Ukraine-Krieg: Grosse Unterschiede in der Belastung der Regionen

Die Werkbänke in Osteuropa, also Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn, sind in besonderem Ausmass vom Ukraine-Krieg betroffen. Bild: Shutterstock.com/BelkaG)
Die Werkbänke in Osteuropa, also Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn, sind in besonderem Ausmass vom Ukraine-Krieg betroffen. Bild: Shutterstock.com/BelkaG)

Der Krieg in der Ukraine bringt viel Leid für die Betroffenen und führt auch wirtschaftlich zu erheblichen Belastungen in den europäischen Ländern und Regionen. Eine Analyse vom BAK Economics zur strukturellen Betroffenheit der europäischen Regionen zeigt, dass sich ein deutliches Ost-West-Gefälle erkennen lässt.

03.04.2022, 06:00 Uhr

Redaktion: rem

Der Krieg in der Ukraine belastet die Europäische Wirtschaft stark. Zudem trifft er auf eine Wirtschaft, welche sich gerade erst von der Corona-Krise erholt und noch unter Lieferengpässen und Preissteigerungen leidet. Dabei gibt es gemäss der Studie vom BAK Economics jedoch grosse Unterschiede zwischen den Regionen Europas. Diese sind teils direkter Natur, wie bei der Aufnahme von Flüchtlingen oder den direkten Handelsverflechtungen mit Russland. Viel gewichtiger sind jedoch die indirekten Folgen: über steigende Preise, Energieknappheit, unterbrochene Lieferketten und ausbleibende Geschäftsmöglichkeiten.

Grosse Unterschiede zwischen den Regionen bestehen bezüglich der potenziellen Exposure der Wirtschaft gegenüber den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs. Dafür sind die regionalen Wirtschaftsstrukturen und das jeweilige regionale Geschäftsmodell ausschlaggebend, aufbauend auf der Betroffenheit der verschiedenen Branchen durch die Kriegsfolgen und Sanktionen.

Kurzanalyse

BAK Economics zeigt in einer Kurzanalyse die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Wirtschaft Europas: Welche Regionen stehen vor den grössten Herausforderungen?

Klar erkennbare Belastungsmuster

Wie die Studie zeigt, sind einige Belastungsmuster klar erkennbar. Die Werkbänke in Osteuropa, also Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn, sind in besonderem Ausmass betroffen – und dies eben bei weitem nicht nur wegen ihrer geografischen Nähe zum Kriegsschauplatz. Eine hohe Industriedichte, die enge Einbindung in internationale Wertschöpfungsketten, aber auch die hohe Energieintensität machten die regionale Wirtschaft anfällig für die mit der Krise verbundenen Störungen. Aus ähnlichen Gründen, wenn auch nicht ganz so stark, werde das industrielle Herz Europas herausgefordert, kommentiert BAK Economics.

Schweizer Regionen sind laut der Analyse dank ihrer Wirtschaftsstrukturen unterdurchschnittlich von der Krise betroffen: Am stärksten gefährdet ist der Kanton Jura wegen des Präzisionsclusters, am geringsten Basel-Stadt mit dem Pharma-Standort. Aber auch abgesehen von den hier diskutierten Grundstrukturen zeige sich in zahlreichen Einzelregionen eine besondere Exponiertheit gegenüber den wirtschaftlichen Risiken. Diese Unterschiede in der Intensität der wirtschaftlichen Belastung in Europa gilt es zu beachten, gerade auch im Hinblick auf die Diskussion von Hilfspaketen und Massnahmen.

Regionale Resilienz

Der Krieg in der Ukraine zeigt laut BAK erneut die hohe Bedeutung der regionalen Resilienz:

  • Der Ukraine-Krieg verdeutlicht durch die steigenden Energiepreise und die Abhängigkeit von russischer Energie die Notwendigkeit des Umbaus der Wirtschaft zu nachhaltigeren Produktionsweisen und zur Dekarbonisierung. Der durch die Herausforderungen des Klimawandels ohnehin bestehende Druck zu einem forcierten Strukturwandel wird durch die Ukraine-Krise noch einmal verstärkt und vorangetrieben.
  • Die Notwendigkeit zur Diversifizierung von Wertschöpfungsketten, wie sie bereits die Corona-Krise aufgezeigt hat, wird durch den Ukraine-Krieg ebenfalls intensiviert. Hier bestehe sowohl staatlicherseits als auch auf Seiten der Unternehmen ein klarer Handlungsbedarf, so das BAK.

"Regionen, welche in diesem Strukturwandel – Dekarbonisierung, nachhaltige Produktionsweisen wie auch Diversifizierung von Lieferketten – weiter fortgeschritten sind, können auch die neue Krise besser abfedern. Das Vorangehen im Strukturwandel trägt auch zur Stärkung der Resilienz der Regionen bei", kommentieren die Studienautoren vom BAK.

Daniel Lüchinger, CIO der Graubündner Kantonalbank (rechts), und Dr. Thomas Steinemann, CIO der Privatbank Bellerive. (Bild pd)

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