SNB: Zinspause gilt als sicher – doch der Blick nach vorne spaltet die Ökonomen

Die SNB-Zinspolitik zwischen starkem Franken und geopolischen Unsicherheiten (Bild: Adobe Stocks)
Die SNB-Zinspolitik zwischen starkem Franken und geopolischen Unsicherheiten (Bild: Adobe Stocks)

Der Franken ist stark, die Energiepreise ziehen an, und die Europäische Zentralbank könnte die Zinsschraube lockerer drehen als erwartet. In diesem unruhigen Umfeld trifft sich die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag zur geldpolitischen Lagebeurteilung. Was sie entscheiden wird, ist unter Fachleuten kaum umstritten. Wie es danach weitergeht, umso mehr.

18.03.2026, 07:22 Uhr
Konjunktur | Regulierung

Redaktion: asc

Martin Schlegel ist ein besonnener Ökonom. Als Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steht er vor einigen sehr spannenden Entscheiden. Einer davon: Müssen erneut Negativzinsen eingeführt werden?

Doch beginnen wir von vorn: Selten war ein SNB-Entscheid so klar vorgezeichnet: Von den 29 Ökonomen, die Reuters in seiner aktuellen Konsensumfrage vom 16. März befragte, rechnet fast keiner damit, dass Schlegeöl und seine Direktoriumsmitglieder schon am Donnerstag den Leitzins von null Prozent antasten.

Wer die Ruhe der Nationalbank verstehen will, muss auf den Warenkorb schauen. Daran ändern auch die hohen Energiepreise noch nichts. Thomas Stucki, Chefökonom der St. Galler Kantonalbank, verweist darauf, dass Erdölprodukte lediglich 2,1 Prozent des Schweizer Konsumentenpreisindex ausmachen. Der jüngste Energiepreisschock verpufft damit weitgehend, bevor er die Gesamtinflation merklich bewegt. Dominiert wird der Warenkorb stattdessen von Dienstleistungen, die mit einem Anteil von 62 Prozent lohngetrieben und träge reagieren. Die SNB, so Stuckis Fazit, könne deshalb «ruhig abwarten».

Ähnlich klingt es bei der Zürcher Kantonalbank, der Hypothekarbank Lenzburg und anderen Instituten: Bei einer Inflationsprognose von rund 0,3 Prozent für das laufende Jahr sieht keiner von ihnen einen Grund für geldpolitischen Aktionismus. Der Leitzins werde das gesamte Jahr 2026 bei null Prozent verbleiben, lautet der Tenor.

Zwischen Frankenaufwertung und Negativzinsen

Doch die Lage ist nicht so komfortabel, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Die Schwyzer Kantonalbank spricht von einem «ungünstigen Zeitpunkt» für die SNB. Das Dilemma: Sollte der Ölpreisschock die Europäische Zentralbank zu kräftigeren Zinssenkungen zwingen als bislang erwartet, würde der Zinsdifferenz-Vorteil des Frankens weiter wachsen – mit entsprechendem Aufwertungsdruck auf den Franken. Die SNB müsste dann reagieren, notfalls auch am Devisenmarkt. Dass zeitweise sogar wieder Negativzinsen in den Terminmärkten eingepreist wurden, zeigt, wie ernst einige Marktteilnehmer dieses Szenario nehmen. Negative Leitzinsen seien deshalb «noch nicht vom Tisch», heisst es aus Schwyz.

Mit der Einigkeit unter den Beobachtern ist es was den mittelfristigen Ausblick betrifft, dahin: Karsten Junius, Chefökonom bei J. Safra Sarasin, sieht gemäss Morningstar die SNB derweil in einer anderen Defensivposition: Die Nationalbank habe ihre Inflationsprognose für 2026 bereits auf 0,3 Prozent gesenkt und bereite sich damit auf eine «längere Phase niedriger Inflation» vor. Eine erste Zinserhöhung erwartet Junius frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027.

Wer etwas weiter in die Zukunft schaut, zeichnet ein anderes Bild. Die Luzerner Kantonalbank hält eine Zinserhöhung noch im Verlauf des Jahres 2026 für realistisch – sofern die Konjunktur anzieht und die Inflation in Richtung 0,8 Prozent klettert. Bis 2027 könnte der SNB-Leitzins dann auf 0,75 bis 1,0 Prozent steigen, schätzt LUKB-Ökonom Mandt.

Eine ähnliche Richtung schlägt UBS-Ökonom Thomas Rieder ein. Auch er sieht mittelfristig einen «Wiederanstieg der Leitzinsen in Richtung des neutralen Zinssatzes von 1,0 Prozent» als wahrscheinlich – auch wenn im März selbst kein Handlungsbedarf bestehe.

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