12.10.2026, 07:42 Uhr
Die Renditen von Staatsanleihen sind weltweit auf den höchsten Stand seit über 20 Jahren gestiegen. Kredite werden dadurch teurer, ohne dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben müssen. Wie reagieren die...
2025 kamen an der SIX 558 neue Franken-Anleihen mit einem Volumen von rund 124 Milliarden Franken an den Markt, so viele wie nie zuvor. Das zeigt der Swiss Rating Guide 2026 der Zürcher Kantonalbank. 2026 nutzten auch US-Tech-Konzerne wie Amazon und Alphabet den Schweizer Kapitalmarkt, um ihre KI-Investitionen zu finanzieren.
Der Schweizer Anleihenmarkt hat ein Rekordjahr hinter sich. Laut der Jubiläumsausgabe des Swiss Rating Guide der Zürcher Kantonalbank (ZKB) stieg die Zahl der Neuemissionen an der SIX im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf 558. Das emittierte Volumen nahm um 15 Prozent auf rund 124 Milliarden Franken zu. «Der CHF-Primärmarkt zeigte sich seit Mitte 2025 sehr aufnahmefähig», sagt Adrian Knoblauch, Head Credit Research bei der Zürcher Kantonalbank.
Die Dynamik hielt 2026 an. Neben Pfandbriefinstituten und Schweizer Banken gewann vor allem das Auslandsegment an Bedeutung. Die Investoren fragten stark nach, Neuemissionen wurden gut aufgenommen und die Risikoprämien gingen zurück, vor allem bei Emittenten mit hoher Bonität.
Die auffälligste Entwicklung des laufenden Jahres war der Markteintritt grosser US-Technologieunternehmen. Amazon emittierte Anleihen über 2.8 Milliarden Franken und gehört damit bereits zu den 30 grössten Emittenten am Markt. Alphabet platzierte Anleihen über 3 Milliarden Franken. «Der hohe Finanzierungsbedarf für Investitionen in KI-Infrastruktur machte den CHF-Anleihenmarkt zu einer wichtigen Finanzierungsplattform für US-Tech-Konzerne», erklärt Knoblauch.
Geopolitische Unsicherheiten und zeitweise hohe Zinsvolatilität haben dem Sekundärmarkt kaum geschadet. Nach kurzen Schwankungen sanken die Credit-Spreads insgesamt leicht. Zwischen Juli 2025 und Ende August 2026 entwickelten sich die durchschnittlichen Risikoaufschläge gegenüber dem CHF-Swap wie folgt:
Die Schweizerische Nationalbank senkte den Leitzins im Juni 2025 auf 0 Prozent und hat ihn seither nicht verändert. Am langen Ende bewegten sich die Zinsen dagegen deutlich stärker. Zwischen Juni 2025 und September 2026 lag die Rendite 10-jähriger Bundesobligationen zwischen 0.10 und 0.65 Prozent. Die durchschnittlichen Verfallsrenditen sind in allen Ratingklassen gestiegen. Im AAA-Segment kletterten sie von 0.54 auf 0.74 Prozent, im AA-Segment von 0.74 auf 0.96 Prozent und im A-Segment von 0.96 auf 1.18 Prozent.
Die ZKB hat ihre Research-Abdeckung um sieben Neuemittenten erweitert, darunter Stadler Rail, Siegfried, Energie 360°, das Universitätsspital Basel und die SRG SSR. Insgesamt analysiert die Bank nun 165 inländische Schuldner, die zusammen rund 98 Prozent des ausstehenden Anleihevolumens im Inland ausmachen.
In den vergangenen 15 Monaten haben sich die Ratings überwiegend verbessert. Zwölf Emittenten wurden heraufgestuft, unter ihnen Implenia, die UBS Group und der Kanton Genf. Herabgestuft wurden nur drei: die Berner Kantonalbank, Rieter und Clientis. Grund waren laut ZKB eine schwächere Ertragsdynamik oder strukturelle Veränderungen.
Der Swiss Rating Guide erscheint zum 25. Mal und wurde für die Jubiläumsausgabe komplett überarbeitet. Institutionelle Fixed-Income-Investoren nutzen ihn als Research-Grundlage für Anleihen von Schweizer Inlandschuldnern. Die ZKB-Ratings sollen die Bonität über den Konjunkturzyklus hinweg abbilden. Neben quantitativen Daten berücksichtigen sie deshalb auch qualitative Faktoren wie das Branchenumfeld, die Wettbewerbsposition und die Qualität des Managements.