Artikel-9-Aktienfonds investieren stark in konventionelle Unternehmen

Die am häufigsten verwendeten Titel in Fonds nach Artikel 9 sind selten in Geschäftsfeldern tätig, die als typisch nachhaltig angesehen werden. (Bild: Shutterstock.com/Sepp Photography)
Die am häufigsten verwendeten Titel in Fonds nach Artikel 9 sind selten in Geschäftsfeldern tätig, die als typisch nachhaltig angesehen werden. (Bild: Shutterstock.com/Sepp Photography)

Viele Fonds, die laut EU-Verordnung als besonders nachhaltig gelten, investieren stark in konventionelle Unternehmen, wie eine Scope-Analyse zeigt. Die Regularien erlauben das, etwa weil die Konzerne nicht direkt an klimaschädlicher Produktion beteiligt sind.

12.07.2022, 17:26 Uhr

Redaktion: rem

Scope hat untersucht, in welche Titel nachhaltige Aktienfonds besonders häufig investieren. Die Ratingagentur analysierte dazu die Top-10-Positionen von Fonds, die nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert und damit einem konkreten, nachhaltigkeitsbezogenen Anlageziel verpflichtet sind. Betrachtet wurden Fonds aus gängigen marktbreiten Peergroups: "Aktien Welt" und "Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt" sowie "Aktien Europa" und "Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Europa".

Bei den global investierenden Portfolios führt demnach Microsoft die Rangliste an. Die Aktie gehört bei 76 Fonds zu den zehn grössten Positionen. Damit halten laut Scope knapp zwei Drittel der 117 Artikel-9-Aktienfonds aus den untersuchten globalen Peergroups die Aktie als eine der zehn grössten Positionen. Sehr häufig vertreten ist auch die Aktie von Alphabet, die bei etwas mehr als jedem zweiten Fonds in den Top-10 auftaucht. Apple auf Platz 3 findet sich in jedem dritten Portfolio unter den zehn grössten Werten.

Unter den Aktienfonds mit regionalem Fokus auf Europa ist die Konzentration noch höher. In 45 der insgesamt 59 Artikel-9-Fonds aus den betrachteten europäischen Peergroups gehört das Halbleiterunternehmen ASML zu den Top-Positionen. Das entspricht einem Anteil von mehr als 75%. Die Aktie von Schneider Electric ist 42 Mal in den Top-10 vertreten, der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk 33 Mal.

Unternehmen aus traditionellen Portfolios

Die Auswertung von Scope zeigt: Die am häufigsten verwendeten Titel sind selten in Geschäftsfeldern tätig, die als typisch nachhaltig angesehen werden. Zwar befinden sich keine Unternehmen "schmutziger" Branchen wie Ölkonzerne unter den am höchsten gewichteten Positionen, doch die Rangliste liest sich wie eine Ansammlung konventioneller Konzerne, die auf den ersten Blick nicht besonders nachhaltig wirken und die der Anleger seit Jahren von traditionellen Portfolios kennt.

Für die häufige Investition in die aufgeführten Unternehmen gebe es jedoch Gründe, so Scope. Viele der Top-10-Aktien seien unter Klima-Gesichtspunkten attraktiv bewertet, da sie nicht direkt zu klimaschädlicher Produktion beitragen und grossen Wert auf umfangreiche Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Betonung von Transformationszielen legen. Diese Kombination führe regelmässig zu guten bis sehr guten ESG-Ratings von Anbietern wie MSCI, S&P Trucost, Sustainalytics oder ISS.

Heterogenes Produktangebot

Die Analyse zeigt laut Scope, dass das Segment der Artikel-9-Aktienfonds mit globalem bzw. europäischem Fokus sehr heterogen ist und es diverse Möglichkeiten gibt, die Vorgaben der EU-Offenlegungsverordnung zu erfüllen. Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenz könnten unter anderem zwischen Klimafonds, Impact-Fonds, Produkten mit sozialem Fokus oder mit mehr oder weniger umfangreichen Ausschlusskriterien wählen. Auch wenn Artikel-9-Fonds als höchste Stufe nachhaltiger Fonds gelten, seien das Niveau der Nachhaltigkeit und die Herangehensweise der einzelnen Anbieter bei der Produktkonzeptionierung unterschiedlich.

"Anleger dürfen nicht davon ausgehen, dass ein solcher Fonds ausschliesslich in typisch nachhaltige Bereiche wie Erneuerbare Energien oder Gesundheit & Wohlbefinden investiert. Sie sollten sich vor einer Investition detailliert über die Anlagestrategie und die angewendeten Ausschlusskriterien informieren und zumindest einen Blick auf die Top-10-Holdings werfen", rät Scope.

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