Bitcoin und Krypto-Aktien: Scharfe Erholung nach Wochen im Bärenmarkt

Der Kryptomarkt hat am Mittwoch eine ausgeprägte Erholungsrally verzeichnet. Bitcoin stieg um rund 8 Prozent auf bis zu 73'777 US-Dollar – das höchste Niveau seit einem Monat – und durchbrach damit die psychologisch wichtige Marke von 73'000 Dollar. Hintergrund sind geplante regulatorische Erleichterungen in den USA, die digitale Assets für institutionelle Anleger attraktiver machen.

05.03.2026, 08:26 Uhr
Alternatives | Anlagestrategie | Krypto

Redaktion: asc

Die Aufwärtsbewegung erfolgte, nachdem Bitcoin wochenlang seitwärts gehandelt hatte und eine zentrale technische Widerstandszone überwunden wurde. Der Anstieg ist laut verschiedenen Experten Teil einer breiten Erholung risikobehafteter Anlagen. Auch Ethereum legte fast 4 Prozent zu und erklomm erneut die 2'000-Dollar-Marke, während Solana um knapp 6 Prozent anzog.

Laut BingX löste sich der Kryptomarkt zumindest temporär aus einem mehrmonatigen Abwärtstrend: Bitcoin hatte seit seinem Allzeithoch von rund 125'000 Dollar im Oktober 2025 fast 50 Prozent an Wert verloren.

Besonders stark profitierten börsennotierte Kryptounternehmen. Coinbase verteuerte sich um 15 Prozent, Galaxy Digital um 18 Prozent und das Gemini-Umfeld um 34 Prozent. Michael Saylors Strategy-Aktie legte 10 Prozent zu, während Robinhood 8 Prozent gewann. Laut Goldman-Sachs-Daten haben Hedgefonds zuletzt erhebliche Short-Positionen auf Strategy, Coinbase und Robinhood aufgebaut – ein möglicher Short-Squeeze-Effekt dürfte die Kursgewinne verstärkt haben.

Trumps Intervention als Katalysator

Neben der allgemein verbesserten Risikobereitschaft war ein politischer Impuls massgeblich für die Marktstimmung verantwortlich. US-Präsident Donald Trump warf amerikanischen Banken am Dienstagabend auf Truth Social vor, den GENIUS Act – das im Juli 2025 verabschiedete Stablecoin-Gesetz – aktiv zu untergraben. BitcoinEthereumNews.com Gleichzeitig drängte er auf eine rasche Verabschiedung des Clarity Act, des weiterreichenden Marktstrukturgesetzes für den gesamten Kryptobereich.

Hintergrund ist gemäss CoinDesk ein Machtkampf zwischen der traditionellen Bankenbranche und der Kryptoindustrie über die Frage, ob Plattformen wie Coinbase und Kraken ihren Kunden Zinsen auf Stablecoin-Bestände auszahlen dürfen. Banken warnen, ein solches Modell könnte Billionen von Dollar an Einlagen aus dem klassischen Bankensystem abziehen. JPMorgan und Bank of America beziehen sich dabei laut CNBC auf eine Schätzung des US-Finanzministeriums, wonach der Bankensektor bis zu 6,6 Billionen Dollar an Einlagen verlieren könnte.

Der Clarity Act hat das Repräsentantenhaus bereits passiert, steckt aber im Senat seit Januar fest, nachdem Coinbase seine Unterstützung zurückgezogen hatte. Der Ausschusstermin für eine Abstimmung wurde daraufhin auf unbestimmte Zeit verschoben.

Vorhersagemärkte wie Polymarket bewerten laut Crypto Times die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des Clarity Act in diesem Jahr derzeit mit 72 Prozent – gegenüber rund 62 Prozent noch vor einer Woche. Die Zeit drängt jedoch: Mit der anlaufenden Kampagnensaison für die Midterms 2026 und einer Sommerpause des Kongresses wird das legislative Fenster enger.

Ein Kompromissvorschlag zirkuliert bereits unter Gesetzgebern. Trumps Krypto-Berater tendieren dabei zu einer Lösung, die transaktionsbasierte Rewards erlaubt – also Erträge auf aktiv genutzte Stablecoins –, nicht jedoch Zinsen auf rein gehaltene Bestände.

Weitere regulatorische Dynamik: Perpetual Futures

Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch eine Ankündigung aus der Derivateaufsicht. Mike Selig, Trumps Nominierung als CFTC-Vorsitzender, sprach sich öffentlich für die Zulassung von Krypto-Perpetual-Futures in den USA aus. Diese Produkte – Dauerkontrakte mit Hebelwirkung auf Kryptokurse – sind international äusserst populär, aber in den USA bislang kaum reguliert zugänglich.

Die Rally fügt sich in einen breiteren Institutionalisierungstrend ein: Mit dem GENIUS Act und dem Clarity Act verfügt die Branche erstmals über einen stabilen regulatorischen Rahmen, der grosses institutionelles Kapital anziehen soll. Etablierte Banken sehen sich laut FinancialContent dadurch zunehmend unter Druck, wettbewerbsfähige On-Chain-Dienste anzubieten oder Marktanteile an Plattformen wie Coinbase abzugeben.

Analysten wie Owen Lau verweisen darauf, dass der jüngste Drawdown von rund 44 Prozent das Ende des letzten Krypto-Winters markieren könnte. Zunehmende institutionelle Beteiligung und geopolitische Spannungen unterstrichen die Rolle der Blockchain als alternatives Zahlungssystem.

Gleichwohl ist Vorsicht geboten: Breite Skepsis unter Tradern über die Nachhaltigkeit des Ausbruchs bleibt bestehen. Viele Marktteilnehmer warnen vor einem möglichen Bull-Trap-Szenario – ähnlich wie zu Jahresbeginn, als Bitcoin nach einem kurzen Ausbruch aus der Konsolidierungszone innerhalb von zwei Wochen von rund 98'000 auf 60'000 Dollar einbrach.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung