Covid-19-Impfstoff verleiht Markt für Unternehmensanleihen neuen Schub

Mit einer besseren Konjunktur sinken die Kreditspreads. Das hilft indirekt Unternehmensobligationen, betont Vontobel. (Bild: zvg)
Mit einer besseren Konjunktur sinken die Kreditspreads. Das hilft indirekt Unternehmensobligationen, betont Vontobel. (Bild: zvg)

Das ohnehin schon freundliche Umfeld für Unternehmensanleihen entwickelter Märkte ist mit der Ankündigung eines potentiellen Covid-19-Impfstoffs noch besser geworden. Unternehmensobligationen dürften davon besonders profitieren. Davon ist Vontobel Asset Management überzeugt.

11.11.2020, 15:21 Uhr

Redaktion: hf

Gegenwärtig stützen die Unternehmen ihre Bilanzen mit Barmitteln, nachdem die Ergebnisse im zweiten und dritten Quartal deutlich besser ausgefallen sind als erwartet. Die verbesserten Unternehmensergebnisse gehen auch mit positiven Gewinnrevisionen einher. Das ist nach Aussage von Vontobel Asset Management ein Indiz dafür, dass der Kreditzyklus schneller durchlaufen wird als angenommen und dass die Erholungsphase wohl Anfang nächsten Jahres erreicht sein wird. Sie Die dürfte sich im Verlauf des nächsten Jahres weiter verfestigen, wobei sich Ebitda (Gewin vor Zinsen und Abschreibungen) und Cashflows schneller als erwartet erholen dürften.

Somit können Investoren über schwächelnde makroökonomische Daten, die Covid-19 verursacht hat, hinausblicken – dank der Anpassungen von Unternehmen, Einzelpersonen und Regierungen, welche die Weichen dafür gestellt haben, die Unternehmen über Wasser zu halten. Die fiskalpolitischen Massnahmen, die sowohl in den USA als auch im europäischen Raum aufgestockt werden sollen, sollten dafür sorgen, dass die Erholung mit einer Rückkehr zu Vor-Corona-Niveaus bis spätestens im vierten Quartal 2021 abgeschlossen sein wird. Bereits seit diesem Sommer kann festgestellt werden, dass die Investitionstätigkeiten und -absichten der Unternehmen zugenommen haben. Das ist für Vontobel Asset Management ein weiteres gutes Omen für die Erholung des Kreditzyklus.

Die Erholungsphase ist in der Regel der Sweet Spot für Unternehmensanleihen und Kreditspreads, da die Unternehmen ihre Cashflows weiter steigern, tendenziell zum Vorteil von Anleihegläubiger handeln und letztlich Leverage reduzieren. In einer solchen Phase schrumpfen die Spreads in der Regel, und Vontobel AM geht davon aus, dass sich die Spreads im Mid-Yield-Bereich weiter verengen werden, weil sie bisher noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

Fed arbeitet auf besseres Wirtschaftswachstum hin

Nun zur US-Notenbank Fed: Auf dem Symposium in Jackson Hole legte der Fed-Vorsitzende Jerome Powell Revisionen der Langzeitziele vor, womit bestätigt wurde, dass das Fed über den Mangel an Inflation besorgt ist. Tatsächlich kündigte die US-Notenbank an, dass sie ihre Inflationsstrategie von einem vorausschauenden symmetrischen Inflationsziel von 2% auf eine im Zeitdurchschnitt angestrebte Inflation von 2% umstellt. Das Fed glaubt, dass dies das Inflationsziel besser artikulieren und ein besseres Wirtschaftswachstum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützen wird.

Das Streben nach einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% bedeutet, dass die US-Zentralbank die Zinssätze auf Null halten wird, bis die Inflation im Durchschnitt 2% erreicht, was noch einige Jahre dauern kann. Man kann sogar davon ausgehen, dass sie die Zinssätze für längere Zeit nicht anheben wird, selbst wenn die Inflation einige Jahre lang über 2% liegen sollte. "Somit ist es wahrscheinlich, dass die Zinsen in den USA bis 2024 auf der effektiven Untergrenze oder bei Null bleiben werden", folgert Vontobel AM.

Neues Anlegerinteresse

Diese Entwicklungen bei der US-Notenbank sind für die Stimmung an den Märkten für Unternehmensanleihen in den Industrieländern äusserst positiv. Sie dürften die Anleger dazu ermutigen, ihre Allokationen zu Unternehmensanleihen zu erhöhen, weil sich die Skepsis über die konjunkturellen Erholung abschwächen sollte.

Vomtobel AM betont, dass die erfolgreichen Testergebnisse für einen Covis-19-Impfstoff der Erholung eine zusätzliche Dimension verleihe und so die Nachfrage nach Unternehmensanleihen ankurbele. "Sobald die Unsicherheit abnimmt, dürfte die Jagd nach Renditen im Kontext ewig niedriger Zinsen wieder beginnen, zumal der Höhepunkt fundamentalen Kreditrisiken überschritten sein dürfte", erklärt Mondher Bettaieb-Loriot, Head of Corporate Bonds von Vontobel Asset Management.

Bei der Erholung geht es um eine Verbesserung der Kreditkennzahlen. Das gesunkene Kreditrisiko hat bereits begonnen sich zu manifestieren. Die Bonitätsveränderungen hätten sich dank risikomindernder Massnahmen, wie zum Beispiel niedrigere Dividendenzahlungen, ausgesetzte Aktienrückkäufe, reduzierte M&A-Transaktionen sowie erneute Cashflow-Generierung stabilisiert.

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