US-Notenbank sieht Zinswende frühestens 2023

Laut Fed muss sich für eine Zinserhöhung die Teuerungsrate für einige Zeit über 2% festsetzen und überdies Vollbeschäftigung erreicht sein. (Bild: Shutterstock.com/eamesBot)
Laut Fed muss sich für eine Zinserhöhung die Teuerungsrate für einige Zeit über 2% festsetzen und überdies Vollbeschäftigung erreicht sein. (Bild: Shutterstock.com/eamesBot)

Die US-Notenbank Federal Reserve bestätigte an ihrer gestrigen Sitzung ihren lockeren geldpolitischen Kurs. Trotz rosiger Konjunkturaussichten kommt für die Fed eine Zinswende noch lange nicht infrage. An der Wall Street zogen die Kurse moderat an.

18.03.2021, 09:57 Uhr

Redaktion: rem

Die US-Notenbank erwartet, dass die Leitzinsen noch bis mindestens 2023 an der Nullmarke bleiben werden. Die Fed beliess den Leitzins erwartungsgemäss unverändert zwischen 0,00% und 0,25%. Fed-Chef Jerome Powell machte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Anschluss deutlich, dass es für eine Änderung Geldpolitik noch zu früh sei. Das betreffe auch die Anleihenkäufe, mit denen die Notenbank die Zinsen am Kapitalmarkt niedrig halten will, bis "substanzielle weitere Fortschritte" auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Derzeit kauft die Fed pro Monat für 80 Mrd. USD Staatsanleihen und für 40 Mrd. USD hypothekenbesicherte Wertpapiere.

Diesen Entscheid haben die Währungshüter um Jerome Powell trotz rosiger Konjunkturaussichten getroffen. Sie rechnen für 2021 mit dem kräftigsten Aufschwung seit den 70er Jahren, wenn das Hilfsprogramm von US-Präsident Joe Biden in Höhe von 1,9 Bio. USD den Konsum ankurbelt und sich die Wirtschaft erholt. Schlüssel für die wirtschaftliche Erholung bleibe dabei weiter die Überwindung der Corona-Pandemie und eine erfolgreiche Impfkampagne.

Sorge um den Arbeitsmarkt

Insbesondere der arg gebeutelte Arbeitsmarkt bereitet der Fed aber weiter Sorge: Rund zehn Millionen Amerikaner müssten wieder in Lohn und Brot gebracht werden, betonte Powell: "Das wird nicht übernacht passieren." Die Notenbank sei noch immer weit von ihren Zielen entfernt. Die Fed-Währungshüter erwarten im Mittel, dass die Arbeitslosenquote bis zum Jahresende auf 4,5% sinken und 2022 auf 3,9% zurückgehen wird. Zugleich soll das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um satte 6,5% zulegen, womit sogar das Wachstumsziel Chinas übertroffen würde.

Insgesamt strebt die Notenbank weiter eine Inflationsrate von 2% und eine Normalisierung am Arbeitsmarkt an. Powell hat zuletzt immer wieder klar gemacht, dass die Notenbank für die Erreichung dieser Ziele auch bereit sei, ein kurzfristiges Überschiessen der Inflation zu tolerieren. Das dürfte bereits 2021 der Fall sein, denn für das laufende Jahr rechnet die Fed mit einer Inflationsrate von 2,4%, wie aus neuen Prognosen hervorgeht. Damit erwarten die Währungshüter einen deutlich stärkeren Anstieg als noch im Dezember, als nur eine Rate von 1,8% prognostiziert wurde.

Powell betonte, dass das Konjunkturpaket, die kräftig ins Rollen gekommene Impfkampagne sowie sinkende Infektionszahlen voraussichtlich nur zu einem vorübergehenden Anstieg des Preisauftriebs führen werden. Auch wenn die Inflationsrate so auf über 2% hochschnellen sollte, sei damit noch lange nicht die Voraussetzung für eine Zinserhöhung geschaffen. Dazu müsse sich die Teuerungsrate für einige Zeit über 2% festsetzen und überdies Vollbeschäftigung erreicht sein.

Die Entscheidung der Fed gab der Wall Street Rückenwind. Am Anleihemarkt reagierten Anleger unterschiedlich: Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds ging leicht zurück, blieb aber auf Tuchfühlung mit ihrem zuvor markierten 14-Monats-Hoch von 1,689%. Die 30-jährigen rentierten mit 2,464% zeitweise so hoch wie zuletzt vor gut eineinhalb Jahren. Parallel dazu ging die US-Währung auf Talfahrt.

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