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«Die grössten Chancen liegen dort, wo Elektrifizierung, Effizienz und Infrastruktur zusammenkommen»

Christian Rom ist Portfoliomanager bei DNB Asset Management (Bild: DNB AM)
Christian Rom ist Portfoliomanager bei DNB Asset Management (Bild: DNB AM)

Nach Jahren der Enttäuschung kehrt Zuversicht in den Clean-Energy-Sektor zurück. Christian Rom von DNB Asset Management sieht die Energiewende auf einem stabilen Fundament: getrieben von Wirtschaftlichkeit, wachsendem Strombedarf und Investitionen in Netze, Elektrifizierung und Effizienz.

18.02.2026, 09:16 Uhr
Aktien | Anlagestrategie | Nachhaltigkeit

Redaktion: asc

Christian Rom, viele Clean-Energy-Aktien haben jahrelang enttäuscht. Kommt nun die Trendwende oder nur eine technische Erholung?

Die letzten Jahre waren extrem herausfordernd. Nach dem Boom 2020/21 folgten Inflation, steigende Zinsen und massive Unsicherheit. Der Tiefpunkt wurde im Sommer 2024 erreicht. Aber entscheidend ist, dass sich Visibilität seither verbessert. Trotz politischer Risiken bleibt die staatliche Unterstützung für erneuerbare Energien in den USA bis etwa 2030 weitgehend erhalten. Das allein hat gereicht, um den Boden für eine nachhaltigere Erholung zu legen.

Welche Rolle spielen die Zinsen für den Sektor?

Eine sehr grosse. Erneuerbare Energien haben keine Brennstoffkosten, dafür hohe Anfangsinvestitionen. Steigende Zinsen treffen sie daher besonders stark. Nach dem Übergang von null Prozent auf vier bis fünf Prozent hat jedoch eine Neubewertung stattgefunden. Heute sind Inflation und Zinsen stabiler – das macht Projektkalkulationen wieder verlässlich und erhöht die Investitionsbereitschaft.

Sehen Sie die Energiewende eher als politisches oder ökonomisches Projekt?

Ganz klar als ökonomisches. Wäre Klimaschutz der einzige Treiber, wäre der Fortschritt deutlich langsamer. Entscheidend ist die Effizienz: Bei fossilen Systemen gehen rund zwei Drittel der Energie verloren. Elektrifizierung ist deutlich effizienter und langfristig günstiger. Genau deshalb schreitet sie voran – unabhängig von politischen Mehrheiten.

Wo steht die Energiewende heute strukturell?

Erneuerbare Energien gewinnen kontinuierlich Marktanteile. Gleichzeitig steigt der Strombedarf stark – durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Industrie und Rechenzentren. Diese Kombination macht es einfacher, weitere erneuerbare Kapazitäten ins System zu integrieren. Die Energiewende ist deshalb kein kurzfristiger Trend, sondern eine langfristige strukturelle Entwicklung.

Was bremst den Fortschritt aktuell am stärksten?

Ganz klar die Stromnetze. Elektrizität lässt sich nicht einfach speichern oder transportieren wie fossile Brennstoffe. Netzausbau und Speicher sind die zentralen Engpässe, das sind derzeit zwei Flaschenhälse in der Energiewende. Aber wo Engpässe entstehen, entstehen oft auch attraktive Investitionsmöglichkeiten. Netze, Effizienztechnologien und Elektrifizierung bieten heute mehr Visibilität als reine Stromerzeugung

In Ländern wie Deutschland oder Grossbritannien dauern Genehmigungen für neue Leitungen oft zehn Jahre oder länger – das verlangsamt die Transformation erheblich. Bewegt sich beim Netzausbau dennoch etwas?

Ja, definitiv. Die Investitionen der Netzbetreiber haben sich im Vergleich zu vor zehn Jahren vervielfacht. Das ist zwingend nötig, um hohe Kosten für Notmassnahmen zu reduzieren. Langfristig profitieren davon auch die Konsumenten, da erneuerbarer Strom günstiger ist als fossiler.

Wer bezahlt diese gewaltigen Investitionen letztlich?

Kurzfristig tragen Endkunden einen grossen Teil der Kosten. Langfristig sinken jedoch die Gesamtkosten des Systems. Ohne Netzausbau entstehen bereits heute hohe Ineffizienzen. Investitionen sind daher kein Luxus, sondern ökonomisch sinnvoll.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für den Energiesektor?

Eine sehr grosse. Rechenzentren treiben den Strombedarf massiv nach oben. Gleichzeitig können sie helfen, Netze zu stabilisieren, indem sie Lasten zeitlich verschieben. Diese Flexibilität macht es einfacher, schwankende erneuerbare Energien zu integrieren.

Elektromobilität stockt in den USA. Ist das ein Warnsignal?

In den USA ja, global nein. Weltweit liegt der Anteil von Elektroautos bereits bei rund 20 Prozent und steigt weiter. Förderkürzungen bremsen kurzfristig, ändern aber nichts an der langfristigen Richtung. Länder wie Norwegen zeigen, wie schnell der Wandel möglich ist.

Wie ist Ihr Fonds in diesem Umfeld positioniert?

Wir investieren entlang von drei Säulen: Energieerzeugung, Elektrifizierung und Ressourceneffizienz – jeweils etwa zu einem Drittel. Besonders wichtig sind uns Geschäftsmodelle, die nicht von Subventionen abhängen und ihre Wettbewerbsfähigkeit bereits bewiesen haben. Zwei Drittel unseres Portfolios sind daher weniger regulierungsabhängig als viele vermuten.

Ørsted ist trotz der Rückschläge weiterhin eine der grössten Positionen im Fonds. Warum halten Sie an dieser Position fest?

Ørsted verfügt über eine marktführende Position im Offshore-Wind, einer Schlüsseltechnologie der Energiewende. Offshore-Wind bietet hohe Auslastungsraten, gute Planbarkeit und Skalierbarkeit. Trotz der Probleme in den USA bleibt das Unternehmen operativ stark, technologisch führend und geografisch breit diversifiziert. Auf dem aktuellen Bewertungsniveau halten wir das Chancen-Risiko-Verhältnis weiterhin für attraktiv.

Kritiker sagen, der Verlust mit Ørsted sei einer strukturellen Fehleinschätzung geschuldet. Wie selbstkritisch sind Sie?

Sehr. Wir haben politische Risiken in den USA unterschätzt – insbesondere die Möglichkeit, dass selbst weit fortgeschrittene Projekte gestoppt werden könnten. Das war eine klare Fehleinschätzung. Wichtig ist jedoch: Der Investmentcase ist nicht fundamental gebrochen. Selbst in einem konservativen Szenario ohne weiteres US-Wachstum sehen wir substanzielles Upside durch Projekte in Europa und Asien sowie durch die Normalisierung der Margen.

Warum sind Sie überzeugt, dass sich der Investmentcase mittel- bis langfristig dennoch auszahlt?

Weil Offshore-Wind strukturell gebraucht wird. Der Strombedarf wächst, verfügbare Flächen an Land sind begrenzt und Offshore-Wind liefert verlässlich grosse Mengen CO2-freien Stroms. Zudem wurden viele Risiken inzwischen im Aktienkurs reflektiert. Sollte sich die politische Lage stabilisieren oder Projekte wieder freigegeben werden, wäre das Aufwärtspotenzial erheblich.

Vestas ist ein weiterer Kernwert im Portfolio, obwohl der Sektor lange unter Margendruck stand. Was spricht heute für die Aktie?

Der Windturbinenmarkt im Westen ist stark konsolidiert. Vestas ist klarer Marktführer und operiert in einem Oligopol mit nur wenigen relevanten Wettbewerbern. Diese Marktstruktur ist ein wesentlicher Unterschied zur Solarindustrie. Wir sind überzeugt, dass diese Position mittelfristig wieder zu nachhaltiger Preissetzungsmacht führt – ein Potenzial, das im Aktienkurs lange nicht reflektiert war.

Die Margen litten stark unter Kosteninflation und alten Verträgen. Ist dieses Problem gelöst?

Noch nicht vollständig, aber die Richtung stimmt. Viele der margenschwachen Altverträge laufen aus, während neue Aufträge zu besseren Konditionen abgeschlossen werden. Gleichzeitig hat Vestas seine Service-Sparte stabilisiert, die für wiederkehrende Erträge sorgt. Der Margendruck war real – aber er war zyklisch, nicht strukturell.

Warum rechnen Sie nicht mit zunehmender Konkurrenz aus China, wie im Solarsektor?

Das geopolitische Umfeld hat sich deutlich verändert. Der Marktzugang für chinesische Anbieter in Europa und Nordamerika ist heute erheblich schwieriger als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig sind Windturbinen technologisch komplex, serviceintensiv und stark reguliert. Das schützt etablierte Anbieter wie Vestas. Wir sehen daher keine Wiederholung der Solarentwicklung im Windsektor.

Warum haben Sie die Position zuletzt dennoch deutlich reduziert?

Nach der starken Kursentwicklung haben wir Gewinne realisiert und das Gewicht reduziert. Dennoch sehen wir weiteres Upside. Wind bleibt ein zentraler Baustein der Energiewende, und Vestas ist dafür strategisch hervorragend positioniert. Die Aktie ist heute deutlich robuster aufgestellt als in der Phase des Margendrucks.

Wie lautet ihre zentrale Investmentthese für die nächsten fünf Jahre?

Die Energiewende geht weiter – nicht aus Idealismus, sondern weil sie wirtschaftlich Sinn ergibt. Der Markt ist deutlich breiter als Wind und Solar. Die grössten Chancen liegen dort, wo Elektrifizierung, Effizienz und Infrastruktur zusammenkommen.

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