04.02.2026, 12:38 Uhr
Der Swisscanto Pensionskassen-Monitor zeigt: Die Vorsorgeeinrichtungen sind so gut finanziert wie seit Jahren nicht mehr. Öffentlich-rechtliche Kassen erreichen gar den besten Stand seit einem Vierteljahrhundert.
Die Schweizer Börse SIX geht in die Offensive. In einem Whitepaper wirbt der Börsenbetreiber für den heimischen Kotierungsstandort und nimmt dabei die vermeintlichen Vorteile einer US-Notierung ins Visier. Das Papier entstand in Zusammenarbeit mit der Zürcher Wirtschaftskanzlei Homburger.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Immer wieder zieht es Schweizer Technologieunternehmen bei ihren Börsengangüberlegungen über den Atlantik – in der Hoffnung auf höhere Bewertungen, besseren Zugang zu Investoren und grössere Liquidität. SIX will nun Fakten von Annahmen trennen.
Eines der Hauptargumente für einen amerikanischen Börsengang ist der Zugang zum weltgrössten Kapitalmarkt. Doch laut SIX braucht es dafür keine Kotierung in New York. Über ein Angebot nach Rule 144A könnten Schweizer Unternehmen qualifizierte institutionelle Käufer in den USA ansprechen – ohne die aufwendige Registrierung bei der Börsenaufsicht SEC.
Gleichzeitig verweist der Börsenbetreiber auf die Stärke des heimischen Marktes: Mit einem Kapitalpool von 207 Milliarden Dollar verfüge die Schweiz über einen der grössten Investorentöpfe Europas, nur übertroffen von Grossbritannien.
Auch dem Argument der überlegenen US-Liquidität widerspricht das Whitepaper. Zwar zeigten amerikanische Börsengänge generell höheres Handelsvolumen – gemessen an der Umsatzgeschwindigkeit in den ersten 90 Tagen nach dem IPO im Verhältnis zur Marktkapitalisierung. Dieser Vorteil gelte jedoch primär für einheimische US-Unternehmen.
Kleinere ausländische Firmen profitierten von diesem Liquiditätsschub kaum. Im Gegenteil: Europäische und Schweizer Märkte lieferten durchgängig engere Geld-Brief-Spannen als amerikanische Börsen – ein wesentlicher Indikator für die Handelseffizienz und damit für die tatsächlichen Transaktionskosten der Anleger.
Ein weiteres Versprechen der US-Märkte, die breitere Abdeckung durch Finanzanalysten, hält laut dem SIX-Papier einer genaueren Prüfung ebenfalls nicht stand. Auswertungen zeigten, dass kleinere ausländische Unternehmen in den USA nicht automatisch mehr Aufmerksamkeit erhielten. Ohne etablierte Markenbekanntheit oder eine bestehende US-Investorenbasis sei es schwierig, kontinuierliche Analysten-Coverage zu gewinnen.
Beim Blick auf die Kosten sieht sich die Schweiz klar im Vorteil. Die Emissionsgebühren – die sogenannten Underwriting Fees – liegen hierzulande zwischen 2 und 5 Prozent des Bruttoerlöses. In den USA müssen Unternehmen dagegen mit 4 bis 7 Prozent rechnen.
Hinzu kommt der regulatorische Rahmen: Die Schweiz verfolgt einen prinzipienbasierten Ansatz, der laut SIX zu geringeren Kosten für Rechtsberatung und Compliance führt. Der Weg an die öffentlichen Märkte sei dadurch vorhersehbarer, effizienter und emittentenfreundlicher. Auch die Ausführungs- und Haftungsrisiken für Unternehmen fielen geringer aus.
Das Whitepaper ist als Teil einer breiteren Offensive zu verstehen. Der Schweizer Börsenplatz steht seit Jahren unter Druck. Die Zahl der kotierten Unternehmen schrumpft, spektakuläre Neuemissionen sind seltener geworden. Gleichzeitig locken amerikanische Technologiebörsen wie Nasdaq mit dem Versprechen höherer Bewertungen und eines investorenfreundlicheren Umfelds.
SIX versucht nun, dieses Narrativ zu korrigieren – mit Zahlen und Fakten statt mit Hoffnungen und Annahmen. Ob die Argumente bei den nächsten Börsenkandidaten verfangen, wird sich zeigen.