16.04.2026, 17:17 Uhr
Der US-amerikanische Vermögensverwalter Corient expandiert mit der Akquisition des Schweizer Multi-Family-Offices Bedrock Group weiter auf dem alten Kontinent. Der Deal steht exemplarisch für einen strukturellen...
2026 könnte das Jahr werden, das die Geschichte der Kapitalmärkte neu schreibt – getrieben von einem historischen Stau an privaten Technologieriesen, dem KI-Boom und einem politischen Klima, das Börsengänge so begünstigt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Es war schon länger fällig. Seit dem Zusammenbruch des IPO-Markts in den Jahren 2022 und 2023, geprägt von aggressiven Zinserhöhungen, kollabierenden Bewertungen und einem Risikoappetit, der sich schlagartig verflüchtigt hatte, stauten sich dutzende der wertvollsten Privatunternehmen der Welt im Warteraum.
Sie hatten das Kapital von frühen Investoren aufgenommen, waren zu globalen Plattformen gewachsen, hatten Milliardenumsätze erzielt – und waren doch nie an die Börse gegangen. Zu ungünstig die Zeiten, zu hoch die Unsicherheit, zu gross das Risiko, unter Bewertung zu gehen.
Jetzt verdichten sich die Signale, dass 2026 das Jahr der grossen Entscheidung wird. Goldman Sachs prognostiziert allein für US-Börsengänge Erlöse von bis zu 160 Milliarden US-Dollar, sofern die prominentesten Kandidaten tatsächlich noch dieses Jahr an die Börse gehen. Zum Vergleich: Das bisherige Rekordjahr 2021 brachte rund 330 Milliarden US-Dollar weltweit. Und damals gab es kein Unternehmen mit einer angestrebten Emissionsbewertung von 1,5 Billionen Dollar.
Hinter dem Boom stehen mehrere Kräfte, die sich 2026 zum ersten Mal gleichzeitig entfalten.
Sollten die grössten Kandidaten dieses Jahr tatsächlich an die Börse gehen, würde dies die Kapitalmarktgeschichte neu schreiben. SpaceX allein könnte mit einem Emissionsvolumen von über 30 Milliarden Dollar den bisherigen Weltrekord von Saudi Aramco (25,6 Mrd. USD, 2019) sprengen. OpenAI würde mit einer potenziellen Bewertung von über einer Billion Dollar das erste KI-Unternehmen an der Börse in dieser Liga sein. Und Stripe, Databricks sowie Anthropic würden zusammen mehrere hundert Milliarden Dollar an neuem öffentlichem Kapital mobilisieren.
Für institutionelle Investoren – Pensionskassen, Staatsfonds, Versicherungen – ist dies eine historische Gelegenheit. Bislang blieb ihnen der direkte Zugang zu den profitabelsten Wachstumsunternehmen des Jahrzehnts verwehrt: Private-Equity-Strukturen mit Mindesttickets, undurchsichtige Bewertungen, eingeschränkte Handelbarkeit. Der IPO-Boom demokratisiert diesen Zugang – zumindest für professionelle Marktteilnehmer.
Doch die Risiken bleiben: Ein Handelskrieg, eine neuerliche Zinserhöhungswelle oder ein makroökonomischer Schock könnten das Fenster rasch wieder schliessen. Und nicht alle Kandidaten werden ihr Timing so wählen können, wie sie es sich vorstellen. Die Märkte sind launisch, und die Geschichte der grossen IPO-Vorhaben ist auch eine Geschichte spektakulärer Rückzieher in letzter Minute.
Geschätzter Marktwert: 1,5 bis 1,75 Billionen US-Dollar
Was macht das Unternehmen: SpaceX ist Elon Musks privates Raumfahrt- und Technologiekonglomerat mit Sitz in Hawthorne, Kalifornien. Das Unternehmen entwickelt und betreibt wiederverwendbare Trägerraketen – darunter die Falcon-9-Familie, die heute den Grossteil der kommerziellen Satellitenstarts abwickelt, sowie das noch in der Entwicklung befindliche, gigantische Starship-System für Mars-Missionen und hypothetische Weltraum-Rechenzentren. Das wirtschaftliche Herz des Konzerns schlägt jedoch längst im Erdorbit: Starlink, das Satelliten-Internetnetz aus inzwischen über 7'000 Satelliten, versorgt mehr als 8,5 Millionen Kunden weltweit mit Breitbandinternet – auch in Regionen ohne terrestrische Infrastruktur. Rund 70 Prozent der Einnahmen generiert SpaceX heute über Starlink. Hinzu kommen lukrative Regierungsaufträge von der NASA und dem US-Militär.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gründer und CEO ist Elon Musk, der trotz seiner Aktivitäten bei Tesla, X und DOGE die operative Kontrolle über SpaceX behält und die klare Mehrheit der Stimmrechte hält. Zu den institutionellen Investoren zählen Fidelity, Alphabet (Google), Andreessen Horowitz sowie eine Reihe von Staatsfonds, darunter der saudische PIF, der zuletzt eine substanzielle Position aufgebaut haben soll.
Wieso kommt der IPO: Die ambitionierten Wachstumspläne – globale Starlink-Abdeckung, Starship-Kommerzialisierung, Aufbau von Weltrauminfrastruktur für KI-Rechenzentren – erfordern Kapital in einer Grössenordnung, die selbst der private Markt nicht mehr bereitstellen kann. Hinzu kommt der Druck früher Mitarbeiter mit Aktienoptionen sowie institutioneller Investoren, die auf Liquidität warten. Ein Börsengang positioniert SpaceX zudem als dauerhaftes, institutionell verankertes Unternehmen jenseits der Person Musk.
Wie ist der Stand des IPOs: SpaceX ist der mit Abstand konkreteste Fall auf dieser Liste. Am 1. April 2026 reichte das Unternehmen vertraulich einen S-1-Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC ein – der erste offizielle Schritt in einem IPO-Prozess. Elon Musk hatte die Börsenpläne bereits im Dezember 2025 auf X bestätigt. Geplant ist eine Notierung an der Nasdaq in der zweiten Jahreshälfte 2026, mit einem Emissionsvolumen von potenziell über 30 Milliarden US-Dollar. Damit würde SpaceX den bisherigen Weltrekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 pulverisieren.
Geschätzter Marktwert: 500 Milliarden bis über 1 Billion US-Dollar
Was macht das Unternehmen: OpenAI ist das bekannteste KI-Unternehmen der Welt und Entwickler von ChatGPT sowie der GPT-Modellfamilie, zuletzt GPT-4o und o3. Das Unternehmen betreibt sowohl ein Endkundenprodukt (ChatGPT mit mehreren hundert Millionen Nutzern) als auch eine leistungsstarke API-Plattform, über die tausende Unternehmen KI-Funktionen in ihre eigenen Produkte integrieren. OpenAI generiert bereits einen jährlich wiederkehrenden Umsatz in Milliardenhöhe – genaue Zahlen werden nicht öffentlich kommuniziert, Schätzungen gehen von 4 bis 6 Milliarden Dollar ARR aus.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet 2015 von Sam Altman (CEO), dem damaligen Elon Musk sowie Greg Brockman und weiteren Forschern als gemeinnützige Organisation. Musk verliess das Board 2018 und ist seither ein öffentlicher Kritiker. Grösster Investor ist Microsoft mit rund 49 Prozent der kommerziellen Anteile und einer Gesamtinvestition von über 13 Milliarden Dollar. Weitere bedeutende Investoren sind SoftBank (hat Anfang 2026 40 Milliarden Dollar zugesagt), Thrive Capital und Tiger Global. OpenAI hat sich 2025 in eine gewinnorientierte Public Benefit Corporation umgewandelt – ein wesentlicher Schritt in Richtung Börsenfähigkeit.
Wieso kommt der IPO: Die Transformation weg von der gemeinnützigen Struktur war explizit als Vorbereitung für externe Kapitalmärkte konzipiert. Der Aufbau neuer Rechenzentrumsinfrastruktur, das Training der nächsten Modellgenerationen und die globale Expansion erfordern Kapital in dreistelliger Milliardenhöhe. Zudem ist die aktuelle Bewertungsdynamik ideal: Kaum ein Unternehmen profitiert mehr vom KI-Hype als der Marktführer OpenAI. Ein IPO jetzt sichert maximale Bewertung.
Wie ist der Stand des IPOs: Noch kein formelles SEC-Filing. CEO Sam Altman und CFO Sarah Friar haben öffentlich 2027 als realistisches Datum für den Börsengang genannt – ein IPO bereits Ende 2026 gilt aber ebenfalls als möglich, falls sich das Marktumfeld weiter positiv entwickelt. Die Bewertungsspanne, die diskutiert wird, reicht von 500 Milliarden bis über eine Billion US-Dollar.
Geschätzter Marktwert: 60 Milliarden US-Dollar (letzte private Runde); bis zu 350 Milliarden bei IPO spekuliert
Was macht das Unternehmen: Anthropic ist ein KI-Sicherheits- und Forschungsunternehmen mit Sitz in San Francisco, bekannt durch seinen KI-Assistenten Claude. Das Unternehmen unterscheidet sich von OpenAI durch seinen expliziten Fokus auf sogenanntes «Constitutional AI» – ein Trainingsansatz, der KI-Modelle nach definierten ethischen Grundsätzen ausrichtet und auf Sicherheit und Verlässlichkeit optimiert. Claude wird von zahlreichen Fortune-500-Unternehmen eingesetzt, darunter Allianz und Accenture, sowie von tausenden Entwicklern über die Anthropic API.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet 2021 von Dario Amodei (CEO) und seiner Schwester Daniela Amodei (Präsidentin), beide ehemalige leitende Forscher bei OpenAI, gemeinsam mit weiteren Ex-OpenAI-Mitarbeitern. Grösster strategischer Investor ist Amazon mit einer Gesamtinvestition von über 4 Milliarden US-Dollar; Amazon Web Services ist zudem der primäre Cloud-Partner. Alphabet (Google) hält ebenfalls eine substanzielle Beteiligung.
Wieso kommt der IPO: Anthropic benötigt kontinuierlich enormes Kapital für das Training der nächsten Modellgenerationen, den Aufbau eigener Rechenkapazitäten und die globale Geschäftsexpansion. Die Abhängigkeit von Amazon Web Services als Recheninfrastruktur-Anbieter macht eigene Kapitalquellen strategisch wichtig. Ein Börsengang erhöht zudem die institutionelle Glaubwürdigkeit, die für Enterprise-Kunden in regulierten Branchen entscheidend ist.
Wie ist der Stand des IPOs: Anthropic hat die renommierte Anwaltskanzlei Wilson Sonsini für IPO-Vorbereitungen mandatiert – ein konkretes Zeichen, dass die Planungen ernst genommen werden. Ein festes Datum wurde nicht kommuniziert; 2026 gilt als möglich, 2027 als wahrscheinlicher. Manche Marktbeobachter spekulieren, dass Anthropic bei einem Börsengang mit bis zu 350 Milliarden Dollar bewertet werden könnte – weit über der letzten privaten Bewertung von 60 Milliarden.
Geschätzter Marktwert: ca. 65 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Stripe ist die globale Zahlungsinfrastruktur für das Internet. Das Unternehmen bietet Entwicklern und Unternehmen APIs und Softwaretools, mit denen sich Online-Zahlungen, Abonnementmodelle, Rechnungen, Währungskonversionen und Finanzdienstleistungen nahtlos integrieren lassen. Zu den Kunden zählen Amazon, Alphabet, Shopify, Salesforce sowie Millionen kleinere und mittlere Unternehmen weltweit. Stripe verarbeitet jährlich Transaktionen in Billionenhöhe. Das Unternehmen ist seit Jahren profitabel.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet und bis heute geführt von den irischen Brüdern Patrick Collison (CEO) und John Collison (Präsident), die Stripe 2010 im Alter von 22 und 20 Jahren in San Francisco gründeten. Hauptinvestoren sind Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, General Catalyst, Thrive Capital und der britische Vermögensverwalter Baillie Gifford.
Wieso kommt der IPO: Im Fall Stripe ist es weniger der operative Kapitalbedarf, der zum IPO treibt, als vielmehr der akkumulierte Druck der Frühinvestoren. Fonds wie Sequoia und Andreessen Horowitz haben seit über einem Jahrzehnt Kapital in Stripe gebunden – und brauchen Liquidität, um neue Fonds aufzulegen. Mitarbeiter mit Aktienoptionen warten ebenfalls seit Jahren auf die Möglichkeit zur Realisierung. Zudem stärkt ein Börsengang Stripes Position im Wettbewerb mit börsennotierten Konkurrenten.
Wie ist der Stand des IPOs: Kein offizielles SEC-Filing. Die Gründer haben zuletzt öffentlich erklärt, sich «nicht in Eile» zu befinden. Dennoch gilt Stripe als einer der heissesten und unvermeidlichsten Börsenkandidaten der Branche. Die letzte private Bewertung lag bei rund 65 Milliarden US-Dollar – nach einem Höchstwert von 95 Milliarden im Jahr 2021 und einer zwischenzeitlichen Korrektur auf 50 Milliarden.
Geschätzter Marktwert: ca. 62 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Databricks ist die führende Unternehmensplattform für Daten und künstliche Intelligenz. Das Unternehmen hat das Konzept des «Data Lakehouse» entwickelt – eine Architektur, die die Vorteile von Data Warehouses und Data Lakes vereint und damit Unternehmen ermöglicht, ihre gesamten Daten in einer einzigen, einheitlichen Plattform für Analytics, Machine Learning und KI-Modelletraining zu nutzen. Mit dem Boom der Enterprise-KI – also der Frage, wie Grossunternehmen eigene KI-Modelle auf ihren proprietären Daten trainieren – hat Databricks einen enormen Wachstumsschub erfahren.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet von Ali Ghodsi (CEO) und einer Gruppe von Forschern der Universität Berkeley, die ursprünglich das Open-Source-Projekt Apache Spark entwickelt hatten. Zu den grössten Investoren zählen Andreessen Horowitz, Amazon Web Services als strategischer Partner, sowie die Kapitalmarktgiganten Franklin Templeton, T. Rowe Price und Microsoft.
Wieso kommt der IPO: Databricks wächst rasant und steht kurz vor der Profitabilität – der ideale Moment für einen Börsengang. Das Unternehmen braucht weiteres Kapital für Akquisitionen (zuletzt die Übernahme von MosaicML für 1,3 Milliarden Dollar) und den globalen Ausbau. Zudem erhöht der börsennotierte Konkurrent Snowflake den strategischen Druck: Wer im Enterprise-Markt langfristig bestehen will, braucht die Glaubwürdigkeit und Kapitalstärke eines Börsengängigen.
Wie ist der Stand des IPOs: Kein formelles SEC-Filing bisher. Insider sehen einen IPO in 2026 als realistisch; die letzte Bewertung von rund 62 Milliarden Dollar stammt aus einer Series J-Runde im Januar 2024. Ein Börsengang in H2 2026 gilt als wahrscheinlichstes Szenario.
Geschätzter Marktwert: ca. 23 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Cerebras Systems entwickelt spezialisierte KI-Chips – sogenannte Wafer Scale Engines (WSE) –, die als direkte Herausforderung an die Marktdominanz von Nvidias H100- und H200-GPUs positioniert sind. Die WSE integriert einen vollständigen Chip auf einem einzigen Wafer, wodurch sie deutlich grösser und für bestimmte KI-Trainings- und Inferenzaufgaben erheblich leistungsfähiger als herkömmliche Chips sein soll. Das Unternehmen betreibt selbst Cloud-Dienste für KI-Inferenz und positioniert sich als Hochleistungsalternative für grosse Sprachmodelle.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet von Andrew Feldman (CEO), einem Serialgründer aus dem Halbleiterbereich. Grösster einzelner Investor ist der französische Energiekonzern TotalEnergies, der über 400 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investiert hat – eine ungewöhnliche Konstellation, die Totals strategischen Pivot in Richtung KI-Infrastruktur widerspiegelt. Weitere Investoren sind Altimeter Capital, Coatue Management und Foundation Capital.
Wieso kommt der IPO: Die KI-Chip-Euphorie rund um Nvidia hat das gesamte Halbleitersegment in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerückt. Cerebras will die Bewertungsdynamik nutzen, um frisches Kapital für die Skalierung seiner Fertigungskapazitäten und die globale Marktexpansion aufzunehmen. Ein IPO hätte zudem massive Signalwirkung: Als börsennotierter Nvidia-Konkurrent wäre Cerebras institutionell verankert und für grössere Kundenverträge glaubwürdiger.
Wie ist der Stand des IPOs: Cerebras hatte bereits im Jahr 2024 einen ersten IPO-Anlauf unternommen, der jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken rund um den damals grössten Kunden G42 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten von der SEC gestoppt wurde. Seit Anfang 2026 laufen neue Vorbereitungen. Ein genaues Timing ist noch nicht kommuniziert.
Geschätzter Marktwert: ca. 15–20 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Kraken ist eine der ältesten und grössten Kryptowährungsbörsen der Welt. Die 2011 gegründete Plattform ermöglicht Privatpersonen, institutionellen Anlegern und Unternehmen den Handel mit über 200 digitalen Assets, darunter Bitcoin, Ethereum und eine breite Palette von Altcoins. Kraken operiert in über 190 Ländern und gilt im Markt als besonders vertrauenswürdige und regulatorisch konforme Plattform – eine wichtige Differenzierung in einem Sektor, der durch den Kollaps von FTX massiv an Vertrauen verloren hat.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Mitgegründet von Jesse Powell (ehemaliger CEO, heute im Verwaltungsrat) und Dave Ripley, der seit 2023 als CEO amtiert. Die institutionellen Ankerinvestoren der letzten Finanzierungsrunde – Citadel Securities und Jane Street, zwei der grössten Market Maker der Welt – verleihen dem Unternehmen aussergewöhnliche Glaubwürdigkeit im traditionellen Finanzsektor.
Wieso kommt der IPO: Das regulatorische Umfeld in den USA hat sich unter der Trump-Administration für Krypto-Unternehmen fundamental verbessert. Die neue SEC-Führung ist kryptofreundlich, und der politische Rückenwind ist so stark wie nie. Kraken will dieses Fenster nutzen, um sich als erste grosse Kryptobörse an einer US-Börse zu platzieren – und damit institutionellen Kunden und Bankpartnern gegenüber Legitimität zu signalisieren, die weit über das hinausgeht, was ein privates Unternehmen je erreichen kann.
Wie ist der Stand des IPOs: Kraken ist nach SpaceX der am weitesten fortgeschrittene Kandidat auf dieser Liste. Das Unternehmen reichte am 19. November 2025 vertraulich einen IPO-Antrag bei der SEC ein. Zuletzt wurde Kraken nach einer Finanzierungsrunde über 800 Millionen US-Dollar mit rund 15 bis 20 Milliarden Dollar bewertet; ein Börsengang könnte diese Zahl noch übertreffen.
Geschätzter Marktwert: ca. 35–40 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Canva ist eine australisch-amerikanische Online-Designplattform, die professionelles Grafikdesign für jedermann zugänglich macht – ohne Vorkenntnisse, ohne teure Software. Über 170 Millionen Nutzer weltweit erstellen mit Canva Präsentationen, Social-Media-Grafiken, Dokumente, Websites und Videos. Das Unternehmen expandiert zunehmend in das Enterprise-Segment, wo es Unternehmen wie Microsoft Office und Adobe als All-in-one-Kreativplattform herausfordert.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet 2012 von Melanie Perkins (CEO) und Cliff Obrecht (COO), einem australischen Paar, das die Plattform aus Perth heraus aufbaute und später nach Sydney und San Francisco expandierte. Canva gehört zu den Unternehmen, die den Beweis erbracht haben, dass disruptive Technologieunternehmen nicht zwingend aus dem Silicon Valley stammen müssen. Hauptinvestoren sind Sequoia Capital, Blackbird Ventures, General Catalyst und Franklin Templeton.
Wieso kommt der IPO: Canva ist hochprofitabel und braucht eigentlich kein Börsenkapital. Aber frühe Investoren wie Sequoia und Blackbird haben jahrelang gewartet, und die Gründer wollen das Unternehmen mit M&A-Kapital weiter in den Enterprise-Markt ausbauen. Ein Börsengang in den USA würde Canva zudem globale Sichtbarkeit verleihen und die Wachsamkeit gegenüber Adobe im Wettbewerb erhöhen.
Wie ist der Stand des IPOs: Mitgründerin Melanie Perkins bezeichnete einen Börsengang zuletzt als «imminent» – unmittelbar bevorstehend. Formelles SEC-Filing steht noch aus. Die aktuelle Privatbewertung liegt bei 35 bis 40 Milliarden Dollar, nach einem Höchstwert von 40 Milliarden im Jahr 2021. Ein IPO in 2026 oder spätestens 2027 gilt als nahezu sicher.
Geschätzter Marktwert: ca. 3,7 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Dataiku ist eine Enterprise-KI-Plattform aus Frankreich – heute mit Hauptsitz in New York –, die Unternehmen dabei hilft, KI-Modelle zu entwickeln, zu deployen und zu überwachen. Die Plattform deckt den gesamten KI-Lifecycle ab: von der Datenvorbereitung über das Modelltraining bis zur Produktionssetzung und zum Monitoring. Kunden sind vor allem Grossunternehmen in Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Handel. Dataiku positioniert sich als unabhängige Alternative zu den KI-Angeboten der grossen Cloud-Anbieter Microsoft, Google und Amazon.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet von Florian Douetteau (CEO) und einem Team französischer Ingenieure und Datenwissenschaftler. Hauptinvestoren sind ICONIQ Capital (das Family Office hinter Tech-Milliardären wie Mark Zuckerberg und Reid Hoffman), Tiger Global Management und CapitalG, dem Wachstumsfonds von Google.
Wieso kommt der IPO: Dataiku will sich als führende unabhängige KI-Plattform positionieren, bevor Microsoft, Google und Amazon den Enterprise-KI-Markt weiter konsolidieren und es für kleinere Anbieter schwieriger wird, eigenständig zu bestehen. Ein Börsengang sichert die Unabhängigkeit, liefert Akquisitionskapital und verleiht dem Unternehmen institutionelle Glaubwürdigkeit gegenüber Grosskunden.
Wie ist der Stand des IPOs: Von allen zehn Kandidaten operativ am weitesten fortgeschritten, was die konkrete Umsetzungsvorbereitung betrifft: Dataiku hat Morgan Stanley, JPMorgan und Citigroup als Lead-Underwriter für den Börsengang mandatiert. Ein IPO in der ersten Jahreshälfte 2026 wird angepeilt. Die aktuelle Bewertung von rund 3,7 Milliarden Dollar ist die kleinste auf dieser Liste – macht Dataiku aber nicht weniger bedeutsam für die Geschichte des europäisch-transatlantischen KI-Sektors.
Geschätzter Marktwert: ca. 8,4 Milliarden US-Dollar
Was macht das Unternehmen: Bolt ist ein europäisch-afrikanisches Mobilitäts- und Lieferplattform-Unternehmen aus Estland und der direkte Uber-Konkurrent für Europa und den globalen Süden. Das Unternehmen bietet in über 45 Ländern Ride-Hailing, E-Scooter-Vermietung, Food Delivery und Carsharing an. Bolts Differenzierungsstrategie ist simpel und wirkungsvoll: deutlich niedrigere Preise als Uber, ermöglicht durch eine schlankere Kostenstruktur und niedrigere Marketingausgaben in Märkten, in denen Uber weniger präsent ist.
Wer steckt hinter dem Unternehmen: Gegründet 2013 von Markus Villig, der das Unternehmen im Alter von 19 Jahren in Tallinn, Estland, startete. Villig ist bis heute CEO und eine der bemerkenswertesten Gründerpersönlichkeiten Europas. Bolt ist eines der wenigen «Decacorns» – also Unternehmen mit Bewertungen über 10 Milliarden Dollar – aus Osteuropa. Investoren sind Sequoia Capital, G Squared und OldSlip Group sowie verschiedene europäische Risikokapitalgeber.
Wieso kommt der IPO: Bolt steht nach Jahren der aggressiven geografischen Expansion vor der Phase der Konsolidierung und Profitabilisierung. Ein Börsengang verschafft das Kapital für die nächste Wachstumsstufe – insbesondere den Ausbau des Liefergeschäfts und den Eintritt in neue Märkte. Ein US-Listing würde Bolt zudem Zugang zum tiefsten Kapitalmarkt der Welt öffnen und das Profil bei globalen institutionellen Anlegern schärfen, die bislang kaum Zugang zu europäischen Wachstumsunternehmen in dieser Grössenordnung haben.
Wie ist der Stand des IPOs: Kein formelles SEC-Filing. Ein Börsengang in 2026 oder 2027 ist möglich, aber kein festes Datum wurde kommuniziert. Die letzte Privatbewertung lag bei rund 8,4 Milliarden US-Dollar. Bolt ist auf dieser Liste der Kandidat mit dem längsten Zeithorizont und dem grössten regulatorischen Vorbereitungsaufwand – ein US-Börsengang für ein estländisches Unternehmen ist strukturell anspruchsvoller als für einen Silicon-Valley-Konzern.