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Schweizer Deep Tech ist Weltspitze: Was heisst das für institutionelle Anleger aus der Schweiz?

Schweizer Deep-Tech-Startups sind Weltklasse. Aber die Finanzierung des Wachstums kommt meist aus dem Ausland (Bild: Adobe Stock)
Schweizer Deep-Tech-Startups sind Weltklasse. Aber die Finanzierung des Wachstums kommt meist aus dem Ausland (Bild: Adobe Stock)

Der Swiss Deep Tech Report 2026 zeichnet ein widersprüchliches Bild: Die Schweiz führt global beim Anteil von Venture Capital in Deep Tech – doch bei den grossen Finanzierungsrunden fehlen einheimische Investoren weitgehend. Pensionskassen und Versicherungen könnten die entscheidende Lücke schliessen.

17.06.2026, 10:13 Uhr
Finanzplätze | Fintech | Konjunktur

Redaktion: asc

Die Zahlen sind eindrücklich. Die Schweiz lenkt 63 Prozent ihres gesamten Venture Capitals in Deep-Tech-Startups – mehr als jedes andere Land der Welt, vor China mit 56 Prozent und den USA mit 54 Prozent. Das Deep-Tech-Funding ist seit 2015 auf 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2025 gestiegen, ein Anstieg um das Fünffache. ETH Zürich und EPFL Lausanne produzieren mehr neue Deep-Tech-Spinouts als jede andere Universität in Europa.

Inländisches Kapital bricht bei grossen Runden ein

Und dennoch fehlt ein entscheidender Akteur: der einheimische institutionelle Investor. Der Swiss Deep Tech Report 2026, publiziert von Deep Tech Nation Switzerland zusammen mit Founderful, Kickfund, Startupticker.ch und Dealroom.co, legt eine strukturelle Schwachstelle des Schweizer Ökosystems bloss. Bei Frühphasenrunden bis 15 Millionen Dollar stellen Schweizer Investoren noch rund 36 Prozent des Kapitals. Doch bei späten Finanzierungsrunden ab 100 Millionen Dollar bricht dieser Anteil auf lediglich 12 Prozent ein. Den Rest – 88 Prozent – liefern ausländische Investoren, allen voran US-amerikanische Fonds, die allein mehr als die Hälfte des Late-Stage-Kapitals beisteuern.

Das bedeutet im Klartext: Die Wertschöpfung, die aus Schweizer Forschungsinstitutionen entsteht, fliesst zu einem grossen Teil ins Ausland ab.

Eine Lücke, die Pensionskassen füllen könnten

Dabei verfügen Schweizer institutionelle Anleger über die nötige Kapitalbasis. Die berufliche Vorsorge verwaltete Ende 2024 rund 1'100 Milliarden Franken, die Schweizer Versicherungswirtschaft weitere Hunderte von Milliarden. Selbst eine minimale Allokation in alternative Anlagen mit Fokus auf inländische Deep-Tech-Fonds würde den Unterschied machen.

«Wir haben eine der am stärksten auf Deep Tech ausgerichteten Volkswirtschaften der Welt aufgebaut – ohne einen einzigen Franken öffentliches Venture Capital», sagt Wanja Humanes, Partner bei Kickfund, einem der Autoren des Reports. «Die weltbesten Investoren kommen heute auf eigene Initiative in die Schweiz.» Der implizite Befund: Die Schweizer Institutionellen fehlen bei diesem Zug weitgehend.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind dabei nicht das primäre Hindernis. Die BVV-2-Verordnung lässt Pensionskassen Allokationen in alternative Anlagen zu, sofern diese als Anlage im Gesamtportfolio-Kontext verantwortet werden können. Einzelne grosse Kassen wie die Publica oder kantonale Einrichtungen haben bereits diskret Positionen in Private-Equity- und Venture-Fonds aufgebaut. Doch im Vergleich zu angelsächsischen Pensionsfonds – oder zu israelischen und amerikanischen Institutionellen, die laut Report auf vergleichbarem Per-capita-Niveau aktiv sind – bleibt das Engagement überschaubar.

Das Fenster für Schweizer Institutionelle ist jetzt offen

Was der Report als «grösste Chance» beschreibt, ist präzise: internationale Fonds wie Sequoia, General Catalyst oder Creandum sind bereits in der Schweiz präsent und finanzieren die Late-Stage-Runden. Für Schweizer Pensionskassen und Versicherungen ergeben sich zwei Wege. Erstens die indirekte Beteiligung via etablierte Deep-Tech-Fonds, die Schweizer Startups begleiten – mit entsprechendem Diversifikationseffekt. Zweitens die Direktbeteiligung oder Co-Investment bei grossen Runden, wie sie in 2025 und 2026 bei Unternehmen wie Distalmotion (150 Millionen Dollar Series G), Climeworks oder Kandou zu beobachten waren.

Der Report nennt noch ein weiteres Argument: Von den 72 Unternehmen auf der Watchlist des Vorjahresreports schloss jedes dritte innerhalb von zwölf Monaten eine Finanzierungsrunde ab, mehr als die Hälfte wuchs das Team um über 30 Prozent. Die Pipeline ist real und messbar.

Deep Tech als Asset-Klasse für die Langfristanlage?

Gerade für Vorsorgeeinrichtungen mit langem Anlagehorizont bietet Deep Tech strukturelle Vorteile. Während Risikokapital traditionell auf kurze Fondszyklen ausgelegt ist, passen die mehrjährigen Entwicklungszyklen von Robotik-, Biotech- oder Halbleiterunternehmen besser zu den Verbindlichkeitsprofilen von Pensionskassen als zu denen klassischer VC-Fonds. Der Aufbau von Expertise in diesem Bereich ist allerdings voraussetzungsreich – und erklärt, warum viele Kassen bislang zurückhaltend blieben.

Deep Tech Nation Switzerland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2033 50 Milliarden Franken Venture Capital für das Schweizer Ökosystem zu mobilisieren und 100'000 Arbeitsplätze zu schaffen. Ohne eine substanzielle Beteiligung der einheimischen institutionellen Anleger wird dieses Ziel schwer zu erreichen sein – und die Wertschöpfung aus Zürich, Basel und Lausanne wird weiterhin primär amerikanischen und europäischen Fonds zugutekommen.

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