26.01.2026, 08:32 Uhr
EFG International übernimmt die Zürcher Privatbank Quilvest Switzerland. Diese verwaltet Kundenvermögen in Höhe von gut 5 Milliarden Franken.
Die J.P. Morgan Healthcare Conference signalisiert Entspannung bei Preisrisiken und stärkeren Fokus auf Innovation. Für Anleger eröffnen sich gezielte Einstiegsmöglichkeiten.
Nach Jahren der «Biotech-Winterstarre» mit schwierigem IPO-Umfeld und gebremster Übernahmeaktivität mehren sich die Signale für einen Aufschwung im globalen Gesundheitssektor. Die diesjährige J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco, das wichtigste Branchentreffen des Jahres, hinterliess bei Investoren und Industrievertretern einen optimistischen Eindruck.
Nach einer Phase politischer Unsicherheit verdichten sich die Anzeichen für eine Neubewertung, bilanziert Marcel Fritsch, Leiter Healthcare Fonds & Mandate bei Bellevue Asset Management. Diese Einschätzung teilt auch die Industrie selbst. Nicholas Donoghoe, Chief Business Officer bei Abbvie, spricht laut Forbes von einem «Renaissance-Moment»: Es gebe derzeit viele attraktive «Assets», die reif für Weiterentwicklung und Kommerzialisierung seien.
Die transatlantische Preisdiskrepanz war im vergangenen Jahr das Thema der Branche. US-Medikamentenpreise liegen laut dem amerikanischen Gesundheitsministerium im Schnitt 2,78-mal höher als in europäischen Vergleichsländern. US-Präsident Donald Trump hatte deshalb mit 16 Unternehmen Preissenkungen ausgehandelt. Die Frage, ob Europa im Gegenzug für schnelleren Marktzugang mehr zahlen wird, blieb lange offen. Einzelne Branchenvertreter sprachen sich dafür aus.
Gleichwohl zeigt sich nun, dass die Sorge vor regulatorischem Preisdruck, insbesondere in den USA, sich deutlich entspannt hat. Führende Pharmaunternehmen stufen die jüngsten Vereinbarungen mit der US-Regierung als «begrenzt und gut beherrschbar» ein, bilanziert Fritsch. In Europa wachse gar der politische Wille, medizinische Innovationen angemessen zu vergüten. Was heisst dies aus Sicht der Anleger? «Preisfragen verlieren damit ihren dominanten Einfluss auf die Bewertung», analysiert der Bellevue-Experte.
Eine Entwicklung, die beide Seiten des Atlantiks betrifft: China hat sich vom Nachahmer zum ernsthaften Innovator gewandelt. Schätzungen zufolge stammt heute ein Drittel aller innovativen Medikamente aus China. Allein in den ersten Wochen des Jahres 2026 wurden bereits neun Deals zwischen westlichen Pharmakonzernen und chinesischen Unternehmen angekündigt.
Klinische Studien lassen sich laut in China rund 30 Prozent schneller und günstiger durchführen als in den USA, berichtete Catalent-CEO Alessandro Maselli an der Konferenz. Bob Nelsen, Mitgründer von ARCH Venture Partners, kritisierte laut Fobes: «Die USA haben ihre Wachsamkeit verloren, indem sie keine regulatorische Innovation vorangetrieben haben.»
Die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und Biotechnologie schreitet voran. Ein Höhepunkt der Konferenz: Nvidia und Eli Lilly kündigten eine Milliarden-Dollar-Partnerschaft zur Entwicklung eines gemeinsamen KI-Labors für die Wirkstoffforschung an. Der Standort für dieses Labor soll die San Francisco Bay Area sein. Schon im vergangenen Jahr hat Eli Lilly den Bau eines Supercomputers mit Nvidia-Chips angekündigt.
Erste klinische Erfolge der Verschmelzung von KI und Medikamentenentwicklung zeichnen sich schon jetzt ab. Das Unternehmen Recursion Therapeutics meldete positive Phase-1b/2-Daten für einen KI-entdeckten Wirkstoff gegen eine erbliche Form von Darmkrebs. Dies wird als ein Meilenstein für die Branche gehandelt. Übrigens: Auch Recursion Therapeutics arbeitet mit einem Supercomputer, der mit Nvidia-Chips bestückt ist. Die Firma kooperiert dabei unter anderem mit dem Basler Pharmariesen Roche.
Im Biotech-Bereich standen an der Konferenz weniger Übernahmefantasien im Fokus als vielmehr operative Fortschritte. Marcel Fritsch von Bellevue Asset Management verweist in einer Zusammenfassung auf konkrete Beispiele: BridgeBio zeige zunehmenden Markterfolg mit seinem Herzmedikament Attruby, Madrigal stärke das Vertrauen in die Nachfrage nach seinem Lebertherapeutikum Rezdiffra, und BioNTech überzeuge mit der Breite seiner Onkologie-Pipeline.
Im Medtech-Segment setzte Boston Scientific mit der 14,5-Milliarden-Dollar-Übernahme von Penumbra ein strategisches Ausrufezeichen. Die Übernahme wurde öffentlichkeitswirksam an der J.P. Morgan-Konferenz angekündigt. Auch Intuitive Surgical machte auf sich aufmerksam. Der Spezialist im Bereich der roboter-assistierten Chirurgie, der auch auf Social Media immer wieder auf sich aufmerksam macht, meldete einen deutlichen Anstieg der Eingriffszahlen seiner Roboter. Entsprechend stiegen Umsatz und Gewinn des Unternehmens.