LGIM stimmt gegen Wiederwahl des ExxonMobil-CEO

Meryam Omi, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit und verantwortungsbewusste Anlagestrategie bei Legal & General Investment Management (LGIM)
Meryam Omi, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit und verantwortungsbewusste Anlagestrategie bei Legal & General Investment Management (LGIM)

Legal & General Investment Management (LGIM) drängt bei ExxonMobil auf Unabhängigkeit des Board-Vorsitzes und Transparenz bei Lobbying-Aktivitäten. Das Unternehmen steche aufgrund der anhaltenden Weigerung hervor, seine vollständige CO2-Bilanz offenzulegen.

22.05.2020, 11:37 Uhr

Redaktion: rem

Legal & General Investment Management (LGIM), einer der weltweit grössten Vermögensverwalter, hat erhebliche Bedenken hinsichtlich des Vorgehens von ExxonMobil (Exxon) in Fragen des Klimawandels, der politischen Lobbyarbeit und der Unabhängigkeit des Boards. Aus diesem Grund geht LGIM vor der Hauptversammlung von Exxon am 27. Mai 2020 in Texas (USA) einen ungewöhnlichen Schritt und erklärt seine Absicht, gegen die Wiederwahl des Vorsitzenden des Exxon-Boards zu stimmen, wie der Vermögensverwalter mitteilte.

Angesichts der Dringlichkeit bei der Bekämpfung des Klimawandels steche Exxon in den LGIM-Ranglisten aufgrund der anhaltenden Weigerung hervor, seine vollständige CO2-Bilanz offenzulegen sowie unternehmensweite Emissionsziele zu bestimmen. Gleichzeitig bemühe sich jedoch eine wachsende Zahl von Unternehmen derselben Branche – wie BP, Shell und Repsol – ebenso wie Ländern, darunter die Mitglieder der EU und Grossbritannien, vorrangig um "Netto-Null-Emissionen".

Mangelnder strategischer Ehrgeiz von Exxon in Bezug auf den Klimawandel

Für einen langfristig orientierten Investor wie LGIM habe die Verbesserung der Standards bei der Unternehmensführung und Nachhaltigkeit durch seine Arbeit mit Unternehmen und Aufsichtsbehörden eine hohe Bedeutung. 2019 wurde Exxon auch im zweiten jährlichen LGIM-Unternehmensranking der Vorreiter und Nachzügler im Kampf gegen den Klimawandel – dem "Climate Impact Pledge" – hervorgehoben.

Meryam Omi, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeit und verantwortungsbewusste Anlagestrategie bei LGIM kommentiert: "Der mangelnde strategische Ehrgeiz von Exxon in Bezug auf den Klimawandel bereitet uns immer noch Sorgen. Um in einem klimaverträglichen Umfeld erfolgreich zu bleiben, müssen die Unternehmen heute handeln. Sie müssen ihre Kapitalentscheidungen an den Zielen des Pariser Abkommens ausrichten und sie müssen sich ehrgeizige Ziele setzen. Wir beobachten, dass viele der Konkurrenten von Exxon ihre Ambitionen zur Nachhaltigkeit auch unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen intensivieren. Die Welt und auch die Investoren von Exxon können es sich nicht leisten, dass das Unternehmen ins Hintertreffen gerät."

Für mehr Transparenz bei der politischen Lobbyarbeit

Im Januar kündigte LGIM eine Verschärfung seiner Abstimmungspolitik gegenüber der kombinierten Funktion des Chief Executive Officers (CEO) und Board-Vorsitzes an und entschied, bei Vorstandswahlen (director elections) künftig weltweit gegen kombinierte Rollen zu stimmen. Die Änderungen seien Teil der jährlichen Überprüfung der globalen Stimmrechtsvertretungspolitik von LGIM und würden sich insbesondere in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Spanien auswirken, wo kombinierte Funktionen noch immer üblich seien. Trotz der positiven Entwicklung in den letzten Jahren sind laut LGIM kombinierte Positionen in den USA nach wie vor häufig: Bei 47% der S&P-500-Vorstände werden die Rollen des CEO und des Board-Vorsitzenden von einer Person ausgefüllt – auch bei ExxonMobil.

Wie es in der Medienmitteilung weiter heisst, wird LGIM nicht nur gegen die Wiederwahl des Exxon-Vorsitzenden stimmen, sondern auch einen Aktionärsantrag für einen unabhängigen Vorsitzenden sowie einen Aktionärsantrag für mehr Transparenz bei der politischen Lobbyarbeit unterstützen.

"Wir glauben, dass die Trennung der kombinierten Rollen von CEO und Board-Vorsitz ein besseres Gleichgewicht zwischen Autorität und Verantwortung ermöglicht. Darüber hinaus erwarten wir, dass Unternehmen, die Geld von Investoren für die Lobbyarbeit bei Regierungen ausgeben, Rechenschaft darüber ablegen, wie und warum sie dies tun. Diese gegenseitigen Kontrollen liegen im besten Interesse der Aktionäre. Als konstruktive, langfristige Investoren glauben wir, dass Verbesserungen der Unternehmensführung und der Klimastrategie von ExxonMobil zu dessen Widerstandsfähigkeit und künftigem Erfolg beitragen werden“, betont Meryam Omi.

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