07.07.2026, 10:24 Uhr
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China öffnet den Zugang zu Hongkonger Anleihen deutlich und macht die Stadt zum globalen Gold-Drehkreuz. Der Schritt findet weltweit Beachtung, insbesondere aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen. Doch was steckt dahinter? Und was bedeutet der Schritt für Schweizer Anleger?
Die chinesische Zentralbank hat am Dienstag ein ganzes Massnahmenpaket vorgestellt, das Hongkongs Stellung als grösster Offshore-Handelsplatz für Renminbi festigen soll. PBOC-Gouverneur Pan Gongsheng kündigte am Hong Kong FIC & Bond Connect Summit an, dass mehrere Programme deutlich ausgebaut werden – mit direkten Auswirkungen auf Anleihe- und Goldmärkte, aber auch auf die geopolitische Positionierung des Renminbi als Alternative zum US-Dollar. Dies schreiben mehrere Medien sowie die Nachrichtenagentur Reuters.
Das «Southbound»-Programm des Bond-Connect-Schemas, über das chinesische Festlandinvestoren Anleihen in Hongkong erwerben können, erhält demnach ein deutlich höheres jährliches Kontingent: Es steigt von 500 Milliarden auf 800 Milliarden Renminbi, umgerechnet rund 117 Millionen US-Dollar. Neu können darüber auch auf US-Dollar lautende Anleihen sowie Papiere aus Macau erworben werden.
Hintergrund ist laut Medienberichten der anhaltende Renditedruck im chinesischen Onshore-Markt: Zehnjährige Staatsanleihen rentieren dort nur noch bei 1,7 Prozent. Institutionelle Investoren auf dem Festland suchen deshalb verstärkt nach höher rentierenden Alternativen ausserhalb Chinas – ein Trend, der auch Schweizer Vermögensverwaltungshäuser mit Renminbi-Exposure oder Offshore-China-Mandaten beobachten dürften, da mehr Liquidität und potenziell engere Spreads im Offshore-Markt zu erwarten sind.
Zusätzlich verdoppelt sich die sogenannte RMB Business Facility auf 500 Milliarden Renminbi, umgerechnet rund 74 Millionen US-Dollar. Über diese Fazilität erhalten Hongkonger Banken über die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) leichteren Zugang zu Renminbi-Liquidität.
Parallel dazu hat Hongkong ein zentrales Clearing-System für Gold in den Testbetrieb überführt, entwickelt gemeinsam mit der Shanghai Gold Exchange. Ergänzend startete ein «Delivery Connect»-Mechanismus für die grenzüberschreitende Abwicklung von physischem Gold. Auf Renminbi lautende Gold-Futures befinden sich in Prüfung.
Der Hongkonger Regierungschef John Lee sprach von der Ambition, die Stadt zum «sicheren Hafen» für Gold zu machen, und kündigte Steueranreize für Goldhandel und -abwicklung an. Hongkong tritt damit offenbar direkter in Konkurrenz zu Singapur um die Rolle als asiatisches Gold-Drehkreuz.
Für die Schweiz ist das nicht nebensächlich: Das Land ist mit ihren Raffinerien einer der weltweit grössten Standorte für Goldraffination und -handel. Verschiebt sich ein wachsender Teil der physischen Gold-Clearing- und Handelsvolumen nach Asien, dürfte dies mittelfristig Handelsströme und Logistikketten beeinflussen, an denen Schweizer Akteure stark beteiligt sind. Gleichzeitig bietet ein liquiderer, transparenterer asiatischer Goldmarkt auch neue Möglichkeiten für Schweizer Handelshäuser und Banken mit Präsenz in Asien.
Pan bestätigte zudem, dass die chinesische Zentralbank einen wachsenden Anteil ihrer nationalen Devisenreserven nach Hongkong alloziert – ein Trend, der sich laut Pan fortsetzen soll. Die Massnahmen sind Teil einer breiteren Strategie Pekings, die internationale Nutzung des Renminbi auszubauen, weg von reiner Handelsabwicklung hin zu Investitionen, Finanzierung und Reservenhaltung.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und wachsender Zweifel am Status des US-Dollars als unangefochtene Reservewährung positioniert sich China aktiv, um Renminbi-Anlagen als Diversifikationsoption für internationale Investoren attraktiver zu machen. Für Schweizer institutionelle Investoren, die ohnehin unter dem Druck stehen, Diversifikation aus dem klassischen US-Dollar-Euro-Franken-Dreieck zu suchen, dürfte diese Entwicklung ein Thema werden, das in den kommenden Quartalen an Bedeutung gewinnt.
Marktstimmen sehen die Entwicklung positiv: Xixi Sun, Leiterin des China-Bond-Syndikats bei Citi, bezeichnete das Massnahmenpaket gegenüber der «Financial Times» als insgesamt positive Nachricht für den Anleihemarkt, da es sowohl die Primäremission als auch den Sekundärmarkt für Offshore-Renminbi-Anleihen stützen dürfte. Jane Cai, stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin Fixed Income bei China Asset Management (Hong Kong), verwies laut Bloomberg auf die Kombination aus Offshore-Liquiditätspool, internationaler Investorenbasis, ausgereiftem Regulierungssystem und breiter Produktpalette als Hongkongs zentralen Standortvorteil. Sie warnte allerdings auch, dass es Zeit brauche, bis Renminbi-Produkte bei Liquidität, Absicherungsinstrumenten und Preistransparenz international mithalten können.
PBOC-Gouverneur Pan Gongsheng selbst betonte gegenüber Reuters, chinesische Anleihen böten dank relativer Stabilität und tiefer Volatilität deutliche Diversifikationsvorteile und würden weiterhin internationale Investoren anziehen, die eine Anlagestreuung suchten. Reuters berichtete zudem, dass Hongkongs Regierungschef John Lee die Stadt im Falle von Gold als «sicheren Hafen» positionieren wolle und Steueranreize für Handel und Abwicklung in Aussicht stellte (Quelle: Reuters).