Hedge Funds: Shortspezialisten schnitten im Juni am besten ab

Michelle Mc Closkey, Head of Research von Man’s Multi Manager Business
Michelle Mc Closkey, Head of Research von Man’s Multi Manager Business

Hedge Fund-Manager, die – wie im letzten Monatsbericht empfohlen – ihre Risikopositionen reduzierten, konnten im Juni grössere Verluste vermeiden. Im Schnitt erlitten jedoch die meisten Strategien Verluste. Der Ausblick bleibt über den Sommer weiterhin getrübt.

22.07.2011, 10:45 Uhr

Redaktion: mak

Die starken Marktturbulenzen stellten im Juni nicht nur für die traditionellen, sondern auch für die Hedge Funds-Manager eine Herausforderung dar. "Die anhaltenden Diskussionen um die Schulden der EU-Peripherieländer, die eher schwachen US-Wirtschaftsdaten und überraschende News wie der Bescheid der Internationalen Energieagentur IEA, dass die Industrieländer ihre strategischen Erdölreserven verwenden wollen, um den Ausfall an libyschem Öl zu kompensieren, erhöhten die Unsicherheit der Anleger und kühlten deren Risikolust und Investitionsaktivitäten ab", fasst Michelle McCloskey, Head of Research von Man’s Multi Manager Business, den Monatsverlauf zusammen.

Der HFRI Fund Weighted Composite Index verlor 1,2% und der HFRI Fund of Funds Composite Index 1,5%. Zum Vergleich: Der globale Aktienindex MSCI World gab im Juni trotz Endmonatsralley 1,6% nach.

Turbulenzen bei Währungen und Rohstoffen
Nicht nur an den Aktien- und Bondmärkten, auch an der Währungsfront herrschte viel Bewegung. Der US-Dollar zeigte sich im Juni zuerst von der starken Seite, bevor er in der letzten Woche wieder absackte. Der Euro wiederum legte aufgrund von Erwartungen zu, dass die europäische Zentralbank im Juli die Zinsen hebe und sich im Falle der griechischen Staatsschuld eine Lösung abzeichne. Rohwaren verbuchten erneut einen negativen Monat, da die Notierungen von Erdöl, Erdgas, Edelmetallen sowie einigen Agrargütern wegen negativen fundamentalen und technischen Signalen nach unten zeigten. Energiestoffe litten unter anderem auch unter den milden Temperaturen in den USA, welche die Nachfrage nach Öl und Gas abkühlen dürften.

In diesem wechselhaften Umfeld bekundeten Managed Futures Mühe, länger anhaltende Trends auszumachen. Rückschläge ergaben sich vor allem gegen Ende Juni, als sich die Ereignisse in Griechenland zuspitzten. Gewinne von Shortpositionen in Aktien und US-Dollar sowie Longpositionen in Fixed Income-Instrumenten wurden wieder zunichte gemacht. Der Newedge CTA Index fiel per saldo um 1,7%. "Fonds mit ausgeprägten Fixed Income-Engagement konnten allerdings ihre Verluste begrenzen, da sich die Bondmärkte stabiler zeigten", bemerkt McCloskey. Kurzfristige Volatilitätstrades konnten die Bilanz ebenfalls aufhellen.

Global Macro-Strategien büssten gemessen am HFRI Macro Index 1,8% ein. Longpositionen in den Bereichen Energie und Landwirtschaft litten unter der erwähnten Ankündigung der IEA sowie unter einem Preiszerfall einiger Agrargüter: Die Notierungen von Mais fielen um 15,9% und diejenigen von Weizen um 25,2%. Der umfassende Rohwarenindex S&P GSCI Index gab 5,3% nach.

Gutes Umfeld für Short-Spezialisten
Relative Value-Manager konnten sich ganz gut behaupten, gab doch der HFRI Relative Value Index lediglich marginale 0,1% an Boden preis. Am schlimmsten erwischte es in diesem Segment die Wandelanleihen-Arbitrageure, gab doch der HFRI Convertible Arbitrage Index 1,0% nach. Manager mit einer hohen Gewichtung von Aktienshorts bewiesen gutes Fingerspitzengefühl und lagen besser. Das Segment litt aber unter einem Mangel an Neuemissionen, wurden doch im Monat nur gerade sieben neue Deals aufgelegt. Das Marktumfeld erwies sich gemessen an ihren HFRI-Indizes auch für die Strategien Event Driven (-1,1%), und Merger Arbitrage (-1,3%) als schwierig.

Equity Hedged-Manager hatten auf der Achterbahn ebenfalls Mühe, sich zu positionieren. "Beim Versuch, das Kapital durch einen Abbau der Netto- und Bruttoengagements zu schützen, verpassten Ende Juni viele das Aktienralley", bemerkt McCloskey. Der HFRI Equity Hedge Index fiel um 1,2%. Es überrascht nicht, dass Fonds mit einer Shortbias die grössten Gewinne erzielten: Der HFRI Short Bias Index schnellte um 4,2% in die Höhe.

Risikoappetit im Sommer zügeln
Die Hedge Funds-Manager müssen sich weiterhin auf schwieriges Terrain gefasst machen. "Zurzeit wird die Kursentwicklung in allen Anlageklassen von Makroereignissen bestimmt: Themen wie die Eurokrise oder die Inflation in China verunsichern die Anleger", warnt McCloskey. "In diesem Umfeld werden sich die meisten Manager weiterhin hüten, zu hohe Risiken einzugehen", meint sie abschliessend.

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