Die biologische Vielfalt erhalten ist dringlich

Biodiversität ist auch ein Anlagethema. Die niederländische Fondsgesellschaft Robeco zeigt, wie und weshalb. (Bild: Shutterstock.com/Gabrieuska)
Biodiversität ist auch ein Anlagethema. Die niederländische Fondsgesellschaft Robeco zeigt, wie und weshalb. (Bild: Shutterstock.com/Gabrieuska)

Die Wahrung der Biodiversität hat eine Dringlichkeit erreicht, die der Notwendigkeit des Klimaschutzes in nichts nachsteht. Investoren können einen Beitrag dazu leisten, indem sie sicherstellen, dass die Unternehmen, in die sie investieren, den Verlust an Biodiversität bremsen oder, noch besser, das Miteinander unterschiedlicher Lebensformen fördern.

29.09.2022, 16:50 Uhr

Redaktion: hf

Im Rahmen seiner Biodiversität-Roadmap entwickelt die niederländische Fondsgesellschaft Robeco derzeit ein Investment-Framework, das positive und negativer Beiträge von Unternehmen zur Biodiversität für alle Portfolios beurteilt. Im Oktober wird das Finanzhaus eine Biodiversity Equities-Anlagestrategie auflegen, wie Lucian Peppelenbos, Klima- und Biodiversität-Stratege erklärt. Diese soll Unternehmen identifizieren, deren Aktivitäten der Natur zugutekommen, beispielsweise in Form von Wiederaufforstung und dem Schutz von Wasserressourcen.

"Unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft sind vollständig abhängig von der Biosphäre, von Ökosystemen ihrem Nutzen", sagt Peppelenbos. Wenn diese Ökosysteme an Leistungsfähigkeit verlieren, sind auch die wirtschaftlichen Aktivitäten bedroht. "Dieses Problem ist dringlicher, als vielen Menschen bewusst ist. Es wirkt sich schon jetzt direkt auf die Wirtschaft aus", betont der Strategieexperte von Robeco.

Lebensnotwendige Ökosysteme bewahren

Werfen wir beispielsweise einen Blick auf die Bienen. In diesem Fall dringen Parasiten in ein Ökosystem ein und vermehren sich rapide. Das habe man schmerzhaft in Australien erfahren müssen, wo die Varroa-Milbe in die Bienenstöcke eingedrungen ist und begonnen hat, Honigbienen zu vertilgen, erläutert der Experte. Um die Ausbreitung des Schädlings zu verhindern, war ein Lockdown der Bienen erforderlich. "Das bedeutet, dass in Australien nun Nutzpflanzen im Wert von Milliarden von Dollar in Gefahr sind, da keine Bestäubung stattfinden kann."

Ein weiteres Ökosystem mit lebenswichtigem Nutzen ist Wasser. Die Dürren, die in diesem Jahr auf allen Kontinenten zu beobachten waren, erhöhen das Risiko von Missernten und führen in Teilen Afrikas zu Nahrungsmittelmangel. "Doch die Auswirkungen gehen darüber hinaus", hält Peppelenbos fest. "Wasser ist von elementarer Bedeutung auch für die Industrie und den Transport auf Flüssen, die derzeit versiegen. Die deutsche Industrie beispielsweise litt unter Angebotsengpässen aufgrund des niedrigen Wasserstands im Rhein. Autohersteller in China stoppten die Produktion für mehrere Wochen aufgrund von Stromknappheit. Wasserknappheit bedeutet unmittelbare ökonomische Schäden in vielen Bereichen der Wirtschaft."

Was Investoren tun können

Was also können Investoren unternehment, um eine Veränderung zu bewirken? Kapitaleigner und Assetmanager haben nicht die Macht von Regierungen. Sie verfügen aber über die Macht der Kapitalallokation. Damit und mittels Active Ownership und Engagement können sie dazu beitragen, dass sich etwas ändert, hält der Robeco-Fachmann fest.

"Wir können den Dialog mit Unternehmen nutzen und Kapital in Lösungen umlenken. Das werden wir mit unserer neuen Biodiversity Equities-Anlagestrategie tun", betont er. Ausserdem können Portfolios systematisch verstärkt auf Unternehmen ausgerichtet werden, die zwar nicht selbst Lösungen zur Biodiversität anbieten, aber zur Eindämmung und Umkehr des Verlusts an Biodiversität beitragen.

Dazu sind fundierte Daten und Analysen notwendig, besonders standortbezogene Informationen. Für das Investment-Framework, das für alle Robeco-Produkte eingesetzt werden kann, werden die Auswirkungen von Unternehmen auf die Biodiversität ermittelt. Anschliessend werden die Firmen klassifiziert, da einige besser abschneiden als andere.

Standortanalysen sind für den Entscheid wichtig

"Das Problem in Bezug auf die Biodiversität ist, dass es sich um einen stark standortabhängigen Aspekt handelt – weit mehr als bei der Emission von Treibhausgasen." Wolle man die Folgen für die Biodiversität infolge bestimmter wirtschaftlicher Aktivitäten oder der Lieferketten eines Unternehmens ermitteln, müsse man die Standortgegebenheiten analysieren, erklärt Peppelenbos.

Solche Standortanalysen sind ein wichtiges Element im "Task force for Nature-related Financial Disclosures (TNFD)"-Framework. Dieses ist im Bereich Biodiversität mit der "Task force for Climate-related Financial Disclosures (TCFD)" gleichzusetzen. Zahlreiche Asset Manager, darunter Robeco, haben sich den TNFD zwecks Offenlegung der Unternehmen in ihren Portfolios angeschlossen.

Jetzt muss gehandelt werden

Was aber vor allem dringlich sei, sind echte Massnahmen. "Das Wichtigste für mich ist, dass wir die 'Analyse-Paralyse' vermeiden und stattdessen jetzt handeln", sagt Peppelenbos mit Nachdruck.

"Drei Viertel der Probleme mit Blick auf die Biodiversität betreffen die veränderte Land- und Meeresnutzung sowie der übermässigen Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Das sind Dinge, die relativ gut identifiziert und bewertet werden können", betont er.

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