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Scharf beobachteter Frankenkurs: Wann steigt der Druck auf die SNB?

Der Franken zeigt weiterhin Stärke gegenüber dem Euro (Bild: Adobe Stock)
Der Franken zeigt weiterhin Stärke gegenüber dem Euro (Bild: Adobe Stock)

Der jüngste Rutsch des Dollars unter 0,77 Franken und das neue Rekordtief des Euro bei gut 0,91 Franken verstärken den Druck auf die SNB. Doch wo liegt die Schmerzgrenze?

10.02.2026, 09:38 Uhr
Banken | Finanzplätze | Konjunktur | Notenbanken

Redaktion: asc / AWP

Der starke Franken bleibt ein zentrales Thema in der Schweizer Wirtschaft. Schweizer Unternehmen erwarten laut einer Studie der UBS eine leichte Aufwertung des Frankens zum Euro.

Tatsächlich ist die Aufwertung des Schweizer Frankens wieder voll im Gang: Am Montag fiel der US‑Dollar zeitweise bis auf 0,7657 Franken und näherte sich damit dem Mehrjahrestief von 0,7605 Franken, das Ende Januar markiert worden war. Am Dienstagmorgen notiert der Dollar nur unwesentlich höher bei rund 0,7672 Franken.

Parallel dazu erreichte auch das Währungspaar Euro/Franken in der Nacht auf Dienstag mit 0,9124 ein neues Rekordtief, bevor es sich um 0,9133 stabilisierte. Der Euro zeigt damit gegenüber dem Franken eine historische Schwächephase, während sich der Euro zum Dollar bei etwa 1,1905 bewegt und damit nahe dem höchsten Stand seit Ende Januar verharrt.

Dollar-Schwäche und globale Faktoren

Die jüngste Bewegung ist also nicht nur ein Franken‑, sondern auch ein ausgeprägtes Dollar‑Thema. Marktbeobachter betonen, dass anhaltend schwache US‑Konjunkturdaten den Abwärtsdruck auf den Greenback weiter erhöhen könnten, insbesondere wenn sich die Signale einer Abschwächung am Arbeitsmarkt verdichten.

Zwar dürfte die US‑Inflation vorerst über dem Zielwert der Federal Reserve bleiben, doch die Kombination aus nachlassender Wachstumsdynamik und Erwartung weiterer Zinssenkungen belastet die US‑Währung. In diesem Umfeld verstärkt sich der Rückgriff der Anleger auf klassische «Safe‑Haven‑Währungen» wie den Franken, der in den letzten zwölf Monaten gegenüber dem Dollar zweistellig aufgewertet hat.

SNB im Fokus: Instrumente und Grenzen

Mit jeder neuen Tiefmarke von USD/CHF und EUR/CHF rückt die SNB stärker in den Fokus der Marktteilnehmer. Laut einem Kommentar der Valiant gelten Devisenmarktinterventionen weiterhin als erste Handlungsoption, falls der Franken «zu stark» wird und den geldpolitischen Rahmen zu sehr einschnürt. Gleichzeitig sind der SNB hier Grenzen gesetzt: Das US‑Finanzministerium führt die Schweiz auf einer Beobachtungsliste möglicher Währungsmanipulatoren und kritisiert seit Jahren umfangreiche Interventionen, weshalb die Nationalbank Devisenkäufe nur noch sehr zurückhaltend und meist diskret einsetzt. Experten sehen deshalb die Einführung erneuter Negativzinsen weiterhin als wenig wahrscheinlich an, weil die SNB den Leitzins bei 0 Prozent belassen und ihre geldpolitische Glaubwürdigkeit sowie die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems nicht erneut mit stark negativen Sätzen belasten will.

Doppelter Druck: Wechselkurs vs. Preisstabilität

Die aktuelle Konstellation verschärft also den klassischen Zielkonflikt der SNB. Einerseits droht ein sehr starker Franken die Exportwirtschaft und den Tourismus weiter zu belasten, was sich in wachsender Sorge von Verbänden und Unternehmen widerspiegelt. Andererseits liegt die mittelfristige Inflationsprognose der SNB nahe der Untergrenze ihres Zielbands, sodass zusätzliche Lockerungen – etwa durch aggressive Interventionen oder ein erneutes Öffnen der Negativzins‑Schublade – das Risiko von Deflation verstärken könnten. Beobachter rechnen damit, dass die SNB an ihrem derzeitigen Kurs festhält, solange der Euro-Franken-Kurs nur knapp unter 0,92 pendelt und die konjunkturellen Rückwirkungen beherrschbar bleiben. Kritische Marken wie ein nachhaltiger Fall des Euro unter 0,90 Franken oder eine deutliche Eintrübung der Exportindikatoren würden den Interventionsdruck jedoch spürbar erhöhen. Gleichzeitig bleibt der Blick der Investoren auf US‑Daten gerichtet: Jede weitere Enttäuschung bei Wachstum oder Arbeitsmarkt könnte den Dollar erneut schwächen und die Attraktivität des Frankens als sicherer Hafen weiter steigern.

UBS rechnet mit stärkerem Euro

Die jüngsten Prognosen der UBS selbst gehen von einem leicht stärkeren Eurokurs von 95 Rappen aus. Die Bank begründet dies mit der Erwartung, dass sich die deutsche Wirtschaft 2026 beschleunigt und dem Euro Rückenwind verleiht. Bleibt die Erholung aber aus und materialisieren sich die zahlreichen bestehenden wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken, dürfte der Franken in den Augen der Ökonomen auch 2026 weiter aufwerten. In diesem Fall sehen die Experten den Eurokurs bei 90 Rappen.

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