10.04.2026, 09:29 Uhr
Die Lage am Ölmarkt bleibt angespannt. Selbst wenn die USA den Krieg gegen Iran in den nächsten Wochen beenden, ist eine schnelle Wiedereröffnung der Strasse von Hormus alles andere als sicher. Zu diesem Schluss...
Trotz der Belastungen durch den Nahostkrieg und die hohen Energieimporte präsentiert sich Japans Wirtschaft kurzfristig stabil. Joseph V. Amato, President und Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman, bestätigt nach seiner jüngsten Asienreise die positive Einschätzung – und sieht insbesondere strategische Sektoren wie KI, Verteidigung und Schiffbau im Aufwind.
Der Energiepreisschock hatte die asiatischen Aktienmärkte im Februar in heftige Ausverkäufe gerissen. Inzwischen haben sich die meisten Indizes wieder erholt, gestützt auf soliden Fundamentaldaten und erste Anzeichen einer Entspannung. Japan steht in der Region jedoch besonders im Fokus: Rund 30 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf Rohöl, und etwa 90 Prozent davon stammen aus dem Nahen Osten – vor allem aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Land gehört zudem zu den weltweit grössten Importeuren von Flüssigerdgas, ist hier allerdings stärker nach Lieferländern diversifiziert.
«Auf meiner jüngsten Reise nach Japan und Korea habe ich mehr als deutlich gesehen, wie wichtig das Thema nach wie vor ist», hält Joseph V. Amato, President und Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman, in seinem aktuellen «CIO Weekly» fest. Die strukturelle Abhängigkeit von einer einzigen Region bleibe ein Risikofaktor; das LNG-Engagement wirke jedoch teilweise ausgleichend.
Die Folgen für die Energieversorgung dürften nach Einschätzung von Amato auch die geldpolitische Ausrichtung der Bank of Japan beeinflussen. An ihrer Sitzung diese Woche werde sie den Leitzins voraussichtlich unverändert lassen, um die Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation bis Juni klarer beurteilen zu können. Hilfreich sei der jüngste Ölpreisrückgang im April, zu dem auch die Lieferungen über die saudische Ost-West-Pipeline beigetragen hätten.
Amato hatte bereits zuvor argumentiert, die japanische Wirtschaft könne ein gutes halbes Jahr mit Ölpreisen zwischen 150 und 175 US-Dollar verkraften. An dieser Einschätzung hält er fest. Stabilisierend wirke nicht zuletzt die strategische Ölreserve, die für rund 250 Tage reicht – ein Spitzenwert in Asien. Die rasche Wiedereinführung der Benzinsubventionen habe zudem den Konsum gestützt und den Aktienmarkt im regionalen Vergleich stabilisiert.
Trotz der Belastungen bleibe Japan eines der attraktivsten Industrieländer für Aktienanlagen, betont der Neuberger-Bergmann-Experte. Die Corporate-Governance-Reform machte weitere Fortschritte; weil Aktionärsinteressen ernster genommen würden, verbesserten sich die Erträge strukturell. Die Inflation entwickle sich weitgehend unauffällig, während die Reallöhne deutlich zulegten. Unternehmen mit Preismacht könnten höhere Faktorpreise weitergeben und ihre Margen verteidigen.
Auch politisch sei das Umfeld konstruktiv: Premierministerin Sanae Takaichi habe die vorgezogenen Wahlen im Februar überzeugend gewonnen, ihre wirtschafts- und fiskalpolitische Agenda bewertet Neuberger Berman positiv für die Märkte – insbesondere für strategische Sektoren wie künstliche Intelligenz, Verteidigung und Schiffbau. «Wir erleben gerade jene Art von politischer Kontinuität, die japanischen Aktien schon immer geholfen hat, vor allem während der Amtszeiten von Koizumi und Abe», so Amato. Der Nikkei 225 hat seit Jahresbeginn in US-Dollar rund 18 Prozent zugelegt und zählt damit zu den performancestärksten Märkten 2026.
Die Risiken bleiben gleichwohl präsent. Neben dem Nahostkrieg und seinen Auswirkungen auf die globalen Energiepreise nennt Amato den volatilen Yen sowie weniger beachtete Angebotsstörungen bei Industrierohstoffen wie Schwefel und Helium. Bleiben diese bis zum Sommer bestehen, drohen Engpässe in der japanischen Industrie mit weltweiten Folgen.
Im Basisszenario von Neuberger Berman wird die Strasse von Hormus wieder geöffnet. Solange die Verhandlungen nicht abbrechen und es zu keinem drastischen Ölpreisanstieg kommt, bleibe man zuversichtlich – «für Japan, die Weltwirtschaft und risikobehaftete Wertpapiere insgesamt».