14.10.2026, 07:21 Uhr
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Hohe Zinsen gelten als gut für Banken. Die US-Grossbanken verdienen so viel wie selten, und trotzdem fallen ihre Aktien. Dahinter steht ein Zinsanstieg, der für die Banken mehr Risiken als Erträge bringt. Was heisst das für die UBS und die weitere Geldpolitik der Notenbanken?
Eigentlich sollte die Lage für Banken gut sein. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg Anfang Oktober auf über 5,35 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Höhere Zinsen bedeuten für Banken in der Regel höhere Margen im Kreditgeschäft. Die Quartalszahlen von JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo zeigen das auch: Zusammen verdienten sie im dritten Quartal mehr als 31 Milliarden US-Dollar, mehr als im Vorjahr.
An der Börse kam das trotzdem nicht gut an. Citigroup schloss am Dienstag 5,6 Prozent tiefer, der schwächste Berichtstag seit über fünf Jahren. Wells Fargo verlor rund 3 Prozent, JPMorgan knapp 1 Prozent. Goldman Sachs stieg im frühen Handel um fast 3 Prozent und schloss am Ende leicht im Minus. Der KBW-Bankenindex lag schon vor den Zahlen 13 Prozent unter seinem Hoch von Mitte August.
Die Ergebnisse sind besser, als die Kursreaktion vermuten lässt. Goldman Sachs übertraf die Gewinnerwartung um fast 30 Prozent, getragen von einem Plus von 72 Prozent im Aktienhandel. Citigroup steigerte den Gewinn um 40 Prozent auf 5,2 Milliarden US-Dollar. Wells Fargo lag beim Gewinn je Aktie über dem Konsens. Nur JPMorgan verfehlte mit 5,57 US-Dollar je Aktie die Erwartungen, zum ersten Mal seit Ende 2023.
Bei allen vier Banken gibt es aber auch Schwachstellen. Der Anleihenhandel ging bei JPMorgan zum ersten Mal seit über zwei Jahren zurück, und Goldman blieb hier deutlich unter den Prognosen. Wells Fargo verfehlte beim Nettozinsertrag mit 12,5 Milliarden US-Dollar die Schätzungen knapp. Citigroup äusserte sich vorsichtig zum Tempo der Aktienrückkäufe und zur Rendite im Gesamtjahr. Alle diese Schwächen haben mit den hohen Zinsen zu tun.
Wie viel Banken an hohen Zinsen verdienen, hängt davon ab, wie und wie schnell die Zinsen steigen. Moderat steigende Zinsen helfen den Banken. Ein rascher Anstieg aus den falschen Gründen schadet ihnen. Hinter dem aktuellen Anstieg stehen eine Teuerung von zuletzt 3,4 Prozent, getrieben vom Energiepreisschock infolge des Iran-Konflikts, ein US-Haushaltsdefizit von geschätzt 1,9 Billionen US-Dollar und eine Flut von Anleihen zur Finanzierung von KI-Investitionen. Die Fed hat die Zinsen im September erstmals seit 2023 erhöht, auf 3,75 bis 4 Prozent.
Positiv ist für die Banken nur der Zinsertrag. Neue Kredite und Anlagen bringen mehr ein. JPMorgan hob deshalb die Prognose für den Nettozinsertrag 2026 auf 106,2 Milliarden US-Dollar an. Dagegen stehen vier Belastungen:
Die Banken selbst geben sich vorsichtig. «Hohe Haushaltsdefizite, hartnäckige Inflation, erhöhte Vermögenspreise, steigende Zinsen und die geopolitische Lage verschieben sich weiter unter der Oberfläche», sagte JPMorgan-Chef Jamie Dimon. Er schliesst nicht aus, dass die zehnjährige Rendite 6 Prozent erreicht. Ein Anstieg von 5 auf 6 Prozent wäre schmerzhafter als jener von 4 auf 5 Prozent. Citigroup erwartet für das vierte Quartal saisonal tiefere Handelserträge. Goldman-Chef David Solomon spricht von einem «komplizierten Umfeld».
Ob die Bankaktien sich erholen, hängt also von den Zinsen ab. Stabilisieren sich die Renditen, überwiegt der höhere Zinsertrag. Steigen sie weiter, verstärken sich alle vier Belastungen. Am Mittwoch folgen Bank of America und Morgan Stanley. Bank of America hängt besonders stark vom Zinsgeschäft ab, Morgan Stanley vom Kapitalmarktgeschäft.
Die UBS ist besser gegen die Zinsrisiken aufgestellt als die US-Banken, denn ihr Schwerpunkt liegt in der Vermögensverwaltung. Dort wird ein grosser Teil der Kundengelder und Kredite in US-Dollar geführt. Höhere Dollarzinsen verbessern die Erträge aus Krediten und aus dem Replikationsportfolio, in dem die Bank Kundeneinlagen gestaffelt über mehrere Laufzeiten anlegt. Schon im Juli hatte die UBS ihre Prognose angehoben: Der Nettozinsertrag im Global Wealth Management soll 2026 um rund 10 Prozent wachsen, auch dank «höherer Dollarzinsen als bisher angenommen». Seither hat die Fed die Zinsen erhöht, und die Renditen sind weiter gestiegen.
Im Schweizer Geschäft fehlt dieser Rückenwind. Auch die anderen Risiken der US-Banken treffen die UBS. Bleiben Börsengänge und Übernahmen aus, leidet die Investment Bank. Fallen die Kurse an den Börsen, sinken die verwalteten Vermögen und damit die Gebühren. Dieses Gebührengeschäft ist für die UBS wichtiger als das Zinsgeschäft.
Für die Aktie zählt derzeit allerdings ein anderes Thema mehr als die Zinsen: die Kapitalvorschriften. Der Ständerat will, dass die UBS ihre Auslandtöchter zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegt. Davon hängt ab, wie viel die Bank in den kommenden Jahren an die Aktionäre ausschütten kann. Die Aktie schloss am Dienstag bei knapp 40 Franken und liegt rund 11 Prozent unter ihrem Hoch von Anfang September. Am 28. Oktober legt die UBS ihre Quartalszahlen vor.
Für die Notenbanken haben die hohen Renditen einen Nebeneffekt: Sie bremsen die Wirtschaft, ohne dass die Notenbanken selbst die Zinsen erhöhen müssen. «Die Renditen erledigen ein wenig von der Arbeit», sagte Fed-Gouverneur Christopher Waller am Dienstag. Er bestätigte, dass zinssensitive Branchen wie Immobilien und Autos bereits darunter leiden. Für die Fed-Sitzung vom 28. Oktober rechnen die Märkte mit rund drei Vierteln Wahrscheinlichkeit mit unveränderten Zinsen. Der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, sieht «keine Eile», hält einen weiteren Schritt gegen Ende Jahr aber für möglich.
Die Europäische Zentralbank hat bereits gehandelt. Sie erhöhte die Zinsen im Juni und im September, der Einlagensatz liegt jetzt bei 2,50 Prozent. Die Teuerung in der Eurozone lag im August bei 3,3 Prozent, und die EZB erwartet eine Rückkehr zu 2 Prozent erst gegen Ende 2027. Gut möglich, dass zwei weitere Zinsschritte erfolgen.
Die SNB hat dagegen keinen Handlungsbedarf. Sie beliess den Leitzins im September bei 0 Prozent. «Wir bewegen uns komfortabel innerhalb des Bereichs der Preisstabilität von 0 bis 2 Prozent», sagte SNB-Vizepräsident Antoine Martin am 8. Oktober. Die höheren Zinsen im Ausland helfen ihr sogar: Der Franken ist weniger gefragt, der Dollar stieg zuletzt auf rund 0.835 Franken und damit fast auf den höchsten Stand seit 17 Monaten. Das bremst die Aufwertung des Frankens, die die tiefe Teuerung weiter senken würde. Kippt die Stimmung an den Märkten, könnte der Franken als sicherer Hafen jedoch wieder steigen. Dann dürfte die SNB eher am Devisenmarkt eingreifen als die Zinsen zu ändern.