Private Debt: Warum Prozesse wichtiger sind als Prognosen

Im Segment der Mikro- und KMU-Finanzierungen entscheidet nicht das beste Makrobild über die Kreditqualität, sondern die Disziplin im Tagesgeschäft. Dies sagt Michele Mattioda, Investor Relations Manager und Mitglied des Management Boards bei MK Global Kapital.

04.02.2026, 11:35 Uhr
Anlagefonds | Anlagestrategie

Redaktion: asc

Die Unsicherheit an den Märkten wächst, Einschätzungen wechseln schnell. Doch wer in Private Debt investiert, sollte sich weniger von Konjunkturprognosen leiten lassen als von der Frage, wie konsequent ein Kreditgeber seine Prozesse steuert.

Drei Signale im Alltag

Im Nischensegment der Mikro- und KMU-Finanzierungen – MK Global Kapital ist in ausgewählten Märkten Europas und Zentralasiens aktiv – entscheiden drei Faktoren über die Kreditqualität: Nachfrage, Zahlungsmoral und Rückflüsse. Sie zeigen, ob Cashflows tragen und wie stabil die Liquidität bleibt. Entscheidend sei die Unterscheidung zwischen Einzelfall und Muster, so Mattioda. Ist ein Zahlungsverzug ein Ausreisser? Oder baut sich Risiko schleichend auf?

Der Ansatz klingt unspektakulär, hat aber Konsequenzen: Wenn sich die Signale verschlechtern, werden Auswahlkriterien verschärft, Strukturen und Konditionen angepasst. Die laufende Überwachung wird dort verdichtet, wo Risiken nicht sprunghaft auftreten, sondern langsam wachsen. Standards werden nicht situativ verschoben – sie setzen den Rahmen.

Zinsen und Währungen greifen direkt

Für die Kreditqualität sind handfeste Grössen relevant: Zinsniveau und Wechselkurse wirken unmittelbar auf Refinanzierung und Preissetzung. Der zentrale Prüfpunkt lautet: Bleiben Rückzahlungen auch bei steigenden Zinsen und schwankenden Wechselkursen leistbar? Kritisch wird es dort, wo steigende Input- und Lebenshaltungskosten die Puffer kleiner Unternehmen schrumpfen lassen.

Politische und geopolitische Risiken wirken häufig indirekt – sie verzögern Investitionen und senken die Planbarkeit. Kreditqualität hängt dann davon ab, ob Betriebe kurzfristig auf defensive Liquiditätssteuerung umstellen können und wie robust die Cashflows in einem weniger planbaren Umfeld bleiben.

Garantien ersetzen keine Prüfung

In einigen Märkten können Programme und Garantien Druck abfedern. Doch solche Puffer ersetzen weder die Kreditprüfung noch die laufende Überwachung, betont Mattioda. Massgeblich bleibe, ob Risiken konsequent geprüft werden und ob Sicherheiten im Stressfall tatsächlich durchsetzbar sind.

Der skizzierte Ansatz setzt nicht auf Tempo, sondern auf Steuerbarkeit. Investiert wird dort, wo die Rückzahlungsfähigkeit belastbar erscheint – und zurückhaltend agiert, wenn die Qualität nicht stimmt. «Wachstum um jeden Preis» werde vermieden, Standards auch dann nicht gelockert, wenn das Umfeld vermeintliche Chancen signalisiere.

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