Schweiz führt globalen Zurich-Index zur Versorgung chronischer Krankheiten an

Die Schweiz belegt im neuen «Value of Chronic Care»-Bericht von Zurich Insurance Group den ersten Platz unter 38 OECD-Ländern. Die Studie zeigt: Eine alternde Bevölkerung muss nicht zwangsläufig zu schlechteren Gesundheitsergebnissen führen – vorausgesetzt, das System liefert konsequente, koordinierte Versorgung über Jahrzehnte hinweg.

07.07.2026, 10:24 Uhr
Asset Management | Versicherungen

Redaktion: asc

Die Zurich Insurance Group hat mit «The Value of Chronic Care» den zweiten Bericht ihrer Reihe «The Value of Health & Wellbeing» veröffentlicht. Die Studie analysiert mehr als 200 chronische Krankheiten in allen 38 OECD-Ländern über den Zeitraum 2014 bis 2023 und kombiniert zwei Dimensionen zu einem sogenannten Chronic Care Index: die Krankheitslast einer Bevölkerung sowie die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesundheitssystems.

Mit einem Gesamtscore von 80 von 100 möglichen Punkten führt die Schweiz das Ranking an, vor den Niederlanden (78) und Luxemburg (74). Am unteren Ende der Skala liegen Lettland (16), Litauen (19) und Griechenland (24).

Alterskorrektur bestätigt Schweizer Stärke

Besonders bemerkenswert: Die Schweizer Position verbessert sich sogar noch, wenn man die Daten alterskorrigiert betrachtet. Bei der Krankheitslast (Chronic disease burden) klettert die Schweiz vom 10. auf den 3. Rang, sobald der demografische Effekt einer älteren Bevölkerung herausgerechnet wird. Der Bericht wertet dies als Indiz dafür, dass die guten Ergebnisse nicht primär auf einer günstigen Altersstruktur beruhen, sondern auf einem Gesundheitssystem, das Risikofaktoren über die Zeit wirksam managt.

Bei der reinen Gesundheitssystem-Leistung (Health system performance) erreicht die Schweiz Rang 3 mit einem Score von 58 Punkten – hinter den Niederlanden (62) und Japan (58, gleichauf). Auffällig ist dabei das Profil: Bei der Kapazität (Ressourcen, Effizienz) liegt die Schweiz mit Rang 20 nur im Mittelfeld, bei der Effizienz sogar auf dem drittletzten Platz (Rang 38). Kompensiert wird dies durch eine herausragende Qualität der Versorgung, wo die Schweiz den zweiten Platz belegt.

Koordination und Vertrauen als Erfolgsfaktoren

Gemäss Bericht führt die Schweiz gleich in mehreren patientenbezogenen Indikatoren die Rangliste an: bei der Versorgungskoordination, bei der patientenzentrierten Betreuung, bei der Qualität der Grundversorgung sowie beim Vertrauen der Patientinnen und Patienten ins Gesundheitssystem. Auch beim Vertrauen der Bevölkerung in die eigene Fähigkeit, ihre Gesundheit selbst zu managen, gehört die Schweiz zu den Spitzenreitern.

Der Bericht führt dies auf ein System zurück, das trotz nur mittlerer Kapazität eine konsistente, koordinierte Versorgung über lange Zeiträume sicherstellt – ein entscheidender Faktor bei chronischen Erkrankungen, deren Behandlung sich oft über Jahrzehnte erstreckt.

Verschiebung im Risikoprofil

Die Studie dokumentiert für die Schweiz eine Verschiebung im Risikoprofil über das vergangene Jahrzehnt. Mehrere verhaltensbezogene Risikofaktoren sind rückläufig: Der Tabakkonsum trug 2023 um 431 DALY (verlorene gesunde Lebensjahre) pro 100'000 Einwohner weniger zur Krankheitslast bei als 2013, bei ungesunder Ernährung waren es minus 206 DALY, beim Alkoholkonsum minus 191 DALY. Auch der hohe Blutdruck ist rückläufig (minus 146 DALY).

Demgegenüber nehmen metabolische Risikofaktoren zu: Ein hoher Body-Mass-Index steuert heute 57 DALY mehr bei als vor zehn Jahren, ein erhöhter Nüchternblutzucker 38 DALY mehr, Nierenfunktionsstörungen ebenfalls 57 DALY mehr. Der Bericht wertet dies als Hinweis darauf, dass mit rückläufigen Verhaltensrisiken die Bedeutung einer langfristigen Kontrolle metabolischer Risiken zunimmt – ein Bereich, in dem die Schweiz laut Studie dank kontinuierlicher Überwachung, Behandlungstreue und Koordination zwischen mehreren Leistungserbringern gut positioniert ist.

Bei der Mortalität (Rang 9 unter den OECD-Ländern) dominieren in der Schweiz Neubildungen mit einem Anteil von 41 Prozent, gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 29 Prozent und neurologischen Erkrankungen mit 12 Prozent. Bei der Morbidität (Rang 13) führen psychische Erkrankungen mit 26 Prozent vor muskuloskelettalen Erkrankungen mit 22 Prozent und neurologischen Erkrankungen mit 10 Prozent.

Empfehlung: Prävention statt reiner Behandlung

Zurich leitet aus den Ergebnissen eine übergreifende Handlungsempfehlung ab: Der Schwerpunkt müsse sich von der reinen Behandlung hin zur Prävention verschieben, verbunden mit einer stärkeren Integration der Versorgungspfade und einer geteilten Verantwortung zwischen Gesundheitssystemen, Arbeitgebern und Versicherern. Alison Martin, CEO Life, Health and Bank Distribution bei Zurich, betont, dass Gesundheitssysteme sich weiterentwickeln müssten, um Menschen gesund, leistungsfähig und finanziell widerstandsfähig zu halten.

Für die Schweiz als Standort mit dem best bewerteten System zeigt der Bericht gleichzeitig, wo die Herausforderungen der Zukunft liegen dürften: bei der Bewältigung steigender metabolischer Risiken sowie bei der Frage, wie sich die im internationalen Vergleich schwächere Effizienz und Kapazität langfristig auf die hohe Versorgungsqualität auswirken wird.

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