19.08.2026, 07:39 Uhr
Der im Frühling angekündigte Zertifikatslehrgang von AZEK und AMAS hat nun ein detailliertes Curriculum. An sechs Tagen führen aktive Praktiker durch die gesamte Wertschöpfungskette der Privatmärkte – von der...
HIAG Immobilien hat am Dienstag ihren dritten Green Bond platziert: 100 Millionen Franken, sechs Jahre Laufzeit, Coupon 1,30 Prozent. Die Emission reiht sich in eine Entwicklung ein, die den Schweizer Kapitalmarkt in den vergangenen drei Jahren stillschweigend umgekrempelt hat – grüne Anleihen sind bei kotierten Immobiliengesellschaften vom Aushängeschild zur Normalfinanzierung geworden.
Die Liberierung der neuen HIAG-Anleihe erfolgt am 15. September 2026. Der Erlös fliesst gemäss Mitteilung in die Finanzierung und Refinanzierung nachhaltiger Gebäude und Projekte nach Massgabe des HIAG Green Financing Framework. Als Joint Lead Manager traten die Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen Schweiz und die Bank J. Safra Sarasin auf; die Kotierung an der SIX Swiss Exchange ist beantragt.
Bemerkenswert ist die Kadenz: HIAG hat seit Anfang 2025 dreimal je 100 Millionen Franken grün refinanziert – im Januar 2025 über 5,25 Jahre zu 1,42 Prozent, im Januar 2026 über sieben Jahre zu 1,34 Prozent und nun über sechs Jahre zu 1,30 Prozent. Trotz längerer Laufzeit sinkt der Coupon von Emission zu Emission. Das ausstehende Green-Bond-Volumen der Basler Gesellschaft steigt damit auf 300 Millionen Franken.
Die Platzierung folgt einen Tag auf die Halbjahreszahlen. HIAG steigerte den Reingewinn im ersten Semester auf 85,0 Millionen Franken (Vorjahr: 44,6 Millionen), senkte die Leerstandsquote auf 2,8 Prozent und weist ein Portfolio von rund 2,1 Milliarden Franken aus. Der durchschnittliche Fremdkapitalzinssatz lag bei 1,7 Prozent – der neue Bond liegt spürbar darunter und verlängert zugleich das Fälligkeitsprofil.
Die Recherche zeigt: Per Mitte August 2026 haben mindestens sieben kotierte Schweizer Immobiliengesellschaften Green Bonds ausstehend. Zusammen kommen sie auf gegen sieben Milliarden Franken.
| Gesellschaft | Ausstehende Green Bonds | Volumen (ca.) |
|---|---|---|
| Swiss Prime Site (inkl. SPS Finance) | rund 10 Emissionen | CHF 2,5 Mrd.* |
| PSP Swiss Property | 15 Emissionen | CHF 2,2 Mrd. |
| Mobimo | 5 Emissionen | CHF 0,7 Mrd. |
| Allreal | 5 Emissionen | CHF 0,64 Mrd. |
| Zug Estates | 4 Emissionen | CHF 0,4 Mrd. |
| HIAG | 3 Emissionen | CHF 0,3 Mrd. |
| Intershop Holding | 1 Emission | CHF 0,1 Mrd. |
* inkl. einer Euro-Anleihe über 500 Millionen Euro sowie einer grünen Wandelanleihe über 350 Millionen Franken.
Zwei Häuser sind besonders aktiv: PSP Swiss Property hat sämtliche ausstehenden Anleihen nachträglich als Green Bonds klassifiziert und alle Kreditlinien in Sustainability-Linked Loans umgewandelt – nach eigenen Angaben sind damit 100 Prozent des verzinslichen Fremdkapitals an Nachhaltigkeitsziele geknüpft. Zug Estates finanziert sich seit 2022 ausschliesslich über grüne Anleihen. Allreal dagegen fährt zweigleisig: Fünf grünen Emissionen über 640 Millionen Franken stehen vier konventionelle Anleihen über 705 Millionen gegenüber – alle vier stammen aus den Jahren 2017 bis 2021, also aus der Zeit vor dem ersten Allreal-Green-Bond im April 2023.
2026 ist für Schweizer Immobilienunternehmen ein aussergewöhnlich dichtes Emissionsjahr. Allein seit Juni platzierten Zug Estates (100 Millionen, 1,35 Prozent, sieben Jahre), Allreal (105 Millionen, 1,255 Prozent, acht Jahre), Mobimo (100 Millionen, 0,995 Prozent, gut drei Jahre) und nun HIAG grüne Anleihen – sämtliche mit Coupons um oder unter 1,4 Prozent. Das Umfeld ist günstig, die Nachfrage offenbar da: Bei einem SNB-Leitzins von null Prozent und einem robusten Frankenkapitalmarkt ist das Zeitfenster für langfristige Refinanzierungen offen, und die Emittenten nutzen es.
Das grüne Etikett dürfte dabei weniger den Preis treiben als den Investorenkreis. Der eigentliche Effekt liegt anderswo: Wo ein Green Financing Framework einmal steht und extern verifiziert ist, kostet die nächste grüne Emission kaum Zusatzaufwand. Genau das erklärt die Kadenz – bei HIAG drei Emissionen in zwanzig Monaten, bei Mobimo zwei allein im laufenden Jahr.