Schwere Mängel in der Geldwäscherei-Bekämpfung bei Julius Bär

Die FINMA hat bei Julius Bär Fehlverhalten im Kontext der mutmasslichen Korruptionsfälle rund um den Ölkonzern PDVSA und den Fussballverband FIFA festgestellt.
Die FINMA hat bei Julius Bär Fehlverhalten im Kontext der mutmasslichen Korruptionsfälle rund um den Ölkonzern PDVSA und den Fussballverband FIFA festgestellt.

Bei Julius Bär ist es von 2009 bis Anfang 2018 zu schweren Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung gekommen, wie die FINMA abschliessend zum Enforcement-Verfahren gegen die Bank feststellt. Julius Bär hat nun die Risikokontrolle und Compliance ausgebaut.

20.02.2020, 16:25 Uhr

Redaktion: rem

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat festgestellt, dass es bei Julius Bär im Zeitraum von 2009 bis Anfang 2018 zu schweren Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung gekommen ist. Das Fehlverhalten steht im Kontext der mutmasslichen Korruptionsfälle rund um den Ölkonzern PDVSA und den Fussballverband FIFA. Dies ergab das nun abgeschlossene Enforcement-Verfahren der FINMA, dessen Resultat am Donnerstag bekanntgegeben wurde. Die Aufsicht weist die Bank an, "wirkungsvolle Massnahmen zur Durchsetzung der geldwäschereirechtlichen Pflichten zu ergreifen und bereits eingeleitete Massnahmen rasch umzusetzen". Zudem muss die Bank Prozesse bei der Rekrutierung und beim Management von Kundenberatern sowie in der Vergütungs- und Sanktionspolitik anpassen und im Verwaltungsrat den Fokus auf die Geldwäschereibekämpfung erhöhen. Bis zur Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustandes ist es der Bank ausserdem untersagt, grosse und komplexe Firmenakquisitionen durchzuführen. Die FINMA wird die Umsetzung der Massnahmen von einem unabhängigen Beauftragten überprüfen lassen.

Julius Bär anerkennt die Schlussfolgerungen der FINMA

Julius Bär hat die Mitteilung der FINMA zur Kenntnis genommen und anerkennt grundsätzlich die Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung, die bestimmte Bereiche des Lateinamerika-Geschäfts der Gruppe betreffen, nahm die Bank am Donnerstag Stellung. Die Bank habe mit der FINMA umfassend kooperiert, die Untersuchung unterstützt, und parallel intern und unter Beizug von unabhängigen Experten eine umfangreiche Untersuchung geführt. Identifizierte Mängel seien adressiert worden, wobei insbesondere das Kontrollsystem und Compliance-Prozesse verbessert und massiv verstärkt worden seien, sowohl in personeller Hinsicht, als auch im Rahmen der internen Regelwerke und Führungsprinzipien. Julius Bär nimmt ebenfalls zur Kenntnis, dass die FINMA dies ausdrücklich anerkennt und in ihre Beurteilung aufgenommen hat.

Risikokontrolle und Compliance ausgebaut

Die Gruppe hat unter der neuen Führung die Strategie angepasst. Künftig wird laut der Mitteilung vom Donnerstag damit der Fokus vom Neugeld-Wachstum auf nachhaltige Gewinnentwicklung verlagert. Julius Bär hat unter anderem laut eigenen Angaben folgende Veränderungen eingeführt:

  • Die Region Lateinamerika ist seit Dezember 2017 unter neuer Leitung, und sämtliche Schlüsselpositionen wurden neu besetzt. Die Strategie der Region wurde von Grund auf neu ausgerichtet. Dabei wurden unter anderem auch eine marktbezogene Fokussierung eingeführt und als Konsequenz etwa das lokale Geschäft in Panama und Venezuela geschlossen.
  • Das globale Risikomanagement der Gruppe wurde im Rahmen eines umfassenden Programms über die letzten zwei Jahre gezielt verstärkt, und Schlüssel- und Führungspositionen wurden neu besetzt. Zahlreiche der von der FINMA beanstandeten Schwachstellen wurden damit adressiert, und weitere Investitionen und Massnahmen werden mit hoher Priorität vorangetrieben.
    Bereits ausgebaut und verbessert wurden die Dokumentationsstandards für sämtliche Kundendaten und aktiven Kundenbeziehungen. Für dieses Projekt (“Atlas”), das wie geplant Ende 2019 zum Abschluss gebracht werden konnte, wurden sowohl die Front- als auch die Kontrolleinheiten umfangreich eingebunden, um den damit einhergehenden kulturellen Wandel in der Organisation nachhaltig zu verankern. Die Effektivität der Compliance ist durch substanzielle Investitionen in Mitarbeitende, wo der Bestand in den letzten Jahren um rund 40 Prozent angehoben wurde, sowie in Prozesse, Technologie und Datenanalyse massgeblich gesteigert worden. Weiter wurde und wird bedeutend in den Ausbau der Transaktionskontrolle und in die Geldwäschereibekämpfung investiert. Die Gruppe wird auch die Anreiz- und Vergütungssysteme entsprechend ihren Risikostandards anpassen.

Romeo Lacher, Verwaltungsratspräsident der Julius Bär Gruppe, sagte dazu: “Wir sind zutiefst überzeugt, dass die ergriffenen Massnahmen bereits zu nachhaltigen Verbesserungen geführt haben. Zusammen mit der Geschäftsleitung wird der Verwaltungsrat die Umsetzung der eingeleiteten und verfügten Massnahmen rasch und mit Entschiedenheit durchsetzen.”

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