02.07.2026, 07:42 Uhr
Bei der Immobiliengesellschaft Plazza gibt es bedeutende Veränderungen im Aktionariat. Die Gruppe Schmidheiny, welche seit dem Börsengang vor elf Jahren die Mehrheit an der Gesellschaft hält, löst sich auf.
Der jüngste Einstieg der Pensionskasse Stadt Zürich (PKZH) bei Kallista Energy ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines breiteren Trends: Infrastrukturanlagen gehören derzeit zu den am schnellsten wachsenden Anlageklassen im Portfolio institutioneller Investorinnen und Investoren. Ein Überblick über Zahlen, Regulierung und Treiber dieser Entwicklung.
Ende Juni wurde bekannt, dass sich die Pensionskasse Stadt Zürich (PKZH) als neue Minderheitsaktionärin an Kallista Energy beteiligt, einem etablierten europäischen Entwickler und Betreiber von erneuerbaren Energieanlagen.
Das ist kein Einzelfall: Investitionen in Infrastruktur durch Pensionskassen nehmen zu. Sie umfassen den Bau, Betrieb oder Erwerb von Anlagen, die eine Gesellschaft im Grundbetrieb benötigt – von Strassen, Häfen und Schienen über Energieversorgung und Wasser bis zu Rechenzentren, Mobilfunknetzen und Sozialinfrastruktur wie Spitälern oder Schulen. Charakteristisch sind lange Nutzungsdauern, hohe Markteintrittsbarrieren und Erträge, die häufig auf regulierten oder vertraglich fixierten, oft an die Inflation gekoppelten Zahlungsströmen basieren.
Das macht die Anlageklasse für langfristig orientierte Investorinnen wie Pensionskassen besonders attraktiv. Infrastrukturanlagen bieten laut UBS stabile Renditen sowie attraktive, langfristige und gut prognostizierbare Dividenden, einen partiellen Inflationsschutz und eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen und Marktzyklen.
Die Zahlen untermauern dieses Bild: Gemäss dem Datenanbieter Preqin haben Infrastrukturinvestments seit 2010 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 10,7 Prozent p.a. ähnlich abgeschnitten wie der MSCI World, bei gleichzeitig deutlich tieferer Volatilität als Aktien.
Für Schweizer Pensionskassen hat sich die Ausgangslage 2020 grundlegend verändert. Mit der Anpassung der BVV2-Verordnung per 1. Oktober 2020 wurde Infrastruktur als eigenständige Anlagekategorie mit einer Allokationsgrenze von bis zu 10 Prozent des Vermögens eingeführt – zuvor zählte die Anlageklasse zu den alternativen Anlagen und teilte sich deren restriktivere Quote. Damit wurde eine seit 2015 politisch geforderte Reform Realität, die den Vorsorgeeinrichtungen deutlich mehr Spielraum verschafft.
Der Effekt dieser Öffnung zeigt sich in der Statistik: Schweizer Pensionskassen hielten Ende der 2010er-Jahre Infrastrukturanlagen im Umfang von mehr als 8 Milliarden Franken; zwischen 2014 und 2018 hatten sich diese Bestände gemäss Pensionskassenstatistik des Bundesamts für Statistik mehr als vervierfacht. Der durchschnittliche Portfolioanteil lag damals noch bei knapp einem Prozent, wobei einzelne Kassen laut IPE bereits zwischen 2 und 8 Prozent ihrer Allokation in Infrastruktur investierten.
Seither hat sich die Anlageklasse als feste Grösse etabliert. Gemäss der Pensionskassenstudie von Complementa erreichte der Infrastrukturanteil Ende 2025 mit 2,7 Prozent des Gesamtvermögens den höchsten Wert aller alternativen Subkategorien, noch vor Private Equity mit 2,5 Prozent. Andere Erhebungen zeigen eine ähnliche Grössenordnung mit weiter steigender Tendenz: Laut Swisscanto-Auswertung lag der Infrastrukturanteil zuletzt bei 2,8 Prozent der Gesamtallokation und dürfte laut Einschätzung der Studienautoren weiter zunehmen – Infrastruktur hat damit Private Equity als vormals grösste alternative Anlageklasse der Pensionskassen abgelöst. Für das Vorjahr wurde bereits ein deutlicher Zuwachs von plus 0,5 Prozentpunkten auf 3,0 Prozent ausgewiesen.
Trotz dieses Wachstums bleibt gemäss UBS-Einschätzung erhebliches Potenzial ungenutzt: Derzeit wird die Möglichkeit, in Infrastruktur zu investieren, noch nicht von allen Vorsorgeeinrichtungen ausgeschöpft – bei einer regulatorischen Obergrenze von 10 Prozent liegt der effektive Durchschnitt also weiterhin deutlich darunter.
International fällt das Wachstum noch ausgeprägter aus. Laut Preqin haben sich private Infrastrukturinvestitionen seit 2010 in Europa mehr als verzehnfacht, in Nordamerika um den Faktor acht. Auch für die kommenden Jahre rechnet der Datenanbieter mit kräftigem weiterem Wachstum. Allianz Global Investors geht davon aus, dass sich das Volumen von Infrastruktur- und Real-Asset-Strategien bis 2030 verdoppeln könnte, getrieben durch Energiewende, digitale Unabhängigkeit und den Ausbau der Logistik.
Ein besonders deutliches Signal liefert der institutionelle Bereich der Staatsfonds: Gemäss der jährlichen Global Sovereign Asset Management Studie von Invesco ist der Anteil der Infrastrukturanlagen am Gesamtvermögen der Staatsfonds zwischen 2022 und 2026 von 4,9 Prozent auf 9,0 Prozent gestiegen – kein anderes alternatives Asset wuchs vergleichbar stark. Auch bei anderen grossen Vermögenseigentümern zeigt sich der Trend in den Ausbauplänen: Fast die Hälfte (46 bis 47 Prozent) der befragten Grossanleger mit Vermögen von über zwei Billionen US-Dollar plant, ihre Infrastruktur- respektive Private-Debt-Allokationen in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen; bei Investoren mit über 20 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen wollen sogar 63 Prozent stärker in Infrastruktur investieren.
Die Nachfrage nach Infrastrukturkapital wird strukturell von mehreren Trends gestützt. Erstens der weltweite Investitionsbedarf für die Energiewende – Wind-, Solar- und Speicherprojekte wie jene von Kallista Energy stehen exemplarisch dafür. Zweitens die Digitalisierung mit dem Ausbau von Rechenzentren, Glasfasernetzen und Mobilfunkinfrastruktur. Drittens ein zunehmend geopolitisch geprägtes Verständnis von Infrastruktur als Frage nationaler Sicherheit: Laut J.P. Morgan Private Bank gilt resiliente Infrastruktur mittlerweile als Frage der nationalen Sicherheit, während Renditen für Infrastrukturanlagen zuletzt bei rund 6 Prozent lagen – rund 2 Prozentpunkte über zehnjährigen US-Staatsanleihen.
Auch auf Ertragsseite bleibt die Anlageklasse robust gegenüber Inflation: HQ-Trust-Analysten rechnen mit einem durchschnittlichen Ebitda-Wachstum von 10,2 Prozent über alle Infrastruktur-Sektoren für die Jahre 2023 bis 2026, wobei Gewinne in den Bereichen Energie, Wasser und Mautstrassen überproportional zulegen könnten.
Der Einstieg der PKZH bei Kallista Energy fügt sich damit in ein Bild ein, das sich seit der BVV2-Reform 2020 kontinuierlich verstärkt: Infrastruktur hat sich von einer Nischenanlage zu einer der wichtigsten alternativen Anlageklassen für Schweizer Pensionskassen entwickelt – mit stabilen, inflationsgeschützten Cashflows, tiefer Korrelation zu traditionellen Märkten und einem regulatorischen Rahmen, der noch erhebliches Ausbaupotenzial zulässt. International verläuft die Entwicklung noch dynamischer, angetrieben von Energiewende, Digitalisierung und einer neuen geopolitischen Lesart von Infrastruktur als sicherheitsrelevantem Vermögenswert.