröffnen.

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