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Attraktive Renditen mit klassischen Schweizer Obligationen sind rar geworden. Private Credit in Schweizer Franken eröffnet Pensionskassen neue Ertragschancen und eine breitere Diversifikation ihrer Portfolios.
Die USA wachsen breiter als erwartet, Frankreich rutscht in die Schrumpfung und die Schweiz verliert an Schwung. In der neuen Ausgabe der «Perspektiven» halten die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers dennoch an der Übergewichtung von Aktien fest – und sehen im starken Franken einen Inflationsdämpfer.
Für Frankreich zeichnen die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers in ihrer November/Dezember-Ausgabe der «Perspektiven» ein düsteres Bild. Die starke Ausweitung des Risikoaufschlags führt dazu, dass Paris derzeit rund 5 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen bezahlen muss. Das schlägt auf die Finanzierungskosten der Privatwirtschaft durch. Ein plausibles Szenario, in dem die Staatsschuldenquote in den kommenden drei Jahren unter den heutigen Stand von 116 Prozent des Bruttoinlandprodukts fällt, gibt es laut Swiss Life Asset Managers derzeit nicht. Am Markt platzieren kann Frankreich seine Anleihen aber weiterhin: Die letzte Emission war immer noch zweifach überzeichnet.
Die Konjunktur leidet bereits. Das französische BIP schrumpfte im dritten Quartal um 0,1 Prozent, die Konsumentenstimmung fiel im Oktober auf den tiefsten Wert seit Juni 2013. Für 2026 rechnet Swiss Life Asset Managers nur noch mit 0,3 Prozent Wachstum. Die Inflation lag im Oktober bei 3,4 Prozent, getrieben von Energiepreisen, die zum Vorjahr um 24,1 Prozent zulegten.
Ganz anders die USA. Das nicht annualisierte BIP-Wachstum beschleunigte sich im dritten Quartal von 0,6 auf 0,8 Prozent. Erfreulich ist laut den Ökonomen, dass nicht nur der KI-Boom trug: Auch Firmeninvestitionen ausserhalb des KI-Sektors, die 2024 und 2025 äusserst schwach waren, legten moderat zu. Den grössten Beitrag lieferte der Privatkonsum mit einem realen Plus von 0,9 Prozent, gestützt durch Vermögenseffekte aus dem KI-getriebenen Aktienboom. Die Wohnbauinvestitionen bleiben hingegen in der Rezession. Swiss Life Asset Managers hebt die Wachstumsprognose für 2026 auf 2,3 Prozent an.
Die Kerninflation zog im September von 2,5 auf 2,6 Prozent an, weil die Teuerung einen breiten Korb an Gütern und Dienstleistungen erfasste. Weil der Arbeitsmarkt nicht heissläuft und das Lohnwachstum tendenziell abkühlt, bleiben die Inflationsprognosen unverändert. Die Ökonomen erwarten zwei weitere Zinserhöhungen des Fed.
Die Eurozone wuchs im dritten Quartal um 0,4 Prozent, ohne den volatilen Beitrag Irlands um 0,2 Prozent. Deutschland (+0,2 Prozent) und Spanien (+0,6 Prozent) legten zu, Italien stagnierte. Für Deutschland sprechen die Frühindikatoren für einen soliden Start ins vierte Quartal: Die Kapazitätsauslastung bei den Investitionsgütern ist zuletzt sprunghaft gestiegen, was auf eine wachsende Wirkung der höheren Fiskalausgaben hindeutet.
Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, die Kerninflation bei 2,5 Prozent. Gleichzeitig verschärfen die Banken ihre Kreditvergabe, in Frankreich deutlich, in Italien haben sich die Bedingungen dagegen gelockert. Swiss Life Asset Managers rechnet mit einer weiteren Zinserhöhung der EZB im Dezember 2026 und danach mit unveränderten Leitzinsen. In Italien stieg die Teuerung im Oktober auf 5,4 Prozent, den höchsten Wert seit August 2023. Die Inflationsprognosen für 2026 und 2027 wurden auf 3,3 respektive 2,3 Prozent angehoben.
Für die Schweiz bestätigt der Index zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität des SECO, was sich bereits abgezeichnet hatte: Nach dem rekordstarken zweiten Quartal folgte ein Rückschlag. Bereinigt um die Lizenzeinnahmen internationaler Sportverbände resultiert zwar ein Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal dürfte das reale BIP von Juli bis September aber leicht geschrumpft sein. Swiss Life Asset Managers senkt die Prognose für 2026 deshalb auf 2,0 Prozent. Die erste offizielle Schätzung folgt am 16. November. Einen Anstieg der Arbeitslosenquote erwarten die Ökonomen nicht.
Die Jahresteuerung stieg im September auf 1,0 Prozent, wobei Energie und Treibstoffe 0,6 Prozentpunkte beitrugen. Zweitrundeneffekte bleiben aus. Für 2027 rechnet Swiss Life Asset Managers mit 0,8 Prozent Inflation. Dämpfend wirken sinkende Energiepreise und der starke Franken, der seit Anfang Oktober handelsgewichtet um rund 2 Prozent aufgewertet hat. Für die SNB erwarten die Ökonomen 2027 zwei Zinsschritte um je 25 Basispunkte.
In China wuchs das BIP im dritten Quartal um 4,5 Prozent. Die Dynamik konzentriert sich auf den Hightech-Sektor, dessen Industrieproduktion seit Jahresbeginn um rund 14 Prozent gestiegen ist. Immobiliensektor und Infrastrukturinvestitionen bleiben schwach. Mit dem Programm «Six Networks» will Peking Investitionen von rund 3 Prozent des kumulierten BIP in Verkehrs-, Energie-, Wasser- und Digitalnetze lenken. Laut Swiss Life Asset Managers reicht das, um das Wachstum für dieses und nächstes Jahr um 4,5 Prozent zu stützen.
An den Aktienmärkten war der Oktober von KI-Sorgen geprägt. Schweizer Aktien legten 6,4 Prozent zu, getragen von defensiven Sektoren und schwergewichtigen Qualitätstiteln. Schwellenländer verloren 6,5 Prozent, die Eurozone 0,5 Prozent. Die Berichtssaison verläuft bisher erwartungsgemäss stark: Der Konsens rechnet mit einem Gewinnwachstum von 27 Prozent in den USA, 72 Prozent in den Schwellenländern, 22 Prozent in Europa und 11 Prozent in der Schweiz. Das Wachstum bleibt allerdings stark konzentriert. In den USA dürften allein Micron und Nvidia 35 Prozent zum Gewinnwachstum beitragen.
Eine breite Marktkorrektur halten die Experten für unwahrscheinlich. Der wahre Test komme erst, wenn die aktuelle Investitionswelle in Rechenzentren operativ werde und Abschreibungen sowie Leasingkosten sichtbar würden.
Bei den Anleihen sanken im Oktober die Renditen zehnjähriger US-, deutscher und Schweizer Staatsanleihen. Die Kreditspannen im Telekommunikations-, Medien- und Technologiesektor weiteten sich wegen höherer Zinsen, hoher Emissionen und der Debatte um die Finanzierung der KI-Investitionen aus. Swiss Life Asset Managers bleibt bei USD-Unternehmensanleihen neutral und bei EUR-Investment-Grade positiv, weil die Ausweitung der Spreads übertrieben sei.
Am Devisenmarkt war der Euro im Oktober die schwächste Hauptwährung. Er verlor gegenüber dem Franken 2,7 Prozent und gegenüber dem US-Dollar 1,3 Prozent. Belastet haben die Turbulenzen am französischen Anleihenmarkt und die Ankündigung des Rücktritts von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Nach dem Ausverkauf stellt Swiss Life Asset Managers die Sicht auf EUR/USD und EUR/CHF auf neutral.
In der Asset Allocation bleibt Swiss Life Asset Managers bei Aktien übergewichtet. Die jüngste Korrektur sei ein gesunder Realitätscheck und keine fundamentale Änderung des Ausblicks. Bevorzugt werden US- und Schwellenländeraktien sowie europäische Aktien. Staatsanleihen werden neutral gewichtet, mit kürzerer Duration. Investment-Grade-Unternehmensanleihen sind untergewichtet. Für CHF-Portfolios setzen die Experten weiterhin auf NAV-basierte Schweizer Immobilien und Infrastruktur und erhöhen taktisch das Exposure in börsengehandelten Schweizer Immobilien.
Multi-Asset-Anlegern raten sie, Risiken nicht nur aus Aktiensicht zu beurteilen. Neben dem VIX lohne der Blick auf den MOVE Index, der die Volatilität am US-Treasury-Markt misst. Sachwerte, Gold und ausgewählte alternative Strategien könnten zusätzliche Diversifikation bieten, gerade wenn die traditionelle Korrelation zwischen Aktien und Anleihen weniger verlässlich wird.