Schweiz verkraftet Staatsschulden problemlos

Die Corona-Krise verursacht ein massives Deifzit im Haushalt der Schweiz.
Die Corona-Krise verursacht ein massives Deifzit im Haushalt der Schweiz.

Die Ökonomen der Credit Suisse haben ihre Prognose für die Schweizer Konjunktur im laufenden Jahr leicht nach unten revidiert. Die Erholung werde insgesamt schleppend verlaufen und das BIP-Niveau von Ende 2019 erst Ende 2021 wieder erreicht.

16.06.2020, 05:00 Uhr

Redaktion: rem

Die solide Entwicklung der Pharmaexporte, die Wirksamkeit der staatlichen Massnahmen sowie die wieder positiveren Signale der Wirtschaftsindikatoren stimmen die Credit Suisse (CS) verhalten zuversichtlich. Entsprechend bleiben die Ökonomen der CS bei ihrer vergleichsweise optimistischen Prognose in diesem Jahr. Sie gehen von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von "nur" 4% aus (Prognose 17.4.2020: -3.5 %). Für das kommende Jahr stellen sie aber unverändert ein Wachstum von 3,5% in Aussicht. Das BIP-Niveau von Ende 2019 werde erst Ende 2021 wieder erreicht.

Konjunkturprofil, das einem "schiefen V" ähnelt

Mit ihren Prognosen heben sich die Ökonomen der CS von jenen anderer Kollegen ab. So erwarten beispielsweise die Experten der UBS für 2020 ein BIP-Rückgang von 5,5% und die OECD rechnet gar mit -7,7%. Aber auch die Experten der CS gehen davon aus, dass die Erholung insgesamt schleppend verlaufen wird, mit einem Konjunkturprofil, das einem "schiefen V" ähnelt. Ihre Begründung: Erstens dürfte die globale Nachfrage nach Investitionsgütern und Uhren bis auf Weiteres verhalten bleiben. Dies allein schon deshalb, weil die Transportkapazitäten und die interkontinentale Mobilität noch länger eingeschränkt bleiben dürften. Zweitens sei das Angebot im Detailhandel physisch eingeschränkt, weil die Schutzmassnahmen und Sicherheitsvorkehrungen Platz benötigen. Drittens erhole sich der Arbeitsmarkt weniger rasch als er einbreche, was mit einer gewissen Konsumzurückhaltung einhergehe. Und viertens verlangsame sich die Zuwanderung in die Schweiz als Folge der geschlossenen Grenzen und weniger Neueinstellungen.

Der Einkommensverlust der Haushalte werde aufgrund von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit nicht vollständig durch staatliche Zahlungen kompensiert. Deshalb dürften die Haushaltseinkommen 2020 um knapp 5% fallen. Die Ökonomen der CS schätzen, dass die Haushalte während des Lockdown 20% weniger ausgegeben haben, sodass netto dennoch zusätzliche Mittel angespart werden. Konkret schätzen sie, dass die Haushalte zwei Drittel der akkumulierten Mittel, also rund 5,5 Mrd. Franken, wieder in den Umlauf bringen werden. Damit würde rund die Hälfte des Konsumeinbruchs wieder wettgemacht. Derweil sollte der staatliche Konsum deutlich zunehmen und damit einen Beitrag zur Stabilisierung der Konjunktur leisten.

Massives Defizit im Haushalt des Bundes

Gemäss den CS-Ökonomen kann die Schweiz den markanten Anstieg der Staatsschulden zudem problemlos verkraften. Zwar würden die bisher gesprochenen Massnahmen ein massives Defizit im Haushalt des Bundes verursachen. Indes sei die erwartete Neuverschuldung wegen der hohen Barbestände des Bundes wesentlich geringer als das Defizit.

Unter der Annahme, dass der Schuldenstand der Kantone und Gemeinden unverändert bleibt, würde sich die Schuldenquote von 26,7% im Jahr 2019 auf 34,1% im Jahr 2020 erhöhen. Damit würde die Schweiz auch nach der Corona-Krise die Maastricht-Kriterien der Eurozone ohne Weiteres erfüllen. Angesichts dieser Umstände sei es ratsam, den pandemiebedingten einmaligen Anstieg der Staatsschulden zu akzeptieren und keinen raschen, potenziell wachstumshemmenden Schuldenabbau zu erzwingen, raten die Ökonomen der Credit Suisse. Konkret gehen sie in einer Simulation davon aus, dass die Schuldenquote des Bundes bereits innert 17 Jahren wieder auf ihr Niveau von 2019 fallen könnte.

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