Trumps Zollpause befreit Kryptos aus der Gefahrenzone

Was steckt hinter der Erholung von Bitcoin? (Bild: Adobe Stock)
Was steckt hinter der Erholung von Bitcoin? (Bild: Adobe Stock)

Die überraschende 90-Tage-Aussetzung der US-Zölle hat an einem einzigen Tag mehr Schaden repariert als Wochen institutioneller Akkumulation. Doch die Erholung steht auf wackligem Fundament.

09.04.2026, 09:03 Uhr
Anlagestrategie | Krypto

Redaktion: asc

Die Turbulenzen um einen Waffenstillstand mit dem Iran haben Investoren weltweit beschäftigt. Ausserdem hat der US-Präsident Donald Trump diese Woche auf Truth Social eine weitere Mitteilung veröffentlicht, die es in sich hat: Er verkündete eine 90-Tage-Aussetzung der reziproken Zölle für über 75 Länder, ersetzt durch einen einheitlichen Satz von 10 Prozent – China ausgenommen. Was folgte, war kein gradliniger Kursanstieg, sondern ein Schock in beide Richtungen: Der S&P 500 legte 9,52 Prozent zu, der stärkste Eintagesgewinn seit über 16 Jahren. Der Nasdaq Composite kletterte um 12,16 Prozent, sein imposantester Anstieg seit Anfang 2001. Und Bitcoin zog parallel mit: Der Kurs sprang von 75'000 auf 83'000 US-Dollar.

Vorgeschichte: Sieben Monate Talfahrt

Crypto-Investoren wurden in den vergangenen Monaten arg geprüft. Bitcoin hatte am 6. Oktober 2025 mit 126'272 US-Dollar noch sein Allzeithoch markiert. Was danach folgte, war ein schleichender, dann beschleunigter Absturz. Bitcoin schloss das erste Quartal 2026 mit einem Minus von 23,8 Prozent, was laut Spaziocrypto die schwächste Quartalsperformance seit Q1 2018 ist. An einem einzigen Tag wurden Positionen im Wert von über 400 Millionen US-Dollar liquidiert, davon 251 Millionen aus Long-Bitcoin-Wetten. Der Fear & Greed Index notierte 47 aufeinanderfolgende Tage im Bereich «extremer Angst» – eine Ausdauer, die zuletzt beim Terra-Luna-Kollaps 2022 beobachtet wurde.

Die Zollankündigungen vom 2. April verschärften die Lage weiter. Trump hatte ursprünglich ab dem 5. April einen globalen Basiszoll von 10% geplant, gefolgt von höheren reziproken Zöllen auf rund 60 Länder ab dem 9. April. Bitcoin rutschte innerhalb weniger Handelstage von rund 84'600 US-Dollar auf Tiefstkurse um 74'000 bis 75'000 US-Dollar ab.

Kein digitales Gold – ein makrosensibles Asset

Die Kursreaktion offenbart einen strukturellen Wandel, den Marktbeobachter seit Monaten diskutieren. Bitcoin bewegt sich nicht mehr wie ein «Safe Haven», sondern wie eine hochvolatile Technologieaktie. Mit einer Korrelation zu Aktien von rund 0,7 folgt Bitcoin nicht mehr ausschliesslich seinen eigenen Fundamentaldaten, analysiert Cryptonews. Das gilt in beide Richtungen: Im Abschwung verlor Bitcoin parallel zum breiten Markt, im Aufschwung profitierte er von derselben Strömung. Was wir sehen, ist also eine klassische makroökonomische Erleichterungsrallye. Die Einschätzung deckt sich mit Daten aus früheren Volatilitätsphasen.

Besonders auffällig war die Reaktion bitcoin-naher Unternehmen. Die Aktien von Strategy (ehemals MicroStrategy) schossen um fast 25 Prozent in die Höhe, Coinbase legte rund 17 Prozent zu, Robinhood stieg um etwa 24 Prozent.

Institutionalisierung: Stabilisierung mit Nebenwirkungen

Was heisst das für die Institutionalisierung von Crypto, die in den vergangenen Jahren stattgefunden hat? Gemäss einer Analyse von 21Shares handelt Bitcoin im aktuellen Regime als «High-Beta-Liquiditäts-Asset» und nicht als defensiver Hedge – in den jüngsten Risk-off-Phasen fiel der Kurs parallel zu Aktien, was seine Sensitivität gegenüber realen Zinserwartungen verdeutlicht. Offenbar haben sich in dieser Marktkonstellation institutionelle Anleger nicht aus dem Markt zurückgezogen, so Morningstar.

Gleichzeitig zeigen die ETF-Daten ein gemischtes Bild. Im März 2026 flossen den US-Spot-Bitcoin-ETFs netto 1,2 Milliarden US-Dollar zu – was eine viermonatige Abfluss-Serie beendete. Doch am Tag der Zollpausen-Rallye selbst verzeichneten Spot-ETFs paradoxerweise Nettoabflüsse von 127 Millionen US-Dollar. Das wird als ein Hinweis darauf gesehen, dass institutionelle Akteure die Kurserholung doch für Gewinnmitnahmen nutzten.

Wie geht es nun weiter? Tom Lee von Fundstrat fasste die Ausgangslage prägnant zusammen: «2026 wird eine Geschichte zweier Hälften sein. Die erste Hälfte kann schmerzen, aber genau das bereitet den Boden für die grosse Rallye in der zweiten.» Standard Chartered zeigt sich vorsichtiger: Analyst Geoff Kendrick senkte sein Jahresendziel auf 100'000 US-Dollar – von zuvor 150'000. Er schloss einen Rückfall auf 50'000 US-Dollar vor einer strukturellen Erholung nicht aus.

Die entscheidende Unbekannte bleibt der sino-amerikanische Handelskonflikt. China wurde explizit von der Zollpause ausgenommen, die Zölle auf chinesische Waren wurden sogar auf 125 Prozent angehoben. Grayscale-Analyst Zach Pandl warnte laut Crypto News, anhaltende Handelsstreitigkeiten könnten den US-Dollar belasten und inflationäre Spannungen anheizen – mit direkten Konsequenzen für Kryptomärkte, die makroökonomische Sensitivitäten zunehmend widerspiegeln.

Technisch gesehen liegt laut Medienberichten der nächste Widerstand bei rund 84'000 bis 88'000 US-Dollar. Gelingt ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone, öffnet sich der Weg zu neuen Jahreshochs. Bis dahin gilt: Die Rallye vom 9. April spiegelt Erleichterung wider, keine Lösung.

Die Trendfolgestrategie passt Portfolios an etablierte Markttrends an (Bild: Swiss Life AM)

Swiss Life Dynamic Allocation: Trendbasierte Steuerung für stabile Renditen in allen Marktphasen

Die Trendfolgestrategie gehört zu den transparentesten systematischen...

Advertorial lesen
Werbung
Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung