Trotz Corona – Dividendenaktien behalten ihren Reiz

Dividendenaktien bieten sowohl in steigenden wie in fallenden Märkten eine Mehrrendite. (Bild: Shutterstock.com/Wright Studio)
Dividendenaktien bieten sowohl in steigenden wie in fallenden Märkten eine Mehrrendite. (Bild: Shutterstock.com/Wright Studio)

Schock an der Börse: Erstmals seit sieben Jahren kürzt der deutsche Vorzeigekonzern Siemens die Dividende. Das Beispiel zeigt, wie Corona und Rezession die Gewinnausschüttung vieler Unternehmen auf die Probe stellen. Zweifel am Erfolg von Dividendenaktien sind trotzdem unbegründet.

13.11.2020, 16:15 Uhr

Autor: Hanspeter Frey

Auf den ersten Blick ist 2020 kein gutes Jahr für Dividenden. Die Covid-19-Pandemie stellt Unternehmen mit regelmässigen Ausschüttungen vor politische und ökonomische Schwierigkeiten. "Die letzten Monate haben gezeigt, dass Dividendenaktien weder Anleihen- noch Zinsersatz sind. Es sind und bleiben Aktieninvestments mit einer entsprechenden Volatilität", sagt Sebastian Müller, Senior Portfolio Manager von First Private Investment Management in Frankfurt.

Auf den zweiten Blick ergeben sich aus der gegenwärtigen Situation für Dividendenaktien jedoch weiterhin Chancen, wenn nicht sogar bessere. Deutsche und Schweizer Staatsanleihen nehmen sich mit ihren rekordtiefen Renditen von je rund minus 0,5% selbst aus dem Rennen. Dividendenfonds liefern eine um Welten bessere Rendite. So schüttet beispielsweise der deutsche Euro Dividendenfonds Staufer von First Private IM durchschnittlich 4,7% aus. In der Schweiz kommt der Swiss Dividend Fund des Zuger Spezialisten für Schweizer Aktien zCapital auf durchschnittlich knapp 4%.

Auswahl weiterhin gross

"Für Anleger, die die Kursschwankungen aushalten können, sind dividendenstarke Titel immer noch aussichtsreiche Investments mit robusten Renditen und stabilen Cashflows", betont Müller. Die Corona-Krise habe lediglich die Spreu vom Weizen getrennt. Abseits von Unternehmen, die wegen Liquiditätsproblemen Dividendenkürzungen oder sogar einen Verzicht auf die Auszahlung verkünden mussten, gäbe es noch immer genügend Dividendenperlen.

Eine Analyse von First Private zeigt, dass 2020 zwar mehr als 200 Gesellschaften im Euroraum ihre Dividenden ausgesetzt haben. Dem gegenüber stehen jedoch 177 Unternehmen, die ihre Zahlungen beibehalten haben, und sogar mehr als 400, deren Aktionäre sich über eine Erhöhung freuen durften.

Als ein Beispiel für eine stabile Rendite nennt der Frankfurter Vermögensverwalter die Deutsche Post. Zwar wurden auch da die Prognosen zur Geschäftsentwicklung nach unten korrigiert. Allerdings nicht so stark, dass die Dividende in Gefahr geraten wäre. Auch fürs nächste Jahr schliessen Analysten eine Dividendenkürzung aus und haben die Gewinnschätzung für 2021 vermehrt erhöht. Aktuell rentieren die Titel knapp 3%.

Defensiv, aber oho

Klassische Dividendenaktien kommen aus Sektoren wie Stromversorger, Telecom, Nahrungsmittel und Versicherungen. Auch Banken zählen in der Schweiz dazu. Bei der UBS entscheidet die Generalversammlung am 19. November über die Ausschüttung des zweiten Teils der Dividende für 2019. In der ersten Corona-Welle hatte die Grossbank eine Zweiteilung beschlossen und verkündet, über die zweite Tranche später befinden zu wollen.

Es war die Zeit, als aus der Politik der Ruf laut wurde, für Unternehmen mit Kurzarbeit ein Dividendenverbot zu erwirken. Nach reger Diskussion beerdigte der Ständerat eine entsprechende Motion aus dem Nationalrat. Auf Basis des gesamten Betrags, der dieses Jahr zur Ausschüttung kommt, rentieren die Aktien von UBS stolze 5,5%.

Positiv zur Aktionärspolitik hat sich diese Woche im Rahmen der Quartalszahlen die Baloise geäussert. Bis 2025 will der Versicherer 1,5 Mio. neue Kunden gewinnen und rund 2 Mrd. Franken an Barmitteln generieren (Investrends berichtete). Davon sollen 60 bis 80% als Dividende ausgeschüttet werden. Zum aktuellen Kurs rentieren die Aktien 4,3%.

Schweizer Dividendenperlen

Auf eine weiterhin attraktive Ausschüttung dürfen sich auch die Aktionäre der Zurich Financial Group freuen. Die gesamthaft guten Neunmonatszahlen bestärken die Erwartungen einer unveränderten Dividende auch im nächsten Frühling. Die Titel der Versicherungsgruppe rentieren knapp 6%, womit sie zu den Dividendenspitzenreiter in der Schweiz gehören.

Der Blick auf die grössten Positionen des Dividendenfonds von zCapital vermittelt einen Eindruck, was sonst noch solide und gute Dividendenzahler am Schweizer Aktienmarkt sind. Angeführt von Nestlé, Roche und Novartis umfasst die Liste der Top 15 in dieser Reihenfolge ABB, Zurich, Logitech, LafargeHolcim, SGS, BKW, Sunrise, Allreal, PSP, Swiss Life, Partners Group und Baloise.

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