03.07.2026, 11:54 Uhr
Der Raiffeisen Futura Immo Fonds hat sein Gesamtvermögen im Geschäftsjahr 2025/26 deutlich ausgebaut. Die Fondsleitung Verit Investment Management AG spricht von soliden Resultaten in einem anspruchsvollen Marktumfeld.
Die Flossbach von Storch Invest ist seit 2006 in der Schweiz präsent. Im Interview erklärt Maximilian Spiess, Geschäftsführer der Vertretung Zürich, weshalb Schweizer Anleger deutlich kapitalmarktnäher agieren als ihre deutschen Pendants, warum aktives Bondsmanagement gerade jetzt gefragt ist und welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig im Asset Management spielen wird.
Herr Spiess, Flossbach von Storch gilt vielen vor allem als Asset Manager für Privatkundinnen und Privatkunden. Wie hat sich das Unternehmen in der Schweiz positioniert – und worin unterscheidet sich der Schweizer Markt von Deutschland?
Wir sind bereits seit 2006 in der Schweiz. Zürich war der erste Standort jenseits des Heimatmarktes. In der Schweiz liegt der Fokus auf der Zusammenarbeit mit Banken, institutionellen Anlegern wie PKs, Versicherungen, Stiftungen, aber auch Family Offices und externen Vermögensverwaltern.
Schweizer Investoren agieren kapitalmarktnäher, diversifizierter und selbstverständlicher im Umgang mit Wertschriften, während deutsche Anleger traditionell vorsichtiger und stärker auf klassische Sparformen ausgerichtet sind. In einem tendenziell inflationären Umfeld ist das langfristig ein Problem für die Deutschen.
Welche Kundengruppen stehen in der Schweiz im Fokus von Flossbach von Storch – vermögende Privatkunden, externe Vermögensverwalter, Family Offices oder institutionelle Investoren?
Wir haben das Glück, mit Kunden aus allen genannten Gruppen zusammen zu arbeiten – wobei die Privatkunden direkt von unseren Kollegen aus der Privaten Vermögensverwaltung in Köln betreut werden.
Mit welchen Produkten und Lösungen wachsen Sie derzeit besonders stark in der Schweiz?
Wir stehen seit Unternehmensgründung für einen aktiven, benchmark-unabhängigen Investment-Ansatz. Gerade in der Schweiz sehen wir grosses Interesse an unseren flexiblen Obligationsstrategien – und darüber freuen wir uns sehr. Natürlich hilft hier der langjährige und vor allem sehr positive Track Record.
Schweizer Anleger gelten als anspruchsvoll, langfristig orientiert und risikoavers. Wie prägt das Ihre Anlagestrategien und Kundenberatung?
Die Schweizer Anlegermentalität passt sehr gut zu unserer DNA. Wer langfristig denkt, auf Qualität setzt und Risiken bewusst steuert, findet viele Gemeinsamkeiten mit unserer Investmentphilosophie. Statt kurzfristigen Trends hinterherzulaufen, konzentrieren wir uns darauf, Vermögen über Marktzyklen hinweg zu erhalten und langfristig auskömmliche Renditen zu erwirtschaften.
Welche Rolle spielt aktives Asset Management heute noch – gerade im Wettbewerb mit passiven Angeboten?
Es braucht beide Varianten, auch in Zukunft. ETFs sind geeignete Instrumente, wenn es darum geht, einzelne Märkte kostengünstig abzubilden. Aktives Management wiederum ist gefragt, wenn Anleger mehr erwarten oder wünschen als reine Marktrendite: allen voran Risikosteuerung, Kapitalerhalt, Flexibilität und die Fähigkeit, Fehlbewertungen zu nutzen. Nehmen wir Bondsfonds als Beispiel. Anders als bei Aktienindizes, in denen die erfolgreichsten Unternehmen ein höheres Gewicht erhalten, gewichten Anleiheindizes die grössten Schuldner am stärksten. Zudem erfolgt das Rebalancing zeitverzögert; in turbulenten Marktphasen ist das ein Nachteil. Vielen ETF-Anlegern ist das nicht bewusst. Aktive Bondsmanager dagegen können gezielt auf Qualität setzen und Marktrücksetzer zeitnah nutzen, losgelöst von irgendwelchen Anpassungsterminen.
Welche Trends werden das Schweizer Asset Management in den nächsten fünf Jahren am stärksten verändern – Regulierung, Technologie, Konsolidierung oder etwas ganz anderes?
Ich bin überzeugt, dass die künstliche Intelligenz (KI) in den nächsten fünf Jahren einige Veränderungen mit sich bringen wird. Der Zugang zu Informationen wird weiter vereinfacht und Tiefe sowie Transparenz der Analyse verbessert. Im Vertrieb aber bleibt der persönliche Kontakt essentiell; Anleger suchen nach verlässlichen Ansprechpartnern, die eine eigene Meinung haben in einem Umfeld von KI unterstütztem Denken – das gilt auch in Zukunft.
Ein Trend, den wir darüber hinaus beobachten: Auf der einen Seite grosse, skalierbare Plattformen mit globaler Reichweite, auf der anderen Seite spezialisierte Häuser mit einer klaren Investmentidentität. Für Anbieter ohne ausreichende Grösse oder eindeutige Differenzierung wird es zunehmend schwieriger, sich erfolgreich zu positionieren.
Wie positioniert sich Flossbach von Storch innerhalb dieser strukturellen Veränderungen in der Branche?
Wir beschäftigen uns intensiv mit den Themen, nutzen KI, wo immer sie uns hilft beziehungsweise unseren Anlegern Mehrwert verspricht. Wichtig ist aber auch, seiner Investmentphilosophie und den durch sie widergespiegelten Werten treu zu bleiben.
Und persönlich: Was fasziniert Sie nach wie vor am Asset Management – gerade in einer Zeit, in der Märkte und Anlegerverhalten immer komplexer werden?
Die Märkte mögen komplexer werden, aber die Erwartungen der Anleger sind erstaunlich konstant geblieben: Sie wollen verstehen, was mit ihren Anlagen geschieht – und sie möchten sich auf ihren Partner verlassen können. Unsere Kunden schätzen Klarheit, Transparenz und Ehrlichkeit in der Kommunikation. Vertrauen entsteht nicht durch perfekte Prognosen, sondern durch Verlässlichkeit und eine nachvollziehbare Haltung.