Coronavirus: Kein ernsthafter Rückschlag am Schweizer Immobilienmarkt

Der Immobilienmarkt Schweiz sollte laut dem Credit Suisse "Monitor Schweiz" ohne ernsthaften Rückschlag durch die Coronavirus-Krise kommen.
Der Immobilienmarkt Schweiz sollte laut dem Credit Suisse "Monitor Schweiz" ohne ernsthaften Rückschlag durch die Coronavirus-Krise kommen.

Die Ökonomen der Credit Suisse erachten eine Rezession in der Schweiz infolge der Coronavirus-Pandemie als nicht vermeidbar. Wie aus dem aktuellen "Monitor Schweiz" hervorgeht, sollte es jedoch weder bei den Unternehmensinvestitionen noch am Immobilienmarkt einen ernsthaften Rückschlag geben.

24.03.2020, 11:51 Uhr

Redaktion: rem

In der am Dienstag publizierten Ausgabe der Quartalspublikation "Monitor Schweiz" geben die Ökonomen der Credit Suisse (CS) – im Bewusstsein der vielen Unwägbarkeiten – eine Einschätzung der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Schweizer Wirtschaft ab. Auch wenn es gelinge, die Infektionsrate mittels der bis heute ergriffenen Massnahmen des Bundesrats und deren disziplinierten Umsetzung durch die Bevölkerung und Unternehmen abzudämpfen, erscheint den Ökonomen eine Rezession in der Schweiz nicht vermeidbar.

Allerdings sollte der Grossteil des Abschwungs vor allem dank der beschlossenen Stützungsmassnahmen durch die Geld- und Fiskalbehörden im Ausland sowie in der Schweiz auf zwei bis drei Monate beschränkt bleiben und danach in eine graduelle Erholung übergehen, meinen die CS-Experten. Der Rückgang des BIPs sollte sich demnach in diesem moderat positiven Szenario im Jahresdurchschnitt auf etwa -0.5 % begrenzen lassen. Insbesondere erwarten die Ökonomen der Credit Suisse weder bei den Unternehmensinvestitionen noch am Immobilienmarkt einen ernsthaften Rückschlag. Der Prognose basiert auf der Annahme, dass die aktuelle Ausnahmesituation bis Mitte Mai dieses Jahres andauert, sich danach aber allmählich entspannen wird. Sollte die Pandemie länger andauern, müsste demzufolge mit einer länger anhaltenden Wachstumsschwäche gerechnet werden.

Rasch und unbürokratisch Gegensteuer geben in der Phase des Lockdown

Damit die Phase des Lockdown nur geringe mittel- bis langfristige Folgen zeitigt, sei es zentral, dass die Finanzpolitik rasch, unbürokratisch und in grossem Umfang Gegensteuer gebe. Dies scheint sich in den wichtigsten Handelspartnerländern und in der Schweiz selbst abzuzeichnen. In Deutschland ist zum Beispiel ein Fiskalimpuls im Umfang von über 10 % des BIP zu erwarten, in den USA und der Schweiz basierend auf derzeitigen Ankündigungen je ca. 6 %. "Entscheidend ist, dass diese Krise nicht zu einer Welle von Zahlungsausfällen von ansonsten gesunden Unternehmen führt und gleichzeitig die Einkommen der Beschäftigten stützt, die wegen der Auftragsrückgänge wegfallen. Das System der Kurzarbeit, welches in der Schweiz und in Deutschland zur Anwendung gelangt, ist dazu optimal geeignet", sagen die CS-Ökonomen.

Weiter rechnen die Ökonomen über die kommenden ca. drei Monate bei den meisten europäischen Ländern mit einem Rückgang der Wirtschaftsaktivität um 10 bis 20%. Auch in den USA werde der Rückgang nicht wesentlich geringer ausfallen. Hingegen sei in China und einigen anderen asiatischen Ländern wie Südkorea der Tiefpunkt der Rezession bereits erreicht. Dort hat eine zaghafte Erholung eingesetzt, welche den globalen Abschwung teilweise dämpft. Anderseits hat in Schwellenländern wie Indien und Brasilien der Abschwung erst gerade begonnen. Insgesamt rechnen die CS-Ökonomen für die Weltwirtschaft 2020 mit einem leicht negativen Wachstum – im Februar 2020 stand diese Prognose noch bei 2.6 %.

Coronavirus zwingt den Immobilienmarkt nicht in die Knie

Im Fahrwasser der Turbulenzen an den Aktienmärkten und der rapiden Ausbreitung der Krise über den ganzen Globus sind auch Befürchtungen aufgekommen, die Coronavirus-Krise könnte den Schweizer Immobilienmarkt aus den Angeln heben und die Schweiz in eine Immobilienkrise stürzen. Flächendeckende Wertverluste im zweistelligen Prozentbereich wurden bereits als wahrscheinliches Szenario bezeichnet. Gemäss den Ökonomen der Credit Suisse sind derartige Prognosen bei einer sachlichen Überprüfung sehr unwahrscheinlich. Es werde zwar nicht zu verhindern sein, dass der Schweizer Immobilienmarkt auch Schaden nehme, doch die Coronavirus-Krise werde den Schweizer Immobilienmarkt nicht in die Knie zwingen. So sei im Wohneigentumsmarkt in keiner Weise mit einer Verkaufswelle zu rechnen sowie auch nicht mit einem grösseren Anstieg von Zahlungsausfällen im Hypothekarbereich.

Rückschläge bei den Gewerbeflächen

Grösser werden dagegen die Rückschläge bei den Gewerbeflächen ausfallen. Insbesondere im stationären Detailhandel und im Hotelmarkt erwarten die CS-Ökonomen eine Reihe von Insolvenzen, Geschäftsaufgaben und Gesundschrumpfungen. Beide Sektoren gelten aufgrund eines harten Strukturwandels (Onlinehandel und Frankenstärke) als geschwächt.

Der Einnahmeausfall bei den Mietern dürfte daher auch auf Seiten der Eigentümer von Retailflächen und Hotels zu Ertragsrückgängen führen, zumal den Vermietern allein schon über die in diesem Sektor verbreiteten Umsatzmietverträgen Einnahmen wegbrechen. Der Anteil des Retailsektors und der Hotellerie am Gesamtbestand des Schweizer Immobilienmarktes beträgt allerdings nur rund 5 % bis 6 %, womit
sich der Rückschlag für den Immobiliensektor in klaren Grenzen halten dürfte.

Auf dem Büroflächenmarkt wird die Nachfrage nach Zusatzflächen aufgrund der enormen Unsicherheit der Marktteilnehmer in sich zusammenfallen, erwarten die Experten. In der Folge dürfte sich der Trend sinkender Leerstände umkehren und das Mietpreiswachstum abrupt abgewürgt werden. Trotz der für die zweite Jahreshälfte erwarteten Erholung der Konjunktur, dürfte der Büroflächenmarkt mehr als ein Jahr brauchen, bis er sich von diesem Rückschlag erholt haben wird.

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