Bellevue: Medtech ist günstig bewertet und fundamental stark

Bellevue sieht im Bereich Medtech und Services viel Potenzial (Bild: Adobe Stock)
Bellevue sieht im Bereich Medtech und Services viel Potenzial (Bild: Adobe Stock)

Der Medtech-Sektor notiert so günstig wie seit Jahren nicht mehr – und das, obwohl die Gewinne der Unternehmen stabil wachsen. Bellevue Asset Management sieht

10.03.2026, 08:37 Uhr
Anlagefonds | Anlagestrategie

Redaktion: asc

Wer derzeit in Medtech-Aktien investiert, zahlt im historischen Vergleich wenig für ungewöhnlich viel, schreibt Bellevue Asset Management im aktuellen Marktkommentar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Sektors liegt heute bei 22,5 – deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 24,5 und weit entfernt von den rund 27, die Anleger vor und nach der Pandemie bereit waren zu zahlen.

Marcel Fritsch, Leiter Healthcare Fonds & Mandate, Bellevue Asset Management (Bild: BAM)
Marcel Fritsch, Leiter Healthcare Fonds & Mandate, Bellevue Asset Management (Bild: BAM)

Das entspreche einem Bewertungsabschlag von bis zu 20 Prozent, schreibt Marcel Fritsch, Leiter Healthcare Fonds & Mandate bei Bellevue. Die schwache Performance sei demnach auch nicht im operativen Bereich zu suchen. Im Gegenteil – die Unternehmen melden solide Margen, stabile Auftragseingänge und gut gefüllte Produktpipelines. Viele der grossen Medtech-Unternehmen seien heute – gemessen an Kapitalausstattung und Kostenstruktur – effizienter aufgestellt als vor der Pandemie. Bei moderateren Bewertungen ergibt sich daraus ein verbessertes Chance-Risiko-Profil.

Was den Kurs gegenwärtig drücke, sei demnach nicht schlechte Nachrichten, sondern eine vorsichtigere Marktbewertung in einem volatilen Jahr. Historisch folgten auf solche Phasen stets Normalisierungen – sobald neue Wachstumskatalysatoren sichtbar wurden oder die Unsicherheit abnahm.

Strukturelles Wachstum mit hoher Planbarkeit

Die Wachstumsstory ist demnach intakt: Bellevue erwartet für das eigene Medtech-&-Services-Portfolio in den nächsten fünf Jahren ein durchschnittliches organisches Umsatzwachstum von 9,1 Prozent pro Jahr – und ein Gewinnwachstum je Aktie von 12,1 Prozent. Werte, die in der aktuellen Makrolage bemerkenswert erscheinen.

Dahinter stehen drei strukturelle Faktoren:

  • Eine alternde Gesellschaft, die das Behandlungsvolumen dauerhaft erhöht
  • Wachsender Wohlstand und Krankenversicherungszugang in Schwellenländern
  • Technologische Innovation in Diabetes-Therapie, robotergestützter Chirurgie und strukturellen Herzerkrankungen – mit KI als neuem Differenzierungstreiber

Hinzu kommt ein struktureller Vorteil gegenüber der klassischen Pharmaindustrie: Innovationen erfolgen im Medtech-Bereich oft inkrementell, Zulassungsrisiken sind gering (80 bis 90 Prozent Erfolgsquote bei FDA-Zulassungen für komplexe Implantate), und Patentabläufe reissen selten Umsatzlöcher. Das Ergebnis: hohe Planbarkeit und nachhaltige Cashflows.

Was 2026 den Ausschlag geben könnte

Das laufende Jahr bietet gleich mehrere potenzielle Impulse. Auf Unternehmensebene stehen bedeutende Produktlancierungen in robotergestützter Chirurgie, Elektrophysiologie und strukturellen Herztherapien bevor. Klinische Datenpublikationen und neue Erstattungsregelungen könnten nicht nur Umsätze erhöhen, sondern auch das Vertrauen der Anleger zurückbringen.

Auch die M&A-Dynamik bleibt bemerkenswert: Bereits in den ersten Wochen des Jahres 2026 wurden Transaktionen im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar abgeschlossen – bei einem Gesamtjahresvolumen 2025 von 46 Milliarden Dollar.

Makroökonomisch ergibt sich ein gemischtes, aber tendenziell freundlicheres Umfeld: Ein jüngster Zollentscheid des US-Supreme Courts bescherte Medtech-Firmen leicht tiefere und einheitlichere Zölle. Das Auslaufen von Obamacare-Subventionen dürfte nach Einschätzung von Bellevue nur marginale Auswirkungen haben. Und mit dem voraussichtlichen Amtsantritt von Kevin Warsh als neuem Fed-Präsidenten ab Mai 2026 erwarten die Analysten eine wachstumsfreundlichere Geldpolitik.

Nicht zuletzt deutet die Kapitalrotation Richtung BioPharma – die seit Ende 2025 an Fahrt gewinnt – historisch stets darauf hin, dass angrenzende Healthcare-Segmente wie Medtech auch davon profitieren können.

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