Corona-Pandemie: Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzmärkte

Während China langsam die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie lockert, werden in Europa und den USA die Schrauben angezogen. (Bild: Shutterstock.com/Imageflow)
Während China langsam die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie lockert, werden in Europa und den USA die Schrauben angezogen. (Bild: Shutterstock.com/Imageflow)

Während China infolge rückläufiger Verbreitung des Coronavirus weitere Einschränkungen aufgehoben hat, steigen die Ansteckungen und damit die Massnahmen in Europa und den USA weiter. Swiss Life AM zeichnet Szenarien anhand der aktuellen Lage auf.

31.03.2020, 17:55 Uhr

Redaktion: rem

China hob weitere Einschränkungen auf, darunter das Reiseverbot vom Januar. Dagegen wurde ein Einreisestopp von Ausländern verfügt, um eine zweite Welle der Corona-Pandemie zu verhindern. Die Ansteckungen in Europa steigen derweil weiter, jedoch etwas weniger schnell als die letzten Tage. Aus Tschechien etwa ist zu vernehmen, dass das Land die Ausbreitung des Coronavirus scheinbar vergleichsweise erfolgreich bekämpft. Das Pflegesystem in Italien, Spanien und Teilen Frankreichs bleibt unter grossem Druck. Und im Vereinigten Königreich und in den USA sind weitere Lockdown-Massnahmen angekündigt. Dies zieht eine erneute Abwärtskorrektur der BIP-Prognosen 2020 von Swiss Life Asset Managers für beide Länder nach sich.

Basisszenario des weiteren Verlaufs der Corona-Epidemie

Swiss Life AM erwartet mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% eine Rezession gefolgt von einer U-förmiger Erholung. In diesem Basisszenario folgt die Wirtschaftsleistung in Europa und den USA dem Muster Chinas und dürfte zwischen März und Mai rund 10 bis 20% sinken. In diesem Fall würde das Produktionsniveau von Ende 2019 frühestens Ende 2020 erreicht.

Begünstigt wird dieser Verlauf von Fiskal- und geldpolitischen Massnahmen, die einen längeren Nachfrageschock teilweise auffangen. So schnürte letzte Woche die Schweiz ein Hilfspaket für Unternehmen in Höhe von 20 Mrd. Franken. 30'000 Firmen haben bereits Kredite beantragt. In den USA, wo Kurzarbeit kaum verbreitet ist, beantragte in der Woche vom 16. bis 22. März eine Rekordzahl von 3,3 Mio. Menschen Arbeitslosenhilfe (s. Grafik).

USA: Stark steigende Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

Alternative Szenarien

Für das Eintreten des negativen Szenarios schätzt Swiss Life AM eine Wahrscheinlichkeit von 30%: Es kommt zu einer erneuten Finanzkrise, begleitet von einer zweiten Ansteckungswelle in Asien als zusätzliches Risiko. Die Aktienmärkte erholen sich nicht, und der BIP-Verlauf im zweiten Halbjahr 2020 wird L-förmig.

Im optimistischen Szenario, das mit der geringsten Wahrscheinlichkeit von 20% erwartet wird, kommt es zu einem schnellen Rückgang der neuen Fälle oder zu einer raschen Verfügbarkeit von breiten Testverfahren, Behandlungen oder Impfstoffen.

Entwicklungen an den Finanzmärkten

Die Märkte erholten sich letzte Woche. Staats-, Unternehmensanleihen und Aktien reagierten positiv auf die grosszügige Geld- und Fiskalpolitik hüben wie drüben. Swiss Life AM erachtet die Bewertungen an den Aktienmärkten für langfristige Anleger als attraktiv. Die Märkte bleiben aber kurzfristig volatil, da sich der Fokus auf die COVID-19-Fallzahlen konzentriert. Insbesondere aus dem Vereinigten Königreich und den USA sind demnach weitere negative Meldungen zu erwarten. Laut Swiss Life AM dürften sich erstklassige Unternehmensanleihen gestützt durch die Notenbanken, weiter erholen, die Volatilität bleibt aber auch hier sehr gross.

Zu beachtende Meilensteine bis zum 6. April

  • Pandemie: Europa meldet Rückgang bei der Zahl neuer Fälle.
  • Fiskal- und Geldpolitik: Schritte in Richtung eines "Coronabond" (oder "Eurobond") zur Unterstützung des finanziell schwachen Italiens.
  • Wirtschaft: Weiter steigende Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA. Der Kohlekonsum in China sollte die Erholung bestätigen. Es kommt zu einem Anstieg des Einkaufsmanagerindex in China als wichtigster Meilenstein.
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