Bei Euro-Anleihen machen Swap-basierte ETFs das Rennen

Die wöchentliche Analyse der ETF-Handelskosten von Morningstar zeigt teilweise weite Spreads bei diversifizierten ETFs für Euro-Staatsanleihen.

08.06.2012, 09:28 Uhr

Autor: Gordon Rose | Morningstar

Zum Selbstverständnis der ETF-Branche gehört es, Investoren einen günstigen Zugang zu Risikoquellen anzubieten, damit sie entsprechende Prämien vereinnahmen können. Die ausgewiesenen Kosten sind bei den Indexprodukten im Vergleich zu denen aktiv verwalteter Fonds günstig. Während bei aktiv verwalteten Aktienfonds im Durchschnitt 2011 im Schnitt Gesamtkostenquoten (TER) von 1,8 % jährlich angefallen sind, lagen die Kosten bei Aktien-ETFs 2011 im Schnitt bei 0,46% jährlich. Doch das ist nur ein Teil des Bildes. Zu den TERs addieren sich bei ETFs Handelskosten, die im Gegensatz zu den Ausgabeaufschlägen von aktiven Fonds - je nach Produkt, Zeit und Handelsplatz - stark schwanken können. Das ist den meisten Anlegern unbekannt. Investoren müssen also immer auch die Handelskosten eines ETFs berücksichtigen, von denen der Spread der wichtigste Bestandteil darstellt.

In dieser Woche hat sich Morningstar die Gruppe der breit aufgestellten Euro-Staatsanleihen-ETFs vorgenommen, die sämtliche Laufzeitenbänder umfassen. Die Auswahl umfasst 12 Produkte, und ist damit gut überschaubar. Das gilt nicht für die Gruppe der Euro-Staatsanleihen-ETFs als solche, die inzwischen rund 120 Produkte umfasst und sehr unterschiedliche Rendite-Risiko-Profile bietet: Anleger haben die Wahl zwischen Restlaufzeiten zwischen 1 und 25 Jahren, können auf einzelne Länder setzen, auf die Länder mit Top-(AAA)Ratings, oder sogar auf die Bonds der Euro-Länder mit den niedrigsten Ratings.

Die engsten Spreads waren auf Xetra und SIX zu finden

Zurück zur Auswahl: Die Tatsache, dass es sich bei den breit aufgestellten Euro-ETFs fast ausschliesslich um Swap-basierte Produkte handelt, erstaunt nur auf den ersten Blick: Denn diese Produkte decken sehr grosse Indizes ab und haben mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Bonds "zu kämpfen" - neben höchst liquiden Marktsegmenten befinden sich auch zahlreiche kleine und illiquide Emissionen in den Indizes, was Anbietern, die nur auf physische Replikation setzen, zu schaffen macht. Die Komplexität der Indexreplikation zeigt sich bei den beiden Produkten von iShares und SPDR (State Street), zwei Anbieter, die sich als Verfechter der physischen Replikation verstehen. Die beiden iShares- und SPDR-ETFs bilden den Barclays Capital Euro Government Bond allerdings nicht vollständig, sondern mithilfe eines statistischen Auswahlverfahrens, dem Optimized Sampling, ab. Mit diesem Auswahlverfahren versuchen die Anbieter, die repräsentativsten Anleihen für den Index auszuwählen, um so ein möglichst genaues Tracking hinzubekommen. Die beiden Produkte landen im oberen Mittelfeld des Rankings: der iShares-ETF wies in dem Zeitraum einen Spread von durchschnittlich 23 Basispunkten in Mailand auf, der SPDR in Zürich schnitt mit einem Durchschnitts-Spread von 26 Basispunkten ein Tick schlechter ab.

Dem gegenüber wies der ETF mit dem engsten Spread, der Lyxor ETF Euro MTS AAA Macro Weighted Government Bond, nur eine Handelsspanne von 12 Basispunkten auf. Es folgen auf den Plätzen Produkte von Amundi und db x-trackers mit Spreads von 18 bis 23 Basispunkten. Der einzige wirklich voll replizierende ETF, der Source Pimco European Advantage Gov Bond ETF, verzeichnete in der vergangenen Handelswoche einen durchschnittlichen Spread von reichlich 55 Basispunkten. Allerdings ist hier zu beachten, dass dieser relativ weite Spread nicht nur auf das übliche Index-Tracking zurückgeht, sondern auch mit dem semi-aktiven Ansatz des Pimco-Underlyings erklärbar ist: Market Maker haben bei ETFs, die auf aktiven Ansätzen basieren, mehr Stress beim Hedging als dies bei herkömmlichen, also rein passiven, Indexkonzepten der Fall ist.

Dass das Schlusslicht des Morningstar Rankings, der Amundi ETF Government Bond Lowest Rated Euro MTS Investment Grade, einen weiten Spread aufweist, ist ebenfalls wenig erstaunlich: Wie der Produktname andeutet, setzt sich dieser Index aus den am schlechtesten bewerteten Euro-Bonds zusammen, die sich zwar immer noch im Investment-Grade-Bereich bewegen, laut Index-Methodologie aber um mindestens zwei Ticks schlechter bewertet sein müssen als "AAA". In diesen Segmenten ist die Liquidität relativ niedrig, und die Spreads sind entsprechend hoch.

Der Spread ist die Spanne zwischen An- und Verkauf eines Produkts, die sowohl im börslichen als auch im ausserbörslichen Handel entsteht. Um Anlegern ein besseres Bild über die Zusatzkosten von ETFs zu geben, liefert Morningstar jede Woche einen Überblick über die Handelskosten einer ausgewählten Produktkategorie. Das Vorgehen: Morningstar prüft den durchschnittlichen Spread, der in 5 Handelstagen in ETFs einer Morningstar-Kategorie angefallen ist. Der durchschnittliche Spread an den 5 Tagen wird von tausenden von Datenpunkten gebildet, die von Morningstar gesammelt werden. Dann nimmt Morningstar den Durchschnitt der 5 Tage, der zugleich das Sortierkriterium des wöchentlichen Rankings bildet. Bei der Auswahl entscheidet sich Morningstar für den Börsenplatz in Europa mit den günstigsten Werten.


Quelle: Hier geht es zum Artikel von Morningstar.

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