23.09.2026, 09:06 Uhr
Die Graubündner Kantonalbank erfüllt als eine der ersten nicht-systemrelevanten Banken der Schweiz die Voraussetzungen für die Erweiterte Liquiditätsfazilität (ELF) der Schweizerischen Nationalbank. Das...
Mit rund 500 Teilnehmenden verzeichnete das Finance Forum Zürich diese Woche einen Rekord. Im Zentrum stand die Frage, wie viel Eigenkapital die UBS künftig halten muss – nur einen Tag, bevor der Ständerat darüber entschied.
Das Timing hätte kaum brisanter sein können: Am Dienstag, 22. September, trafen sich im Kongresshaus Zürich rund 500 Entscheidungsträger aus der Finanzbranche zum vierten Finance Forum Zürich. Die Hauptattraktion bildeten die beiden Fireside-Chats mit UBS-CEO Sergio P. Ermotti und Finanzministerin Karin Keller-Sutter, moderiert von SRF-Wirtschaftsjournalist Andreas Lüscher. Nur 24 Stunden später beriet der Ständerat über die künftige Kapitalregulierung der Grossbank.
Keller-Sutter verteidigte auf der Bühne die Linie des Bundesrats. Eine Unterlegung der ausländischen Tochtergesellschaften mit 100 Prozent hartem Kernkapital (CET1) sei der beste Weg, um die Steuerzahler zu schützen. Die Kernfrage formulierte sie so: «Wer haftet und wer trägt das Risiko am Schluss: der Aktionär oder der Steuerzahler?» Aufhorchen liess ihre Einschätzung zum Antrag des Zuger Ständerats Peter Hegglin: Dessen 90-Prozent-Variante ohne Anrechnung von AT1-Kapital bezeichnete sie als nahe am Vorschlag des Bundesrats – ein Signal, dass sie mit diesem Weg leben könnte.
Ermotti, der vor der Bundesrätin auftrat, hielt dagegen. Er wies beide Varianten als inakzeptabel zurück und mahnte, die UBS sei für die Schweiz nicht nur ein Risiko, sondern bringe auch wirtschaftlichen Nutzen. Er zeigte sich besorgt, dass die Vorschläge die Wettbewerbsfähigkeit der Bank schwächen und letztlich ihr Geschäftsmodell infrage stellen könnten.
Neben der Regulierungsdebatte bot das Programm weitere Schwerpunkte. Nach der Begrüssung durch die Zürcher Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh ordnete der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die geopolitischen Verschiebungen und die Rolle Europas ein – pointiert, mit Humor und mit Blick auf die Folgen für die Schweiz. Im Panel zur Zukunft der Finanzindustrie diskutierten Franco Polloni, Marianne Wildi und Urs Monstein über veränderte Kundenbedürfnisse, neue Wettbewerber wie Digitalbanken und Fintechs sowie den technologischen Wandel. Finnova-CEO Hendrik Lang sprach über die Zukunft von Kernbankensystemen und ihren Ökosystemen, ti&m-CEO Thomas Wüst über Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz.
In Live-Umfragen gab das Publikum seine Einschätzungen ab. Die Mehrheit der anwesenden Finanzdienstleister blickt weiterhin positiv in die Zukunft, wenn auch leicht getrübt durch geopolitische Unsicherheiten, offene Regulierungsfragen und das hohe Veränderungstempo. «Die grosse Resonanz zeigt, wie wichtig der persönliche und branchenübergreifende Austausch gerade in einer Phase bedeutender Weichenstellungen ist», sagen die Mitveranstalter Markus Goop und Patrick Stahl.