12.02.2026, 09:29 Uhr
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Knall in der Asset-Management-Industrie: Der britische Vermögensverwalter Schroders wird für 9,9 Milliarden Pfund (entspricht laut Reuters 13,5 Milliarden US-Dollar) vom US-amerikanischen Asset-Manager Nuveen übernommen.
Wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten, hat der Verwaltungsrat von Schroders dem Angebot zugestimmt. Die Finanzierung erfolgt aus bestehenden Barmitteln der TIAA-Gruppe sowie einer zugesagten Kreditlinie von bis zu 3,1 Milliarden Pfund, bereitgestellt von BNP Paribas.
Nuveen-CEO William Huffman spricht in der Mitteilung von einem «aufregenden und transformativen Schritt» für beide Häuser: Durch die Bündelung komplementärer Plattformen, Vertriebsnetzwerke und Kulturen entstehe eine aussergewöhnliche Chance, Kunden weltweit über neue Märkte, ein erweitertes Produktangebot und tiefere Talentpools besser zu bedienen. Schroders-CEO Richard Oldfield betonte, in Nuveen einen Partner zu sehen, der die Werte und die Kultur von Schroders respektiere. Die Transaktion werde die Wachstumspläne erheblich beschleunigen und Kunden eine echte Bandbreite hochwertiger Lösungen bieten.
Damit endet eine mehr als 220-jährige Ära: Die Gründerfamilie Schroder, die über vier private Treuhandgesellschaften – Vincitas, Veritas, Alster und Treva – rund 41 Prozent der Anteile kontrolliert, hat dem Deal unwiderruflich zugestimmt. Zusammen mit den persönlichen Beteiligungen der Verwaltungsratsmitglieder liegen Nuveen damit unwiderrufliche Zusagen für insgesamt etwa 42 Prozent des Aktienkapitals vor.
Die Übernahme wird über eine eigens gegründete Zweckgesellschaft namens Pantheon, LLC abgewickelt und soll im Wege eines gerichtlich genehmigten Scheme of Arrangement nach englischem Gesellschaftsrecht vollzogen werden.
Die Schroders-Aktionäre erhalten 590 Pence je Aktie in bar – insgesamt rund 9,5 Milliarden Pfund. Hinzu kommen zulässige Dividenden von bis zu 22 Pence, was einer Gesamtbewertung von 612 Pence pro Aktie und damit rund 9,9 Milliarden Pfund entspricht. Gemessen am Schlusskurs von 456 Pence vom Vortag bedeutet dies einen Aufschlag von 34 Prozent.
Bezogen auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen zwölf Monate (381 Pence) beträgt die Prämie sogar 61 Prozent. Die Bewertung entspricht dem 17-Fachen des bereinigten Betriebsgewinns nach Steuern für das Geschäftsjahr 2025, so die Mitteilung von Nuveen.
«Der Zusammenschluss vereint zwei erfolgreiche Unternehmen mit gemeinsamen Werten und sich ergänzenden Stärken zu einem neuen globalen Marktführer im Bereich Public-to-Private-Investmentmanagement. Aufbauend auf Schroders' Erbe bleibt London das Herzstück dieses vergrösserten Unternehmens», wird die Verwaltungsratsvorsitzende Dame Elizabeth Corley in der Mitteilung zitiert.
Nuveen, eine hundertprozentige Tochter des Versicherungs- und Altersvorsorgekonzerns TIAA (Teachers Insurance and Annuity Association of America), verwaltet derzeit rund 1,4 Billionen Dollar in öffentlichen und privaten Vermögenswerten und blickt auf eine mehr als 125-jährige Geschichte zurück. Schroders kommt auf rund 1,1 Billionen Dollar (824 Milliarden Pfund). Zusammen soll eine der weltweit grössten aktiven Vermögensverwaltungsplattformen mit nahezu 2,5 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen entstehen, mit Präsenz in über 40 Märkten weltweit.
Nach Anlageklassen aufgeteilt entfallen beim kombinierten Unternehmen voraussichtlich rund 30 Prozent auf Aktien, 25 Prozent auf festverzinsliche Wertpapiere und 17 Prozent auf Private Markets. Geografisch werden 57 Prozent der Vermögenswerte in Amerika verwaltet, 31 Prozent in der EMEA-Region und 12 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Die Verteilung über die Vertriebskanäle: 49 Prozent über Wealth- und Intermediär-Kanäle, 46 Prozent über institutionelle Kanäle. Das Angebot an Kunden soll dabei Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Multi-Asset, Infrastruktur, Private Capital, Immobilien und Natural Capital umfassen – vereint auf einer einzigen Public-to-Private-Plattform.
Ein besonderer strategischer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Private-Markets-Geschäfts: Nuveens Alternatives-Sparte (rund 316 Milliarden Dollar) und Schroders Capital (rund 98 Milliarden Dollar) bilden zusammen ein Franchise mit über 414 Milliarden Dollar – eine der grössten Alternatives-Plattformen der Branche. Zudem entsteht eine skalierte internationale Fixed-Income-Plattform mit 613 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen.
Nuveen betonte das Bekenntnis zum Standort Grossbritannien. London soll als Hauptsitz des kombinierten Konzerns ausserhalb der USA dienen und mit mehr als 3'100 Mitarbeitenden der grösste Standort bleiben. Die kombinierte Gruppe werde erhebliche Vorteile für das Vereinigte Königreich als globales Finanzzentrum erbringen, indem sie mehr langfristiges Kapital in die Wirtschaft lenke und Londons Rolle in der globalen Vermögens- und Wealth-Verwaltung stärke. Sollte künftig ein Börsengang von Schroders oder der kombinierten Gruppe erwogen werden, beabsichtigen Nuveen und Bidco, die London Stock Exchange als einen der Notierungsplätze zu wählen. Die Marke Schroders soll erhalten bleiben.
Nuveen sicherte zudem zu, in den ersten zwei Jahren nach Abschluss der Transaktion keine wesentlichen Stellenreduktionen vorzunehmen – mit Ausnahme von Positionen, die spezifisch mit der Börsennotierung zusammenhängen. Die bestehenden Arbeits- und Pensionsrechte aller Schroders-Mitarbeitenden würden vollumfänglich gewahrt. Darüber hinaus wird ein Haltepaket von mindestens 175 Millionen Pfund für ausgewählte Mitarbeitende aufgelegt.
Schroders-CEO Richard Oldfield bleibt an der Spitze des Unternehmens und wird Mitglied von Nuveens Executive Management Team mit direkter Berichtslinie an Nuveen-CEO William Huffman. Auch CFO Meagen Burnett und CIO Johanna Kyrklund verbleiben im Vorstand. Für mindestens zwölf Monate nach Vollzug soll Schroders weiterhin als eigenständiges Geschäft innerhalb der Nuveen-Gruppe operieren, bevor in einem 12- bis 18-monatigen Zeitraum Integrationsmöglichkeiten geprüft werden.
Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt zahlreicher regulatorischer Genehmigungen – unter anderem in Grossbritannien (FCA/PRA und CMA), der EU, den USA (Hart-Scott-Rodino), der Schweiz (FINMA), Hongkong, Singapur, Indien, Australien und weiteren Jurisdiktionen. Der Vollzug wird derzeit für das vierte Quartal 2026 erwartet. Das Scheme Document soll voraussichtlich im März 2026 an die Aktionäre versandt werden, die entscheidenden Abstimmungen sind für April 2026 geplant.
Parallel zur Übernahmeankündigung legte Schroders am Donnerstag seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 vor. Der bereinigte Betriebsgewinn stieg um 25 Prozent auf 756,6 Millionen Pfund – ein Beleg für die Fortschritte im laufenden dreijährigen Transformationsprogramm, das unter anderem auf annualisierte Nettokosteneinsparungen von 150 Millionen Pfund und eine Senkung der bereinigten Kosten-Ertrags-Quote von rund 75 auf unter 70 Prozent abzielt. Der Verwaltungsrat schlägt eine Schlussdividende von 15 Pence je Aktie vor und erwartet zudem eine Zwischendividende von 7 Pence für das erste Halbjahr 2026.