30.03.2026, 09:26 Uhr
Vanguard zeigt mit einer neuen Simulation, dass selbst der sprichwörtliche «Pechvogelinvestor» mit einem globalen Aktienportfolio langfristig deutlich besser fährt als mit Bargeld auf dem Sparkonto.
Die historische Verteidigungsmobilisierung Europas verändert nicht nur die Sicherheitspolitik – sie schafft ein strukturelles, mehrjähriges Investitionsumfeld. Nordea Asset Management sieht darin eine der bedeutendsten Chancen für europäische Anleger seit Jahrzehnten.
Europa rüstet auf – und zwar in einem Tempo und Umfang, der seinesgleichen sucht. Mit dem EU-Programm «ReArm Europe / Readiness 2030» sollen bis zu 800 Milliarden Euro mobilisiert werden: rund 650 Milliarden Euro über zusätzlichen fiskalischen Spielraum der Mitgliedstaaten, bis zu 150 Milliarden Euro über das neue SAFE-Kreditinstrument, ergänzt durch Mittel europäischer Finanzinstitutionen und privates Kapital. Treiber ist eine sicherheitspolitische Realität, die sich seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und der Eskalation im Nahen Osten fundamental verändert hat: Verteidigung ist kein episodisches Thema mehr, sondern dauerhafter Bestandteil der politischen und wirtschaftlichen Agenda des Kontinents.
Für René M. Petersen, Equity Portfolio Manager bei Nordea Asset Management und Autor der Analyse, ist das die entscheidende Unterscheidung: «Was wir heute erleben, ist kein zyklischer Ausgabenanstieg, der sich nach ein paar Haushaltsjahren wieder normalisiert. Die strukturellen Kräfte dahinter – geopolitische Instabilität, der Aufbau strategischer Autonomie, die Reduktion externer Abhängigkeiten – werden die europäische Industrie auf Jahre hinaus prägen. Für Investoren bedeutet das Zugang zu einer nachhaltigen, wiederkehrenden Nachfrage, wie wir sie in diesem Umfang seit Jahrzehnten nicht gesehen haben.»
Das Investitionsuniversum reicht dabei weit über die bekannten Verteidigungskonzerne hinaus. Europäische Regierungen und Institutionen lenken Kapital gezielt in militärische Systeme, Luft- und Raumfahrt, kritische Infrastruktur, Datenschutz und sichere Kommunikation. Davon profitieren auch kleine und mittelgrosse Unternehmen, spezialisierte Technologieanbieter sowie Infrastrukturakteure – Firmen, die in breiten Marktindizes bislang unterrepräsentiert sind, aber eine zentrale Rolle in lokalen Wertschöpfungsketten und nationalen Investitionsprogrammen spielen.
Gleichzeitig fördert die engere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten den Aufbau lokaler Lieferketten und die Skalierung kritischer Technologien. Das erklärte Ziel: Europa soll mehr Kontrolle über seine Verteidigungs- und Cybersicherheitsfähigkeiten erlangen und seine Abhängigkeit von externen Partnern – nicht zuletzt den USA – reduzieren.
Petersen weist darauf hin, dass das geopolitische Umfeld volatil bleibt: Handelspolitik, internationale Beziehungen und grenzüberschreitende Abhängigkeiten beeinflussen weiterhin die wirtschaftlichen Risiken. Einen strategischen Vorteil hätten deshalb Unternehmen mit europäischer Präsenz, lokaler Produktion und Einnahmen aus nationalen Investitionszyklen – sie seien weniger anfällig für externe Schocks und gleichzeitig näher an den politischen Auftraggebern.
Für Anleger, so das Fazit der Nordea-Analyse, geht es weniger um kurzfristige Marktbewegungen als um einen strukturellen Zugang zu Ausgabenfeldern, die im Zentrum der langfristigen strategischen Agenda Europas stehen. Die Richtung, betont Petersen, sei klar – auch wenn die Umsetzung je nach Land und Sektor unterschiedlich ausfallen werde.