08.01.2026, 10:45 Uhr
Die Inflation in der Schweiz ist im Gesamtjahr 2025 auf den tiefsten Stand seit 2020 gefallen. Im Jahresdurchschnitt blieb sie knapp im positiven Bereich, einzig im Mai war sie kurz in den deflationären Bereich...
Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am vergangenen Wochenende hat nicht nur geopolitische Schockwellen ausgelöst, sondern auch ein Schlaglicht auf eine boomende Branche geworfen: Prognosemärkte. Auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi hatten Händler auf genau dieses Szenario gewettet – einige offenbar mit bemerkenswertem Timing.
Wie das Wall Street Journal berichtet, stieg die Wahrscheinlichkeit für einen Machtwechsel in Venezuela auf Polymarket bereits am Freitagabend deutlich an – Stunden bevor die US-Regierung die Operation öffentlich bestätigte. Ein anonymer Nutzer, dessen Account erst im Dezember eröffnet worden war, investierte rund 34'000 US-Dollar in vier Positionen auf den Sturz Maduros. Bis Samstagmorgen hatte sich der Einsatz auf etwa 440'000 Dollar vervielfacht – eine Rendite von über 1300 Prozent. Ein weiterer Händler setzte gemäss dem Guardian fast 400'000 Dollar auf die Festnahme Maduros. Die grössten Wetten wurden kurz vor Donald Trumps öffentlicher Ankündigung der Militäroperation platziert. Wer hinter den Accounts steckt, ist bislang unklar.
Doch nicht alle Wetten werden honoriert. Wie der Guardian berichtet, hat Polymarket erklärt, dass die Festnahme Maduros nicht als «Invasion» im Sinne der Wettbedingungen qualifiziere. Die Plattform argumentiert, dass sich die Wette auf «US-Militäroperationen zur Errichtung von Kontrolle» beziehe. Eine «Snatch-and-Extract-Mission» erfülle dieses Kriterium nicht.
Händler, die insgesamt über 10,5 Millionen Dollar auf eine Invasion gesetzt hatten, reagierten laut dem Guardian empört. «Polymarket ist in reine Willkür abgeglitten», schrieb ein Nutzer namens Skinner auf der Plattform. «Dass ein militärischer Einmarsch, die Entführung eines Staatschefs und die Übernahme eines Landes nicht als Invasion klassifiziert werden, ist schlicht absurd.»
Die Kontroverse fällt in eine Zeit, in der Prognosemärkte den Sprung in den Mainstream wagen. Wie das Deutsche Handelsblatt berichtet, hat Polymarket eine Partnerschaft mit Dow Jones geschlossen. Die Plattform wird künftig Prognosedaten an das Wall Street Journal, Barron's und Investor's Business Daily liefern. Es ist die erste Medienpartnerschaft dieser Art für das New Yorker Unternehmen seit seiner Rückkehr auf den US-Markt nach einer Einigung mit der Börsenaufsicht CFTC im Jahr 2022.
Auch die Konkurrenzplattform Kalshi hat bereits Datenverträge mit CNBC und CNN abgeschlossen. Grosse Finanzunternehmen wie die CME Group, Intercontinental Exchange und Cboe Global Markets haben Milliarden in den Sektor investiert. Die Bewertungen von Kalshi und Polymarket stiegen 2025 auf jeweils über 10 Milliarden Dollar.
Kritiker warnen jedoch vor den Risiken. Die Liquidität auf Prognosemärkten ist oft gering, was bedeutet, dass einzelne Händler Preise beeinflussen können, die eigentlich Gruppenverhalten widerspiegeln sollen. Besonders problematisch wird dies, wenn Händler frühzeitig über Informationen verfügen.
Die Aufsicht sei weiterhin unzureichend, heisst es im Handelsblatt. Es gebe kaum Systeme, um Betrüger zu identifizieren. Diese Besorgnis verstärke sich, wenn anonyme Händler auf Ereignisse wetten, die sie möglicherweise beeinflussen könnten.
Weitere geopolitische Wetten ziehen an
Die Ereignisse in Venezuela haben derweil weitere geopolitische Wetten beflügelt. Auf Polymarket schnellten die Chancen, dass Trump Grönland bis Jahresende «erwirbt», von 6 auf 11 Prozent in die Höhe. Die Wetten auf einen Sturz des iranischen Führers Ali Khamenei bis zum Sommer kletterten von 19 auf 35 Prozent.
Donald Trump Jr., der älteste Sohn des Präsidenten, hat Beraterposten sowohl bei Polymarket als auch bei Kalshi übernommen – ein Detail, das angesichts der jüngsten Ereignisse zusätzliche Fragen aufwirft.