Unternehmen haben Schulden in Rekordhöhe aufgenommen

2020 ist die Gesamtverschuldung der Unternehmen auf 13,5 Bio. USD. gestiegen. (Bild: Shutterstock.com/muratart)
2020 ist die Gesamtverschuldung der Unternehmen auf 13,5 Bio. USD. gestiegen. (Bild: Shutterstock.com/muratart)

Die Unternehmen weltweit haben im Jahr 2020 Schulden in Rekordhöhe von insgesamt 1,3 Bio. USD aufgenommen. Die Gesamtverschuldung stieg laut dem Corporate Depth Index von Janus Henderson um 10,2% auf ein Allzeithoch von 13,5 Bio. USD. Allerdings verfügen die Unternehmen auch über grosse Cash-Bestände. Für 2021 wird eine Zunahme der Nettoverschuldung um 550 Mrd. USD erwartet.

07.07.2021, 15:05 Uhr

Redaktion: rem

Die Unternehmen haben weltweit im Jahr 2020 Schulden in Rekordhöhe von insgesamt 1,3 Bio. USD aufgenommen, da die Gewinne weltweit um ein Drittel gesunken sind. Die Gesamtverschuldung (ohne Berücksichtigung von Cash-Beständen) stieg um 10,2% auf einen Rekordwert von 13,5 Bio. USD, wie der aktuelle Janus Henderson Corporate Debt Index zeigt.

Die Unternehmen nahmen Cash auf, um sich für eine globale Rezession und mögliche Einschränkungen beim Zugang zu den Finanzmärkten zu wappnen. Sie haben laut Janus Henderson jedoch nahezu nichts von diesen neuen Schulden ausgegeben und bis heute so gut wie keine weiteren Anleihen im Jahr 2021 emittiert. Die Analyse von Janus Henderson zu den weltweiten Unternehmensanleihemärkten zeigt, dass die Gesamtverschuldung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 nur um 1% weiter gestiegen ist.

Nettoverschuldung deutlich tiefer

Diese Sparsamkeit habe dazu geführt, dass die Nettoverschuldung der Unternehmen (Gesamtverschuldung abzüglich Cash) weltweit nur um 151 Mrd. USD gestiegen ist und das Jahr mit 8,30 Bio. USD schloss (im Vergleich zu 8,15 Bio. USD vor einem Jahr). Bereinigt um Wechselkursschwankungen betrug der Anstieg nur 36 Mrd. USD.

Für 2021 erwartet Janus Henderson, dass die Gesamtverschuldung weitgehend unverändert bleibt, die Nettoverschuldung (Gesamtverschuldung abzüglich Cash) jedoch schnell ansteigen wird, da die Unternehmen beginnen, einen Teil ihres Bargeldbergs abzutragen. Die Nettoverschuldung dürfte in diesem Jahr um 500-600 Mrd. USD auf 8,8-8,9 Bio. USD steigen. Auch die Nettoverschuldung der Schweiz ist gestiegen: Mit 101 Mrd. USD liegt sie um 9 Mrd. USD über der von 2019. Nestlé ist mit einer Nettoverschuldung von 35 Mrd. USD der grösste Schweizer Nettoschuldenverursacher.

Janus Henderson sieht beträchtliche Chancen für Anleiheinvestoren, da die Kombination aus sich verbessernden Fundamentaldaten und den Massnahmen der Zentralbanken als Reaktion auf die Pandemie ein günstiges Umfeld sowohl für das Angebot an als auch die Nachfrage nach High-Yield-Anleihen bietet.

Unternehmen setzen "Cash-Kriegskassen" ein

Unternehmen setzen "Cash-Kriegskassen“ ein, um Investitionen, Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe zu finanzieren
Die Bemühungen, die Ausgaben zu reduzieren, haben laut Janus Henderson dazu geführt, dass der grösste Teil der Neuverschuldung immer noch als Liquidität oder Wertpapiere in den Bilanzen der Unternehmen liegt. Die Cash-Bestände stiegen um 1,1 Bio. USD auf einen Rekordwert von 5,2 Bio. USD im Jahr 2020 und damit in einem Jahr fast doppelt so schnell wie in den vergangenen fünf Jahren insgesamt.

Anstatt neue Kredite auszugeben, haben Unternehmen stattdessen Massnahmen zur Stärkung ihrer Bilanzen ergriffen. Die Unternehmen im Janus Henderson Corporate Debt Index haben Dividenden in Höhe von 130 Mrd. USD gestrichen, Investitionen gekürzt, Hunderte von Mrd. USD von Aktionären und durch den Verkauf von Vermögenswerten eingenommen und Aktienrückkäufe reduziert. Im Zuge der anhaltenden Erholung prognostiziert Janus Henderson jedoch einen Boom bei Investitionen, Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen für das zweite Halbjahr 2021 und danach.

Anlagechancen für Anleihebesitzer

Die sich verbessernden Fundamentaldaten und die ultralockere Geldpolitik bieten laut Janus Henderson Chancen für Anleiheninvestoren, insbesondere bei der Suche nach "Rising Stars" und "Fallen Angels" mit Erholungspotenzial in der High-Yield-Kategorie. Die Portfoliomanager setzen auf Nahrungsmittel und Getränke (z. B. Kraft), ausgewählte Automobilhersteller (z. B. Ford) sowie Chancen im Energie- und Konsumsektor.

Für Anleiheinvestoren gebe es im Moment einige wirklich interessante Möglichkeiten, betonen Tom Ross und Seth Meyer, Portfoliomanager für Fixed Income bei Janus Henderson. Die Aussicht auf ein höheres Wirtschaftswachstum und steigende Inflation werde normalerweise als negativ für festverzinsliche Wertpapiere erachtet, aber sie bedeute auch eine Verbesserung der Fundamentaldaten, das heisst besserer Cashflow und verbesserte Verschuldungsquoten.

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