Die Rohölpreise sind unter Druck

Die Nachfrage nach Öl ist tiefer als erwartet. (Bild Shutterstock/Thaiview)
Die Nachfrage nach Öl ist tiefer als erwartet. (Bild Shutterstock/Thaiview)

Wie sich der Ölpreis 2023 entwickelt, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Das Research-Team von FlowBank analysiert die drei wichtigsten und rät aktuell zu «vorsichtigem Pessimismus».

11.01.2023, 17:36 Uhr

Redaktion: sw

Die Ölpreise stehen unter massivem Druck. Verglichen mit den Höchstständen letzten Jahres sind die Notierungen um mehr als 40% eingebrochen. «Das Verkaufsinteresse ist hoch und es ist unklar, ob der Abwärtstrend auch 2023 anhalten wird», heisst es von der FlowBank.

Zur Beantwortung dieser Frage müsse eine ganze Reihe von Faktoren betrachtet werden, erklärt das Research-Team. Denn neben Chinas Umgang mit dem Coronavirus bestimmten auch der Krieg in der Ukraine sowie die US-Zinspolitik respektive die weltweiten Rezessionsrisiken die Ölmärkte.

Sorge vor erneuten Lockdowns in China

Das grösste Problem für den Ölmarkt sei derzeit die Covid-Krise in China. «Anders als erwartet, löste die Abkehr von der Null-Covid-Politik wegen der enorm hohen Infektionszahlen keinen Nachfrageboom aus. Als Folge mussten die Nachfrageprognosen nach unten korrigiert werden.» Dazu komme, dass verschiedenste Regierungen bereits wieder Reisebeschränkungen für Passagiere aus China veranlasst hätten, was einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage nach Reisen und damit auch auf den Ölpreis habe.

Vor dem Hintergrund der Rekordzahlen bei den Infektionen und Todesfällen bestehe zudem die Befürchtung, dass die Regierung in Peking gezwungen sein könnte, erneut Lockdowns anzuordnen. Das dürfte zu ähnlichen Bedingungen wie Anfang 2022 führen, als die Ölpreise dadurch stark nach unten gedrückt wurden.

Rezessionsängste belasten Nachfrage

Vor der Dezember-Sitzung der US-Notenbank Fed herrschte die Einschätzung vor, dass die Währungshüter einen «dovishen» Kurs einschlagen und damit die Erholung von risikoreicheren Anlagen einläuten würden. Diese Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt: Die Fed schwenkte zwar bei den Zinssätzen um, hob jedoch ihre Höchstzinsprognosen an mit der Argumentation, die Zinsen müssten länger auf einem höheren Niveau bleiben, um die Inflation zu senken.

Die Aussicht auf längerfristig höhere Zinsen in den USA verstärke nun die weltweiten Rezessionsängste. Angesichts der weltweit hohen Leitzinsen und der nach wie vor grassierenden Inflation wurden die Wachstumsaussichten für 2023 auf breiter Front gesenkt. Das veranlasste auch OPEC sowie die Internationale Energieagentur dazu, die Prognosen der Ölnachfrage zu senken.

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs vorerst gebannt

Schliesslich sei der Krieg zwischen der Ukraine und Russland ein weiterer Schlüsselfaktor, den es weiterhin zu beobachten gelte. Der anfängliche Aufwärtsschock bei den Preisen habe sich inzwischen zwar gelegt, da die westlichen Regierungen sich um einen Ersatz des russischen Angebots bemühten, unter anderem durch eine erhöhte Produktion in den USA. Auch die US-Regierung habe sich aktiv um eine Senkung des Ölpreises bemüht, um die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft abzufedern. Doch die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten.

Für das erste Quartal erwartet das Research-Team von FlowBank deshalb, dass die Ölpreise kurzfristig weiter nachgeben werden. Neben den beschriebenen Risiken könnte auch eine neue Virusvariante weltweit zu neuen Massnahmen führen und die Nachfrage nach Öl weiter reduzieren.

Im weiteren Verlauf des Quartals sollten sich die Risiken jedoch ins Positive kehren. Sobald die Situation in China unter Kontrolle komme und sich verbessere, werde sich dies rasch in einer erhöhten Nachfrage nach Rohöl niederschlagen. Sollte zudem die US-Inflation früher als erwartet sinken, werden die Marktteilnehmenden wahrscheinlich von einer veränderten Geldpolitik der Fed ausgehen. Der Dollar dürfte sich deswegen abschwächen und im Gegenzug sollten die Rohstoffpreise Aufwind erhalten.

Schliesslich könnte das Embargo russischen Öls zusammen mit weiteren OPEC-Produktionskürzungen zu einem Angebotsdefizit führen, was wiederum in einem Preisanstieg münden dürfte. Mit Blick auf die möglichen Verwerfungen am Ölmarkt sei vorsichtiger Pessimismus angebracht. Doch ein verändertes Narrativ könnte rasch eine Trendwende herbeiführen – Geld dazu sei reichlich vorhanden und dürfte auf die Ölmärkte geschwemmt werden, sobald die Bedingungen das zulassen

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