Blockchain: Die stille Revolution in der Lebensmittelbranche

Die Blockchain-Technologie soll zukünftig ermöglichen, jeden einzelnen Schritt im Lieferketten-Management-System von Lebensmitteln zu dokumentieren. (Bild: Shutterstock.com/Fascinanda)
Die Blockchain-Technologie soll zukünftig ermöglichen, jeden einzelnen Schritt im Lieferketten-Management-System von Lebensmitteln zu dokumentieren. (Bild: Shutterstock.com/Fascinanda)

Neben Kryptowährungen wird die Blockchain-Technologie zunehmend in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Das verändert die Branche. Erik Swords, Portfoliomanager bei Mellon, erklärt, wo die Reise hingeht.

01.06.2021, 18:08 Uhr

Redaktion: ism

Stellen Sie sich folgende Szene in einem Supermarkt vor: Bevor eine Kundin Milch kauft, scannt sie das Etikett, um zu erfahren, wie lange das Produkt unterwegs war, wie lange es schon im Regal steht, ob es biologisch produziert wurde und von welchem Bauernhof es stammt.

Das könnte bald Realität sein. Dahinter steht die Blockchain-Technologie, die die Geschäftsprozesse in der Nahrungsmittelindustrie grundlegend verändern dürfte. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Lebensmittelunternehmen, die mit dieser neuen Technologie experimentieren. "Die Zahl der Anwendungen, die wir für Blockchain sehen, steigt exponentiell, je mehr mögliche Nutzer über die Vorteile erfahren." Ein Schlüsselbereich sind Lieferketten. "Lieferketten sind notorisch ineffizient und könnten von Blockchain profitieren – ein System, das durchgängige Transparenz und Sichtbarkeit für alle an der Lieferung von Waren beteiligten Parteien bietet", sagt der Investment-Experte.

Lieferketten-Management-System dokumentieren

Bei der Lebensmittelversorgung passieren viele Dinge auf dem Weg, den Nahrungsmittel durchlaufen. Laut Swords ist die Möglichkeit, ein System zu haben, das jeden einzelnen Schritt dieser Reise im Lieferketten-Management-System dokumentiert, hochinteressant, weil die daraus gewonnenen Daten vollkommen neue Möglichkeiten für die beteiligten Unternehmen und Konsumenten eröffnen.

"Durch die Dokumentation der einzelnen Schritte der Kette in einem einzigen System verfügen Lieferanten und Händler von Lebensmitteln auf einmal über viel grössere Flexibilität. Damit können sie sofort auf Veränderungen bei Angebot und Nachfrage reagieren. Wenn zum Beispiel in den Regalen eines grossen Supermarktes ein Mangel an bestimmten Gemüsesorten herrscht, kann dies sofort an die Lieferanten zurückgemeldet werden. Diese können dann sofort reagieren und mehr von diesem Gemüse auf die LKWs laden, die es zu den Verteilzentren bringen. So steht es den Kunden in Kürze zur Verfügung", weiss Erik Swords.

Rückverfolgbarkeit und Transparenz

Rückverfolgbarkeit und Transparenz machen Lebensmittel auch sicherer, da sie Lebensmittelmanipulationen und Betrug verhindern. Wenn zum Beispiel Menschen an einer durch Lebensmittel verursachten Krankheit erkrankt sind, schafft die Blockchain-Technologie die Möglichkeit, schnell nachzuvollziehen, woher die verdorbenen Lebensmittel genau stammen (Verarbeitungsbetrieb oder Bauernhof). Diese Information kann wiederum an alle notwendigen Blockchain-Teilnehmer übermittelt werden, so dass alle potenziell betroffenen Lebensmittel aus dem System genommen werden, egal ob sie sich im Regal oder auf dem Transportweg befinden. Dadurch können die Kosten erheblich gesenkt werden. Letztlich kann dies auch dazu beitragen, grössere Reputationsschäden für das Unternehmen zu verhindern.

Der Einsatz der Blockchain-Technologie in der Lebensmittelbranche kann mehrdimensionale Vorteile haben, darunter effizientere Prozesse in der Lebensmittel-Lieferkette und damit reduzierte Kosten, erhöhtes Verbrauchervertrauen und Kundenbeteiligung durch Transparenz sowie reduzierter Betrug. Die neue Technologie braucht allerdings noch etwas Zeit, damit sie ihr volles Potenzial als Aufzeichnungssystem für die Lebensmittelindustrie erreichen kann. Jedoch steht ausser Frage, dass sie kommen wird. Damit bietet sie auch für Investoren interessante Möglichkeiten.

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