03.09.2026, 07:51 Uhr
Die Nachfrage nach Büroflächen hat sich trotz Homeoffice wieder erholt. Doch nun steht mit KI die nächste Herausforderung vor der Tür. Die Raiffeisen-Ökonomen rechnen deswegen mit einem spürbaren...
Der Krieg in der Ukraine und wachsende geopolitische Spannungen zwingen Europa zur strategischen Autonomie. Cristian Pappone, Regional Head Switzerland, Austria & Liechtenstein bei Nordea Asset Management, erklärt, warum Energie, Reindustrialisierung und Verteidigung zu den entscheidenden Wachstumsthemen werden – und weshalb gerade Mittelständler davon profitieren.
Herr Pappone, der Krieg in der Ukraine und zuletzt der Iran-Konflikt haben Europas strategische Abhängigkeiten schonungslos offengelegt. Wie bedeutsam ist dieser Moment für Anleger?
Sehr bedeutsam. Europa tritt in eine Phase beschleunigter Investitionen ein. Unternehmen richten sich auf eine Welt ein, die weniger planbar, energetisch knapper und strategisch härter umkämpft ist. Europa stärkt seine Widerstandsfähigkeit, und das erzeugt Nachfrage quer durch die Wirtschaft: bei Stromnetzen und Verteidigungssystemen, bei Halbleitern, digitaler Infrastruktur und Industrieautomation.
Für Anleger eröffnet das ein seltenes Zeitfenster. Sie können früh in eine mehrjährige Transformation einsteigen, bevor sie sich vollständig in den Kursen widerspiegelt.
Ist das ein kurzfristiger Trend – oder ein struktureller Wandel?
Wir sehen darin einen strukturellen Wandel.
Europas Wirtschaftsmodell beruhte jahrzehntelang auf billiger russischer Energie im Überfluss, auf hocheffizienten globalen Lieferketten und auf einem vergleichsweise ruhigen Sicherheitsumfeld. Die geopolitischen Ereignisse der letzten Jahre haben die Schwachstellen dieses Modells offengelegt. Sie zu beheben, verlangt über viele Jahre anhaltende Investitionen in Energie, Infrastruktur und Verteidigung.
Der Rückenwind wirkt weit über die erste Investitionsphase hinaus.
Welche Unternehmen verkörpern diese europäische Renaissance am besten? Und warum setzen Sie dabei bewusst auf Small- und Mid-Caps?
Es geht um Unternehmen, die als Lösungsanbieter agieren. In der Energieinfrastruktur etwa Prysmian und Nexans mit Stromnetzen und Unterseekabeln. Bei der Reindustrialisierung Siemens und Danieli, in der Verteidigung Spezialisten wie Invisio und Kongsberg.
Gerade Mittelständler stehen oft im Zentrum dieses Wandels und werden von vielen Fonds vernachlässigt. Sie sind innovativ, häufig unterbewertet und besonders sensitiv für strukturelle Wachstumstrends, weil sie stark in ihren lokalen Märkten verankert sind. Hier sehen wir das grösste Re-Rating-Potenzial.
Verteidigung ist einer der drei Pfeiler. Wie vereinbar ist das mit ESG im Fonds?
Verteidigung ist integraler Bestandteil europäischer Souveränität. Unser Fonds ist nach Artikel 8 klassifiziert und folgt Nordeas Responsible-Investment-Politik.
Wir investieren innerhalb eines strengen Responsible-Investment-Rahmens. Kontroverse Waffen und Verstösse gegen internationale Normen schliessen wir aus. Wir setzen auf Unternehmen, die zu Sicherheit und Widerstandsfähigkeit Europas beitragen.
Und welche Rolle spielt die Schweiz in diesem neuen europäischen Investitionszyklus – Gewinnerin oder Randfigur?
Die Schweiz ist eng mit den europäischen Wertschöpfungsketten verflochten und stark in Industrie, Präzisionstechnik und Innovation. Schweizer Anlegerinnen und Anleger profitieren von der Nähe zu diesen Trends und können gezielt daran teilhaben.
Wer früh positioniert ist, kann die strukturelle Neuausrichtung Europas aktiv nutzen, statt sie nur zu beobachten.