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Norwegens Staatsfonds will weniger US-Staatsanleihen halten: Was heisst dies für Investoren aus der Schweiz?

Der norwegische Staatsfonds Government Pension Fund Global (GPFG) wird von der Zentralbank Norges Bank verwaltet, die dafür die Abteilung Norges Bank Investment Management (NBIM) betreibt (Bild: Norges Bank).
Der norwegische Staatsfonds Government Pension Fund Global (GPFG) wird von der Zentralbank Norges Bank verwaltet, die dafür die Abteilung Norges Bank Investment Management (NBIM) betreibt (Bild: Norges Bank).

Der weltgrösste Staatsfonds schlägt eine grundlegende Reform seiner Bond-Benchmark vor: Der Anteil der Staatsanleihen soll von 70 auf 50 Prozent sinken, US-Treasuries wären am stärksten betroffen. Viele Beobachter sprachen schnell von einem «Ausstieg» aus US-Staatsanleihen – die Faktenlage ist differenzierter. Die Diskussion über die Rolle von Staatsanleiehen in einem Portfolio ist jedoch lanciert.

07.09.2026, 08:37 Uhr
Asset Management | Notenbanken

Redaktion: asc

Der norwegische Staatsfonds Government Pension Fund Global (GPFG) sorgt für Schlagzeilen: Norges Bank Investment Management (NBIM) hat dem Finanzministerium eine strategische Neugestaltung der Benchmark für den Anleihenteil des rund 2,3 Billionen US-Dollar schweren Fonds vorgeschlagen. Weniger Staatsanleihen, dafür mehr US-Agentur-Hypothekenpapiere (Agency MBS), staatsnahe Anleihen und andere Investment-Grade-Segmente – so die Stossrichtung.

Was in ersten Schlagzeilen als «Dump» oder «Massiver Abbau» von US-Staatsanleihen firmierte, ist bei genauerem Hinsehen ein langfristiger, politisch noch nicht abgesegneter Umbau eines Referenzindexes – kein vollzogener Verkauf und keine Abkehr vom US-Dollar.

Was NBIM konkret vorschlägt

Schauen wir uns zunächst die Fakten an: Am 1. September 2026 veröffentlichten Norges-Bank-Gouverneurin Ida Wolden Bache und NBIM-CEO Nicolai Tangen ihre Empfehlung an das Finanzministerium. Auslöser war ein Prüfauftrag zur Rolle der Anleihen im Fonds: Stabilisierung des Gesamtportfolios, Liquiditätsreserve für Rebalancings und Vereinnahmung von Risikoprämien.

Kennzahl Heute NBIM-Vorschlag
Staatsanleihen im Bond-Benchmark 70 Prozent 50 Prozent
US-Treasuries im Bond-Benchmark 34,1 Prozent 21,9 Prozent
US-Nichtstaatsanleihen im Benchmark 16,2 Prozent 27,6 Prozent
USD-Anteil im Bond-Benchmark 52,9 Prozent 52,5 Prozent
Euro-Staatsanleihen 16,8 Prozent 14,1 Prozent
Japanische Staatsanleihen 4,6 Prozent 7,4 Prozent

Reuters beziffert den impliziten Rückgang der Treasury-Bestände auf rund 80 Milliarden US-Dollar, ausgehend von rund 215 Milliarden US-Dollar per Ende Juni; einzelne spätere Berichte kommen unter leicht anderen Annahmen auf bis zu 106 Milliarden US-Dollar. In beiden Fällen handelt es sich um eine Modellrechnung auf Basis der neuen Benchmark-Gewichte, nicht um eine bereits erteilte Verkaufsorder.

Weitere Elemente des Vorschlags: Der Staatsanleihen-Teil soll künftig nach Marktwert statt nach Bruttoinlandprodukt gewichtet werden, die Benchmark soll sich stärker am Bloomberg Global Aggregate orientieren, verbriefte Anleihen – insbesondere Agency MBS – sowie staatsnahe Anleihen sollen systematisch aufgenommen werden. Schwellenländeranleihen bleiben aussen vor, inflationsindexierte Staatsanleihen werden beibehalten.

Der Entscheid liegt derzeit beim Finanzministerium und letztlich beim Storting; ein separater Expertenbericht zu Fondszweck und Risikotoleranz des Eigentümers soll erst bis 25. Januar 2027 vorliegen. Eine Umsetzung wäre laut NBIM frühestens 2027 und ausdrücklich schrittweise denkbar.

Die Logik hinter dem Vorschlag

NBIM begründet den Schritt nicht mit einer «Reduktion von US-Risiko», sondern mit einer effizienteren Balance zwischen Liquidität, Diversifikation und erwarteter Rendite. Ein Anteil von 50 Prozent Staatsanleihen reiche mit komfortablem Puffer aus, um in Stressphasen die nötige Liquidität für Rebalancings bereitzustellen – historische Simulationen deuteten laut NBIM darauf hin, dass selbst 40 Prozent genügen könnten. Eigene NBIM-Auswertungen zeigen zudem, dass historische Rebalancing-Episoden im Durchschnitt Anleihenverkäufe von 5,5 Prozent des Fondswerts erforderten, in den stressigsten 5 Prozent der Fälle bis zu 11 Prozent – ein Massstab, an dem sich die Frage misst, ob 50 Prozent Staatsanleihen künftig noch ausreichend Puffer bieten.

Wegen seines extrem langen Anlagehorizonts kann der Fonds Kredit-, Liquiditäts- und Prepayment-Prämien besser tragen als viele Anleger mit kurzfristigen Liquiditätszwängen. Agency MBS erscheinen dabei besonders attraktiv: Sie bieten eine andere Risikoprämie als Unternehmensanleihen, zeigten in Krisen historisch ein eher defensives Profil und sind mit einem ausstehenden Volumen von rund 7,5 Billionen US-Dollar per Ende 2025 sowie einem täglichen Handelsvolumen von rund 350 Milliarden US-Dollar ein sehr liquider Markt.

Entscheidend für die Einordnung: Die Umschichtung verlagert Risiko innerhalb des Dollarblocks. Es würden weniger direkte Forderungen an das US-Treasury gehalten, dafür entsprechend mehr Dollar-Exposure über US-Agentur-MBS und andere staatsnahe beziehungsweise nichtstaatliche US-Anleihen. Der USD-Anteil bleibt gemäss NBIM-Rechnung mit 52,5 Prozent nahezu konstant. Der Vorschlag fällt zudem in ein Marktumfeld steigender Renditen: Anfang September 2026 überstiegen zehnjährige US-Treasury-Renditen zeitweise 4,75 Prozent, bei gleichzeitig hohem US-Emissionsvolumen.

Wie die Beobachter den Schritt einordneten

Fakt ist: Der Fonds verkauft nicht bereits heute 80 Milliarden US-Dollar, sondern empfiehlt eine langfristige, benchmarkgetriebene Portfolio-Neuordnung. Die internationale Berichterstattung konzentrierte sich dennoch stark auf die zugespitzte Zahl von rund 80 Milliarden US-Dollar, mit unterschiedlichen Framing-Schwerpunkten. Reuters betonte die noch ausstehende politische Genehmigung, den graduellen Vollzug und die praktisch unveränderte Dollarquote. Reuters Breakingviews prägte mit «US financial gravity» eine Lesart, die den Schritt explizit nicht als geopolitische oder antiamerikanische Wette deutet, sondern als Substitution von Treasuries durch staatlich gestützte US-Hypothekenpapiere. CNBC hob die Suche nach höheren Erträgen bei weiterhin ausreichender Liquidität hervor. Morningstar und Dow Jones beschrieben den Schritt als Umschichtung in risikoreichere Anleihesegmente, nicht als Rückzug aus US-Kapitalmärkten. Das Handelsblatt sprach zwar von einem «massiven Abbau», stellte aber klar, dass keine Abkehr vom US-Dollar vorliege. Fortune akzentuierte stärker die Grösse des möglichen Treasury-Abbaus, während Newsweek ausdrücklich vor einer Überinterpretation warnte: keine unmittelbare Liquidation, kein durch den Schritt allein ausgelöster Zinsanstieg und kein genereller Rückzug aus US-Anlagen.

Bedeutung für institutionelle Anleger

Der Vorgang ist in erster Linie ein Benchmark- und Governance-Fall, kein taktischer Makro-Trade. NBIM schlägt vor, die Bond-Benchmark eines der grössten Staatsfonds der Welt näher an die Struktur des investierbaren globalen Investment-Grade-Marktes zu rücken. Dass gerade US-Treasuries absolut am stärksten sinken, folgt vor allem aus ihrer bisher dominanten Grösse im Bestand.

Drei Schlussfolgerungen sind für institutionelle Anleger relevant: Erstens besteht kein Signal für unmittelbaren Verkaufsdruck – der politische Prozess ist offen, und NBIM will erst nach einer Stellungnahme des Ministeriums einen Umsetzungsplan vorlegen. Zweitens ist kein Dollar-Ausstieg zu erwarten, da die Dollarquote laut Vorschlag praktisch unverändert bleibt; es handelt sich um eine Rotation von US-Staatsrisiko in andere US-Investment-Grade-Risikoprämien. Drittens sendet der Fonds ein bemerkenswertes Signal zur Rolle von Staatsanleihen generell: Nicht deren Funktion als solche wird infrage gestellt, wohl aber die Notwendigkeit einer derart hohen Staatsanleihenquote. Für einen langfristigen Investor, so die Botschaft, kann eine breiter diversifizierte Bond-Allokation mit Agency MBS, staatsnahen Anleihen und Unternehmensanleihen das bessere Verhältnis aus Liquidität, Krisenpuffer und laufender Risikoprämie liefern.

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