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Pensionskassen: Frankenstärke verteuert die Währungsabsicherung 2026

Starke Franken zwingt institutionelle Anleger zu teuren Fremdwährungs-Absicherungen (Bild: Adobe Stock)
Starke Franken zwingt institutionelle Anleger zu teuren Fremdwährungs-Absicherungen (Bild: Adobe Stock)

Der starke Franken zwingt die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen zu kostspieligen Währungsabsicherungen. Gleichzeitig stehen die Kassen so solide da wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr – ein Spannungsfeld, das die Anlagestrategien neu ordnet

08.06.2026, 07:22 Uhr

Redaktion: asc

Der Schweizer Franken ist der sichere Hafen schlechthin. Genau diese Stärke wird für die hiesigen Pensionskassen jedoch zunehmend zur Last. Weil ihre Verpflichtungen auf Franken lauten, ein erheblicher Teil ihrer Anlagen aber in US-Dollar und Euro investiert ist, müssen die Einrichtungen Wechselkursrisiken absichern – und das ist im aktuellen Zinsumfeld teuer geworden.

Der Grund liegt in der Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und dem Ausland. Wer Dollar-Anlagen absichert, verzichtet faktisch auf die höhere ausländische Verzinsung. Ein Rechenbeispiel: Die Zinsdifferenz am kurzen Ende lag Ende 2025 bei rund 3,8 Prozent. Daraus ergibt sich eine klare Schwelle. Wertet der Dollar gegenüber dem Franken über das Jahr um mehr als 3,8 Prozent ab, lohnt sich die Absicherung. Wertet er weniger ab oder gar auf, resultiert ein Verlust.

Null-Zins in der Schweiz hält die Kosten hoch

Eine baldige Entspannung ist nicht in Sicht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält ihren Leitzins bei 0,00 Prozent, der SARON notiert – wie schon seit der Rückkehr zum Nullzins im Juni 2025 – mit –0,04 Prozent ein paar Basispunkte darunter (Stand 5. Juni 2026). Dabei handelt es sich nicht um einen Negativzins der SNB, sondern um die technische Folge eines besicherten Tagesgeldsatzes knapp unter dem Nullzins-Leitzins. Solange die US-Sätze deutlich höher liegen, bleibt die Zinsdifferenz – und damit der Preis der Absicherung – hoch. Die SNB hat zudem mehrfach signalisiert, bei Bedarf nicht vor einer Rückkehr zu Negativzinsen zurückzuschrecken.

Der Aufwertungsdruck dürfte anhalten. Am 5. Juni 2026 notierte der US-Dollar bei 0,7881 Franken, der Euro bei 0,9171 Franken. In der jüngsten Devisenumfrage der UBS erwarten die befragten Schweizer Unternehmen den Euro-Franken-Kurs per Ende 2026 bei 0,91 und den Dollar-Franken-Kurs bei 0,78 – mithin eine weitere Frankenaufwertung gegenüber dem Euro. Im Negativszenario sehen die UBS-Ökonomen den Euro bei 0,90 Franken.

Absicherung bleibt das Mittel der Wahl

Trotz der Kosten halten institutionelle Investoren an der Absicherung fest, weil sie die Volatilität in der Frankenbilanz dämpft. Im Durchschnitt bleiben laut Branchendaten rund 17 Prozent der Gesamtaktiven in offener Fremdwährung; Fremdwährungsobligationen werden meist vollständig abgesichert, Aktien je nach Risikotoleranz nur teilweise.

Die Migros-Pensionskasse mit einem Vermögen von rund 29 Milliarden Franken sichert bei Obligationen und Immobilien 90 bis 100 Prozent der Fremdwährung ab, bei Aktien rund 50 Prozent. Eine Besonderheit ist Gold: Es wird technisch als Fremdwährungsrisiko klassiert, aber bewusst nicht abgesichert. Publica, die grösste Schweizer Vorsorgeeinrichtung, hat US-Aktien untergewichtet und überprüft ihre Gesamtstrategie, verzichtet dabei aber auf taktisches Währungs-Positioning. Die Pensionskasse Basel-Stadt wiederum setzt auf Schweizer Aktien und Immobilien als Stabilisatoren, meidet Fremdwährungsobligationen ganz und hält rund 3 Prozent Gold.

Vertrauensfrage rund um den Dollar

Neben den reinen Kosten treibt eine strategische Neubeurteilung der Dollar-Anlagen die Entwicklung. Laut der Beratungsfirma Complementa hat sich ein «gewisser Vertrauensverlust» in die USA als Emittent von Staatsanleihen breitgemacht – getrieben von den hohen Absicherungskosten und der steigenden US-Staatsverschuldung. Schweizer Kassen haben bereits begonnen, Fremdwährungs-Staatsanleihen und insbesondere US-Treasuries zu reduzieren oder ganz abzustossen; teilweise trifft dies auch Euro-Staatsanleihen. Gold gewinnt im Gegenzug als Absicherungsinstrument an Bedeutung.

Bei alledem präsentieren sich die Kassen finanziell so robust wie lange nicht. Laut Swisscanto erreichten die Deckungsgrade der vollständig und teilweise kapitalisierten öffentlich-rechtlichen Kassen im Januar 115,7 beziehungsweise 92,4 Prozent – der höchste Stand seit 25 Jahren. Privatrechtliche Kassen lagen kapitalgewichtet bei 120,9 Prozent und damit so hoch wie seit 2022 nicht mehr. Haupttreiber war die starke Performance der Rohstoffe; die kumulierte Netto-Rendite der Kassen für 2025 wurde auf 5,5 Prozent nach oben revidiert.

Damit zeigt sich das Paradox in voller Schärfe: Frankenstärke und Null-Zins-Umfeld machen die Absicherung teuer und schmälern die Fremdwährungsrenditen – und doch stützen ausgerechnet Gold und Schweizer Realwerte die Bilanzen auf ein Rekordniveau. Die Kunst der Anleger besteht 2026 darin, diese Stärke zu halten, ohne sich die Renditechancen im Ausland durch zu teure Absicherung wegzusichern.

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