11.02.2026, 09:03 Uhr
Capital Group hat seine langfristigen Kapitalmarktprognosen für die kommenden 20 Jahre veröffentlicht. Die Erwartungen fallen sowohl für Aktien als auch für Anleihen niedriger aus als im Vorjahr – und deutlich...
Die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) erkennt in ihrem Februar-Ausblick die Konturen einer globalen zyklischen Erholung, getrieben von KI-Investitionen, Infrastrukturausgaben und einer wieder anziehenden Industriekonjunktur.
Trotz geopolitischer Verwerfungen und erhöhter Volatilität an den Rohstoffmärkten hält die Bank an einer konstruktiven Haltung gegenüber Risikoanlagen fest – plädiert aber für eine breitere Allokation jenseits des dominierenden Technologiesektors.
Der Grund: Das globale Wachstum festige sich unter einer neuen wirtschaftlichen Weltordnung, schreibt Michaël Lok, Group CIO und Co-CEO Asset Management der UBP. Die USA blieben auf einem soliden Wachstumspfad, gestützt durch Steuerrückerstattungen aus dem Vorjahr, während in Europa die Industrieaktivität anziehe – insbesondere dank des deutschen Fiskalstimulus für Verteidigung und Infrastruktur.
Kommt hinzu, dass die Eurozone im vierten Quartal 2025 ein Wachstum von 1,4 Prozent erreicht habe. Dieser positive Trend dürfte sich im ersten Halbjahr 2026 fortsetzen. Gleichzeitig schreite die Disinflation voran, wobei sich die Zinsen in Richtung der Spanne von 2 bis 2,5 Prozent bewegten.
Auffälligste Positionsänderung: Die UBP hat ihr Goldpreis-Ziel im Januar von 5'200 auf 6'000 Dollar je Feinunze bis Ende 2026 angehoben und die Goldgewichtung in den Portfolios nach einer Kurskorrektur aufgestockt. Strategisch und taktisch stuft die Bank Gold nun mit der Höchstnote 5 ein – ihrer stärksten Überzeugungsstufe. Im Januar war Gold zunächst von rund 4'400 auf knapp 5'600 Dollar gestiegen, bevor eine durch asiatische Investoren ausgelöste Deleveraging-Welle den Kurs zeitweise um rund 20 Prozent drückte. Die fundamentale Unterstützung durch Zentralbankkäufe und steigende Privatanlegernachfrage bleibe jedoch intakt, so die UBP.
Strategisch rückt die Nominierung von Kevin Warsh als neuem Fed-Vorsitzenden durch Präsident Trump ins Zentrum. Warsh, traditionell als Falke eingestuft, habe sich zuletzt gewandelt und aggressive Zinssenkungen befürwortet, gestützt auf die Annahme eines KI-getriebenen Produktivitätsbooms nach dem Vorbild der 1980er-Jahre. Eine von Warsh geführte Fed dürfte die Flexibilität für Zinssenkungen 2026 bewahren, zugleich aber die Hürden für eine erneute Bilanzausweitung deutlich höher legen, erwartet die UBP. Der Markt arbeite weiterhin mit der Annahme von zwei Zinssenkungen im laufenden Jahr. Anleger mit besserer Risikobereitschaft könnten in diesem Umfeld von der US-Zinskurve hin zu Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung umschichten, die attraktiven Carry und Exposure gegenüber einem erwarteten schwächeren Dollar böten.
Bei Aktien hält die UBP an einer Quote von 50 Prozent in ausgewogenen Portfolios fest, beobachtet aber eine deutliche Rotation unter der Oberfläche. Während die Indexvolatilität verhalten bleibe, habe sich die Sektorführung im Januar hin zu Energie, Rohstoffen und defensiven Werten wie Basiskonsumgütern und Telekommunikation verschoben. US-Aktien hätten sich verhaltener entwickelt, da Investoren eine dicht gepackte politische Agenda und deren Auswirkungen auf Wachstum und Handel neu einpreisten. Im Februar sei dann der Technologiesektor ins Zentrum der Volatilität gerückt: Trotz solider Quartalszahlen – das US-Gewinnwachstum im vierten Quartal 2025 wird auf 13,5 Prozent geschätzt statt der zuvor erwarteten 8 Prozent – hätten Sorgen über das Ausmass der KI-Investitionen und mögliche Disruption im Softwarebereich einen scharfen Ausverkauf ausgelöst. Die UBP bevorzugt weiterhin US- und asiatische Technologiewerte, ergänzt um Rohstoffe und Versorger als Profiteure steigender Energienachfrage, sowie Healthcare als defensive Beimischung.
Im Fixed-Income-Bereich lieferten die Portfolios im Januar Renditen unterhalb des Carrys, da die sich verengenden Spreads durch leicht steigende US-Zinsen kompensiert wurden. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries schloss bei 4,24 Prozent. Europäische Staatsanleihen schnitten besser ab, wobei sich der Spread französischer OATs gegenüber Bunds auf den niedrigsten Stand seit den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 2024 verengte. Die UBP hält an einer Übergewichtung von High Yield, AT1-Anleihen und Schwellenländer-Bonds fest und empfiehlt weiterhin Agency Mortgage-Backed Securities als überlegene Alternative zu Investment Grade. Die Duration bleibt moderat erhöht bei viereinhalb Jahren in Dollar.
Als grösstes Risiko für die aktuelle Positionierung identifiziert die UBP eine erneute Aufwertung des Dollars, etwa durch stärker als erwartetes US-Wachstum oder hartnäckigere Inflation. Daneben könnten Zweifel an der Monetarisierung von KI-Investitionen die Stimmung schnell drehen und Bewertungsdruck erzeugen. Die KI-Revolution werde nicht alle Akteure gleichermassen begünstigen, so die UBP – mit zunehmender Reife des Zyklus dürfte die Streuung steigen und Selektion entscheidend werden. Geopolitik bleibe eine strukturelle Quelle der Volatilität in einer Welt, die sich von der Post-Kalter-Krieg-Ära des breiten Multilateralismus hin zu einer fragmentierteren Ordnung bewege.